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Evans Rutto Wettfavorit in London, in Boston starten Frauen erstmals separat

Rund 85.000 Anmeldungen vor dem größten Marathonwochenende des Jahres

17.04.2004

Der April ist der Marathon-Monat des Jahres. Und das kommende Wochenende bildet den absoluten Höhepunkt. Am Sonntag wird der größte europäische Marathon in London gestartet, am Montag folgt das traditionsreiche Rennen in Boston. Zusätzlich findet am Sonntag der Hamburg-Marathon knapp 20.000 Teilnehmern statt. Das zweitgrößte deutsche Rennen ist international allerdings längst nicht so stark besetzt wie die Rennen in London und Boston. Rund 85.000 Läufer haben sich insgesamt bei diesen drei Rennen angemeldet.

Knapp 45.000 stehen alleine in der britischen Hauptstadt auf der Startliste. Beim 24. London-Marathon wird Englands Superstar Paula Radcliffe zwar nicht laufen, dennoch ist das Spitzenfeld erstklassig besetzt. Die Marathon-Weltrekordlerin will sich ausschließlich auf die Olympischen Spiele konzentrieren und hat deshalb auf einen Frühjahrs-Marathon verzichtet. Vor einem Jahr war sie in London in der Weltrekordzeit von 2:15:25 Stunden zum Sieg gestürmt.

“Es ist schade, dass sie nicht dabei ist. Denn ich hatte gehofft, dass ich von ihr während des Rennens etwas lernen könnte“, erklärte die Chinesin Sun Yingjie. Die Asienrekordhalterin ist mit ihrer Bestzeit von 2:19:39 Stunden nunmehr die schnellste im Feld in London. Sollte sie gewinnen, wäre es eine Premiere. Denn noch nie hat eine Chinesin bei einem der großen Citymarathons triumphiert. Doch sie hat starke Konkurrenz aus Afrika: Darunter ist die New-York-Marathon-Siegerin 2003, Margaret Okayo (Kenia), die Äthiopierin Gete Wami und die zweifache London-Siegerin Joyce Chepchumba.

Bei den Männern heißt der Favorit bei den Buchmachern Evans Rutto. Der 26-jährige Kenianer gehört zur Trainingsgruppe von Uta Pippigs Coach Dieter Hogen und hat im Oktober für Schlagzeilen gesorgt. Als Marathon-Debütant gewann er in Chicago in 2:05:50 Stunden – das ist die schnellste je von einem Debütanten erzielte Zeit. Ein weiterer Läufer von Dieter Hogen wird in London sein Debüt rennen: John Yuda (Tansania). Zu den Konkurrenten gehören unter anderen der Olympiasieger und Vorjahressieger Gezahegne Abera (Äthiopien), der Weltmeister Jaouad Gharib (Marokko) und der zweitschnellste Läufer aller Zeiten, Sammy Korir (Kenia/2:04:56). Verletzungsbedingt absagen musste dagegen Weltrekordler Paul Tergat (Kenia/2:04:55).

Während der Sieger in London 55.000 Dollar bekommt, gibt es in Boston 80.000 zu gewinnen. Robert Cheruiyot geht als Vorjahressieger an den Start. Doch auch seine kenianischen Landsleute Rodgers Rop, Martin Lel sowie Timothy Cherigat, Laban Kipkemboi und Steven Kiogora haben Chancen. Letztere drei kommen ebenfalls aus der Gruppe von Dieter Hogen. Bei den Frauen gilt Weltmeisterin Catherina Ndereba (Kenia) als Favoritin.

Rund 20.000 Athleten haben für den 108. Boston-Marathon gemeldet. Erstmals werden dabei die Elite-Frauen separat vor den Männern ihr Rennen beginnen. Für das Rennen in Boston ist das ein historischer Schritt. Es war hier, wo Marathon laufende Frauen einst Sportgeschichte schrieben. 1966 Lief Roberta Gibb ohne Startnummer heimlich den Boston-Marathon mit. Ein Jahr später sorgte Kathrine Switzer für einen Skandal, als sie ihren Vornamen nicht angab und sich so eine offizielle Startnummer beschaffte. Versuche, sie aus dem Rennen zu nehmen scheiterten. Kathrine Switzer lief ins Ziel. Es dauerte weitere fünf Jahre, bis Frauen schließlich offiziell in Boston zugelassen wurden.

Viele Jahre später war es oft der Boston-Marathon, der die stärksten Frauenfelder aller Marathonrennen am Start hatte. Uta Pippig schrieb hier Geschichte, als sie 1996 als erste Frau zum dritten Mal hintereinander gewann – es war zugleich der 100. Boston-Marathon, das bis heute größte Marathonspektakel aller Zeiten.

Mit der separaten Startregelung folgt Boston anderen großen Marathonrennen wie London oder New York. Damit rücken die Frauen wesentlich stärker in das Blickfeld der großen Marathons. Auch Uta Pippig begrüßt diesen Schritt: “Die Läuferinnen können nun während des Rennen viel besser ihre Konkurrentinnen sehen. Das ist ein großer Vorteil für die Entwicklung dieses Rennens.“


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