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Timothy Cherigat bleibt cool in der Hitze von Boston

Kenianer gewinnt souverän und sorgt für zweiten Hogen-Triumph, Catherine Ndereba schnellste Frau

21.04.2004

Timothy Cherigat hat den 108. Boston-Marathon gewonnen. In einem Hitzerennen mit Temperaturen von bis zu 29 Grad Celsius lief der 27-jährige Kenianer ein cooles Rennen und triumphierte souverän in 2:10:37 Stunden. Für Cherigat war es der größte Erfolg seiner Karriere. Für die Trainingsgruppe von Dieter Hogen, Tom Ratcliffe und Godfrey Kiprotich war dies der zweite Triumph binnen 32 Stunden. Tags zuvor hatte Evans Rutto (Kenia) in ebenso beeindruckender Manier den London-Marathon gewonnen.

Schnellste Frau im Feld des Boston-Marathons war die kenianische Marathon-Weltmeisterin Catherina Ndereba. Nach 2000 und 2001 gewann sie zum dritten Mal diesen Klassiker. Ndereba lief 2:24:27 Stunden und bewies angesichts der extremen Bedingungen ihre Klasse. Es war ein glänzender Test für den Olympiamarathon in Athen für die Kenianerin. Sie verdiente ebenso wie Cherigat ein Sieggeld von 80.000 Dollar.

Insgesamt 20.344 Läufer hatten für den 108. Boston-Marathon gemeldet, 17.950 standen in Hopkinton am Start, 16.743 erreichten das Ziel im Zentrum von Boston. Die Zeiten der Läufer litten deutlich unter den extremen Bedingungen.

In einem verhaltenen Tempo begann angesichts der hohen Temperaturen das Rennen der Männer. Da in Boston traditionell um 12 Uhr mittags gestartet wird, herrschten bereits in der Anfangsphase des Rennens hohe Temperaturen von über 25 Grad Celsius. Bis zur Halbmarathonmarke, die in 65:30 Minuten passiert wurde, hatte sich die Spitzengruppe auf acht Läufer verkleinert – darunter waren sieben Kenianer plus der Äthiopier Hailu Negussie, der am Ende Fünfter wurde in 2:17:30 Stunden. In dieser Gruppe lief auch der Vorjahressieger Robert Cheruiyot.

Auf den nächsten 10 km halbierte sich die Führungsgruppe. Zu denen, die nicht mehr mithalten konnten gehörte der Vorjahressieger Robert Cheruiyot. Vier Kenianer erreichten die 30 km nach 1:32:52 Stunden: Neben Cherigat waren dies Rodgers Rop, Martin Lel und Robert Cheboror. Schließlich entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Rop und Cherigat – einer ging k.o., der andere gewann: Als Timothy Cherigat auf das Tempo drückte, wurde schnell offensichtlich, dass nur dieser Mann der Sieger sein könnte. Rodgers Rop, der vor zwei Jahren sowohl in Boston als auch in New York gewann, bekam große Probleme nach dem Tempowechsel von Cherigat im hügeligen Gelände. Schließlich gab Rop ebenso wie der Vorjahressieger Cheruiyot auf. Während Cherigat einem souveränen Sieg entgegenlief, rannte Robert Cheboror auf Platz zwei in 2:11.49. Dritter wurde Martin Lel in 2:13:38, Vierter war mit Stephen Kiogora (2:14:34) ein weiterer Läufer aus der Trainingsgruppe von Dieter Hogen.

„In meinen ersten beiden Marathonrennen hatte ich jeweils gesundheitliche Probleme. Deswegen habe ich mich dieses Mal sehr konzentriert und langfristig vorbereitet, um sicher zu gehen, dass ich stark sein würde. Ich hatte keine Probleme während des Rennens“, erklärte Timothy Cherigat und fügte hinzu: „Vielleicht hätte ich schneller laufen können, aber das ist bei diesen Wetterbedingungen schwer zu beurteilen.“

Viel härter war der Sieg für Catherine Ndereba, die völlig erschöpft im Ziel zu Boden sank. Es war ein Kampf bis zu letzten Meile, bevor sie das Rennen gegen die starke Äthiopierin Elfenesh Alemu (2:24:43) gewonnen hatte. „Es war unglaublich schwer, ich hatte ziemliche Schmerzen am Ende“, erklärte die Marathon-Weltmeisterin, die in 2:24:27 Stunden eine beachtliche Zeit erzielte.

Zum ersten Mal waren die Frauen in Boston vor den Männern gestartet und erreichten somit auch entsprechend vorher das Ziel. Es war Elfenesh Alemu, die Frau des Marathon-Olympiasiegers Gezahegne Abera (Äthiopien), der tags zuvor beim London-Marathon verletzt ausgestiegen war, die lange Zeit das Tempo machte. Bei 10 km führte sie in 35:15 Minuten, bis zur Halbmarathonmarke hatte die 28-Jährige in 1:12:21 Stunden einen Vorsprung von sieben Sekunden auf Catherine Ndereba. „Ich bin mein eigenes Tempo gelaufen“, sagte Ndereba später. Bei 25 km hatte sie Alemu eingeholt, doch los wurde sie die Äthiopierin nicht. Noch bei 40 km (2:16:57) liefen beide an der Spitze. Erst auf der letzten Meile fiel die Entscheidung, als Ndereba sich trotz Krämpfen absetzen konnte. „Heute brauchte man den Willen zu gewinnen“, sagte Ndereba – es war ein guter Test für Athen.

Ergebnisse, Männer:

1. Timothy Cherigat KEN 2:10:37 2. Robert Cheboror KEN 2:11:49 3. Martin Lel KEN 2:13:38 4. Stephen Kiogora KEN 2:14:34 5. Hailu Negussie ETH 2:17:30 6. Benjamin Kimutai KEN 2:17:45 7. Joshua Kipkemboi KEN 2:18:23 8. Andrew Letherby AUS 2:19:31

Frauen:

1. Catherine Ndereba KEN 2:24:27 2. Elfenesh Alemu ETH 2:24:43 3. Olivera Jevtic SCG 2:27:34 4. Jelena Prokopcuka LAT 2:30:16 5. Nuta Olaru ROM 2:30:44 6. Lyubov Denisowa RUS 2:31:17 7. Malgorzata Sobanska POL 2:32:23 8. Victoria Klimina RUS 2:33:20


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