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Tracey Morris - wie sich eine Hobbyläuferin für das britische Olympiateam qualifizierte

Steigerung um über eine Stunde im zweiten Marathon brachte Fahrkarte nach Athen

22.04.2004

Es war die größte Überraschung aller großen Marathonläufe in diesem Frühjahr. Beim Flora London-Marathon rannte am vergangenen Sonntag eine Läuferin auf Platz zehn, die noch vor rund vier Monaten der Kategorie ambitionierte Hobbyläuferin zuzuordnen war. Tracey Morris lief in London nicht nur auf Rang zehn sondern steigerte ihre Bestzeit um über eine Stunde von 3:39:21 (London 1999) auf 2:33:52. Doch damit noch nicht genug: Tracey Morris war die schnellste Britin in London, und da sie zugleich die Olympianorm von 2:35 Stunden unterbot, wurde sie tags darauf für das britische Olympiateam nominiert.

Das war eine Sensation - und das Foto von Tracey Morris erschien auf vielen Titelseiten der britischen Zeitungen. "Als ich die Fotos sah, habe ich mich gefragt, warum ich? Ich komme mir immer noch vor wie jemand anders", erklärte die 36-jährige Britin bei einer Pressekonferenz in London.

In der Schule lief sie früher über Mittelstrecken, und ihr Idol hieß Sebastian Coe. In den letzten Jahren bewunderte sie Paula Radcliffe, ohne jemals davon zu träumen, dass sie sich neben der Marathon-Weltrekordlerin für das britische Olympiateam qualifizieren könnte. Tracey Morris hatte sich einst zum Ziel gesetzt, mit 30 Jahren den London-Marathon zu laufen. Das tat sie, und danach lief sie weiter - allerdings nur drei- bis viermal pro Woche etwa fünf Meilen (8 Kilometer).

Nachdem sie sich einem Leichtathletikklub (Valley Striders) angeschlossen hatte, lief sie ein bisschen mehr. Doch erst nach Weihnachten entschied sich die Läuferin aus Leeds für ein konzentriertes Training. Das bedeutete, dass sie nun vor und nach der Arbeit trainierte. Zwischen 110 und 135 Kilometer rannte Tracey Morris dabei in der Woche - doch auch das ist wenig im Vergleich zu einer professionellen Marathonläuferin. "Teilweise war ich sehr müde von dem Training und der Arbeit", erzählte die Läuferin aus Leeds, die bei einem Optikunternehmen (Dolland & Aitchison) angestellt ist.

Wie aus einem Märchenbuch hört sich ihre Geschichte zur Qualifikation zur Olympiastarterin an. Nur vier Monate seriöse Vorbereitung auf den London-Marathon reichten. Tracey Morris isst Toast und Marmelade vor dem Marathon. Sie gehört schon der Veteranen-Klasse an. In ihrem letzten Rennen gewann sie 50 Pfund für Laufsachen. Sie hatte nie den Gedanken, sich für Athen zu qualifizieren, sie meinte, dass viele andere Frauen besser als sie wären. Ihr Mann Paul (36) war mit ihr per Handy in Kontakt und lief selbst in 4:45:00 hinter ihr her.

Auf einem großen Bildschirm war der Lauf von Morris im Ziel zu sehen, die Begeisterung bei den Zuschauern wuchs ständig, nachdem die Favoritinnen im Ziel waren. Und als Tracey Morris auf der Mall auf die Ziegerade einbog, standen die Zuschauer auf und es gab Standing Ovations für die "Erfüllung eines laufenden Märchens"!

"Die Olympia-Qualifikation geschafft zu haben, war wie ein Schock für mich", erklärte Tracey Morris. Nachdem ihr Chef am Montag die Fotos auf den Titelseiten gesehen hatte, hinterließ er auf ihrer Mailbox eine Nachricht: "Er gratulierte mir und sagte, dass er mich unterstützen wird bei meinen Vorbereitungen auf Athen." Vielleicht bekommt Tracey Morris Sonderurlaub, um sich auf Olympia vorzubereiten. "Denn irgendwie muss ich nun versuchen, in der Wärme zu trainieren. Bisher bin ich oft bei Wind und Regen gelaufen, jetzt komme ich aber in die Hitze von Athen." Zu ihren Zielen bei Olympia sagte sie: "Ich habe keine Ahnung, was dort möglich ist."


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