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Phänomen Nordic Walking
Nicht nur mit den Stöcken „rumhacken“!
30.04.2004
Jahrelang dümpelte Walking in Deutschland vor sich hin. In den USA
der "Renner", übte es in Deutschland ausser in ein paar
Hochburgen (Baden-Württemberg, Prof. Bös an der Uni Karlsruhe) ein
Mauerblümchendasein aus. Auch der DLV hat es nie geschafft Walking zu
einem "Renner" zu machen. Was ist in USA anders gelaufen? Warum sind
in USA bis zu 80 Millionen Menschen gewalkt?
Der Sport wurde dort von Anfang an stark von der Industrie unterstützt. Sportorganisationen, Vereine gibt es dort kaum, haben sich somit auch nicht engagieren können. Dazu kommt, dass man keinen strengen Ausgrenzungen macht. Wandern, Trekking, Marschieren und klassisches Walken – Gehen mit verstärktem Armeinsatz – alles gehört zum Walking. Anders bei uns: Kaum Engagement der Industrie, strenge Abgrenzung: Walking ist Gehen mit verstärktem Armeinsatz, Wandern dagegen ist kein Sport und ist nicht zum Walken zurechenbar. Fehlt uns da doch ein wenig die Toleranz?
Ganz anders die Entwicklung beim Nordic Walking. Zwar haben sich schon in den Dreissigern einige Leute (Dr. Neureuther) mit den Wirkungen von Stöcken beim Wandern und Skilaufen beschäftigt, in den USA tauchte Anfang der Neunziger Pole-Walking auf (Walking mit Skistöcken). Der Durchbruch gelang, als die Firma Exel für die finnischen Biathleten Stöcke für das Sommertraining entwickelte. Zunächst haben Exel und der finnische Herzfrequenzmessgeräte Hersteller Polar die Sportart gefördert.
Im Jahre 2000 kam die Sportart nach Deutschland, inzwischen ist Nordic Walking die Trendsportart. Zwar versuchen immer noch einige Nordic Walking als Weiterentwicklung von Walking zu verkaufen, doch vom Bewegungsablauf ist es dem Skilanglauf ähnlicher als dem Walking. Während vor 4 Jahren die etablierten Sportverbände Nordic Walking als zu kommerziell ablehnten, beanspruchen sie es heute für sich. Vor vier Jahren musste man sich noch Kommentare anhören wie: "Sucht ihr den Schnee? Habt ihr die Skier vergessen?" Heute tummeln sich fast 20 Stockhersteller auf dem Markt, die Sportschuhhersteller interessieren sich für die Nordic Walker, es gibt 6 Verbände in Deutschland, 3 in Österreich.
Nordic Parks sollen helfen die gebeutelte Tourismusbranche zu unterstützen. Aldi, Lidl und Netto verkaufen Nordic Walking Stöcke, eine Kette verkauft Trekking Stöcke als Nordic Walking Stöcke für 14,99 €. Jeder möchte an dem Boom profitieren. Doch wir müssen aufpassen, dass aus dem eleganten Bewegungsablauf der Skilangläufer nicht ein wildes „Gehacke“ wird. Es reicht nicht ein paar Stöcke zu nehmen und im Eigenversuch loszulaufen.
Es müssen zwei Dinge stimmen, um die vielgepriesenen gesundheitlichen Wirkungen zu erzielen:
1. Man muss die richtige Technik lernen, am besten bei einem ausgebildeten
Trainer
2. Das Material muss stimmen (Carbon/Glasfaser Stock und in einem
Stück).
Volker Rose
www.walkingonline.de
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