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25 km von Berlin: Paul Kosgei rennt Weltrekord

09.05.2004

Triumphaler hätte die Rückkehr kaum ausfallen können. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 war das Ziel der 25 km von Berlin gestern wieder im Olympiastadion. Wegen der Umbauarbeiten der Arena hatte der Traditionslauf in den letzten Jahren auf sein Highlight verzichten müssen. Das Ziel befand sich in dieser Zeit in der Passenheimer Straße, wo gestern auch die Inline-Skater ihr Rennen beendeten. Die Läufer jedoch durften zurück in das Stadion. Und sie kamen so schnell wie nie zuvor: Der Kenianer Paul Kosgei gewann den Traditionslauf in der neuen Weltrekordzeit von 1:12:45 Stunden vor zehn Landsleuten. Neben dem 26-jährigen Sieger blieben auch die nächsten vier Läufer noch unter dem alten Weltrekord, den der Kenianer Rodgers Rop vor drei Jahren ebenfalls bei den 25 km von Berlin aufgestellt hatte (1:13:44 Stunden).

Auch die schnellste Frau kam einmal mehr aus Kenia: Christine Chepkonga lief 1:25:34 Stunden und gewann damit vor Restituta Joseph (Tansania/1:27:09) und Irene Jerotich (Kenia/1:29:23). „Es war mein erster Lauf über die 25-km-Strecke. Und zugleich ist es auch der größte Erfolg meiner Karriere“, erklärte die 25-jährige Christine Chepkonga im Ziel. Als beste deutsche Läuferin kam Carmen Siewert (LG Vorpommern) in 1:34:51 Stunden auf Platz sieben, schnellste Berlinerin war Anette Wolfrom (OSC) in 1:39:04 auf Rang neun. Bei den Männern war der beste Deutsche auch der schnellste Berliner: Lennart Sponar (BSV 92) lief 1:21:30 Stunden und war damit auf Platz 13 sogar der beste Läufer hinter den Afrikanern. Insgesamt beteiligten sich bei dem Run Berlin, zu dem auch Kinderläufe sowie ein neues 10-km-Rennen ohne Wettkampfcharakter zählte, gut 8.000 Athleten. Genau 6.017 von ihnen starteten bei der 24. Auflage der 25 km von Berlin. Darunter waren auch die Inline-Skater, die zuerst über die Strecke gingen. Markus Pape (Zepto Skate Team) und Tina Strüver (SV Turbine Halle) waren hier in 48:02 beziehungsweise 55:05 Minuten die schnellsten.

Doch es war das Männerrennen, das im Blickpunkt stand. Noch im letzten Jahr hatte die Spitzengruppe ausgerechnet auf dem abfallenden und daher besonders schnellen ersten Abschnitt des Rennens das Tempo verbummelt und damit eine Chance auf eine schnelle Endzeit vergeben. In 1:15:07 Stunden hatte Jason Mbote schließlich im Schlussspurt gewonnen. Dieses Mal war der Kenianer wieder dabei, doch es entwickelte sich ein ganz anderes Rennen mit hohem Tempo von Beginn an. Nach sehr schnellen 29:13 Minuten passierte die Spitzengruppe Kilometer 10 Unter den Linden. Zum Vergleich: der beste deutsche Langstreckenläufer, Carsten Eich (LG Braunschweig), gewann im vergangenen Jahr die 10-km-City-Nacht auf dem Kurfürstendamm in 29:20 Minuten. In der Folge des Rennens formierte sich an der Spitze eine fünfköpfige Führungsgruppe. Kurz vor Kilometer 20, als es in der Neuen Kantstraße bergauf ging, forcierte Paul Kosgei das Tempo und löste sich von seinen Konkurrenten.

Kosgei war als Erster im Ziel, obwohl er als letzter der Topläufer gemeldet hatte. Der Halbmarathon-Weltmeister von 2002 hatte sich erst im Laufe der letzten Woche zu einem Start entschlossen. „Ich war sehr gut im Training, deswegen wollte ich es versuchen“, erklärte Kosgei, für den der 25-km-Lauf ebenfalls ein Debüt über diese Strecke war. „Im Herbst möchte ich nun meinen ersten Marathon laufen – dieser Sieg heute hat mir Mut gemacht für die klassische Distanz. Bisher war ich etwas skeptisch bezüglich des Marathons, aber heute habe ich gemerkt, dass ich am Ende noch Kraft hatte. Ich hoffe, eines Tages auch einmal im Marathon einen Weltrekord laufen zu können.“ Ein Preisgeld von 4000 Euro verdiente sich der 26-Jährige, der zur Trainingsgruppe des italienischen Coaches Renato Canova gehört. „Da seit diesem Jahr auch bei Straßenläufen Weltrekorde offiziell vom internationalen Leichtathletik-Verband anerkannt werden, hat es Paul gereizt, als Rekordhalter geführt zu werden. Es war vorher klar, dass er eine sehr gute Chance haben würde, denn verglichen zu den anderen Rekorden war die 25-km-Zeit am einfachsten zu brechen“, erklärte der Italiener Canova, der unter anderen auch den Hindernis-Weltmeister Said Saeed Shaheen (Katar) trainiert. Shaheen sorgte im vergangenen Jahr für Aufsehen, weil der Kenianer die Staatsbürgerschaft Katars annahm und auch seinen Namen wechselte.

„Wir sind sehr zufrieden mit unserer Veranstaltung. An der Spitze hat es echtes Teamwork gegeben, denn mehrere Läufer wollten den Weltrekord brechen. Dieser Rekord hat jetzt ein vergleichbares Niveau wie die Bestzeit im Halbmarathon“, erklärte Christoph Kopp, der Elite-Race-Director.

Resultate, Männer: 1. Paul Kosgei KEN 1:12:45 2. Luke Kibet KEN 1:12:52 3. Benson Cherono KEN 1:13:01 4. Titus Munji KEN 1:13:32 5. Joseph Riri KEN 1:13:35 6. Jason Mbote KEN 1:14:44 7. Fred Mogaka KEN 1:15:55 8. Jacob Losian KEN 1:16:17 9. Yator Miningwo KEN 1:16:22 10. Sammy Kigen KEN 1:16:28 11. Richard Mutai KEN 1:16:54

Frauen: 1. Christine Chepkonga KEN 1:25:34 2. Restituta Joseph TAN 1:27:09 3. Irene Jerotich KEN 1:29:23 4. Natalia Belova RUS 1:32:31 5. Ludmilla Afoniouchkina RUS 1:33:32 6. Georgia Ampatzidou GRE 1:34:30 7. Carmen Siewert GER 1:34:51


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