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Wien-Marathon am Sonntag: Letzte Olympiachance für Sonja Oberem

Lidia Simon und Raymond Kipkoech wollen an altes Leistungsvermögen anknüpfen

14.05.2004

Sonja Oberem wird am Sonntag beim Wien-Marathon versuchen, die letzte Qualifikationschance für die Olympischen Spiele zu nutzen. Um das Ticket nach Athen zu lösen, muss die 31-jährige Läuferin von Bayer Leverkusen mindestens 2:30 Stunden rennen. Eigentlich ist der Qualifikationszeitraum für die Marathonläuferinnen bereits seit knapp zwei Wochen beendet, doch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat im Falle der Marathon-Olympiaachten von 1996 eine Ausnahme gemacht. Läufe über kürzere Distanzen hinzugerechnet, werden am Sonntag in Wien rund 20.000 Läufer an den Start gehen. Mit etwas 7.500 Marathonläufern rechnen die Organisatoren um Wolfgang Konrad.

Verletzungsbedingt hatte Sonja Oberem beim Hamburg-Marathon im April nicht starten können. „Seit meiner Absage von Hamburg konnte ich gut trainieren. Aber die Vorbereitungszeit war knapp. Ich weiß nicht, ob es reichen wird“, erklärte die EM-Dritte von München 2002. Sonja Oberem, die eine Bestzeit von 2:26:13 Stunden hat, trifft am Sonntag unter anderen auf die Marathon-Weltmeisterin von 2001, Lidia Simon. Auch die Rumänin will sich noch für Olympia qualifizieren. Sie braucht jedoch lediglich 2:37:00 Stunden zu unterbieten. Und Simon hat nach der Geburt eines Sohnes andere Ziele: Angepeilt ist eine Zeit unter 2:26 Stunden, mit der sie zu alter Klasse zurückfinden möchte. Die Olympiazweite von 2000 fühlt sich nach der Geburt im Dezember 2002 physisch stärker. Ihr erste Marathon nach der Entbindung war jedoch noch kein Erfolg. In Chicago kam sie im vergangenen Herbst abgeschlagen mit einer 2:40er Zeit ins Ziel.

Einer, der ebenfalls an alte Zeiten anknüpfen möchte, kommt aus Kenia: Vor knapp zwei Jahren rannte Raymond Kipkoech beim real,- BERLIN-MARATHON zum größten Triumph seiner Karriere. Er gewann den hochkarätigen Marathon in der Weltklassezeit von 2:06:47 Stunden. Der 26-jährige Kenianer ist einer der Favoriten beim 21. Vienna-City-Marathon am Sonntag. “Ich habe gut trainiert. Wenn das Wetter mitspielt, möchte ich schnell rennen. Eine Halbmarathonzeit zwischen 64 und 64:30 Minuten wäre okay für mich, mit diesem Tempo hätte ich kein Problem“, erklärte Raymond Kipkoech. Diese Pace würde im Bereich des Streckenrekordes von Willy Cheruiyot liegen. Der Kenianer gewann 2000 den Vienna-City-Marathon in 2:08:48 Stunden.

Ein Jahr nach seinem Sieg in Berlin hatte Raymond Kipkoech, der verheiratet ist, aber noch keine Kinder hat, Pech. Als einer der Favoriten beim New-York-Marathon an den Start gegangen, wurde er kurz vor Kilometer 30 von dem Fahrzeug mit den Fotografen angefahren. „Der Laster hat mich am Kopf touchiert. Ich hatte noch längere Zeit nach dem Unfall Schmerzen“, erzählt Raymond Kipkoech, für den das Rennen nach dem Unfall beendet war. Ins Krankenhaus musste Kipkoech in New York nicht. „Nach einer medizinischen Versorgung konnte ich auch wieder nach Kenia zurückkehren.“

Anfang April ist Raymond Kipkoech bereits beim Paris-Marathon an den Start gegangen. Dort wurde er in 2:10:08 Stunden Zweiter. Doch damit war der Kenianer nicht zufrieden. „Ich wollte schneller laufen, aber die wellige Strecke lag mir nicht. Deswegen möchte ich jetzt in Wien zeigen, was ich kann“, erklärte Kipkoech, der zur Gruppe des italienischen Managers Dr. Gabriele Rosa gehört. Zwei Wochen hat er nach dem Paris-Marathon pausiert, danach hat er rund vier Wochen in seiner Heimat Kapsait trainiert.

Die Reise nach Wien geriet für Raymond Kipkoech zu einer Odyssee. Acht Stunden lang war er alleine von Kapsait mit dem Auto unterwegs, um dann in Nairobi festzustellen, dass er zu spät kam für seinen Flug nach Europa. Zwölf Stunden später als geplant landete er schließlich am Freitag morgen in Wien. Gemessen daran machte Raymond Kipkoech einen munteren Eindruck. „Ich fühle mich in sehr guter Form“, sagte der Kenianer. Und angesprochen auf Moses Tanui, einen der größten Läufer Kenias, der am Sonntag sein Konkurrent sein wird, sagte Kipkoech: „Moses ist ein Symbol in Kenia. Mit ihm muss ich rechnen am Sonntag. Spätestens bei Kilometer 38 werde ich sehen, ob ich ihn schlagen kann.“


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