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Lebenszeichen - Alte Knochen

Harald Martenstein geht zum Orthopäden

15.05.2004

Die "Alten Knochen" vom "Methusalon" BERLIN-MARATHON

Weltgrößte Rentner-Demonstration in Berlin

Im folgenden veröffentlichen wir einen Artikel aus der "DIE ZEIT", Nr. 17 vom 17. April 2004 von Harald Martenstein.

Der real,- BERLIN-MARATHON ist - nach seiner Sichtweise - "die weltgrößte Rentner-Demonstration". Das wäre sicherlich für die Rentenkasse der endgültige ko, denn nach der Ergebnisliste des 30. real,- BERLIN-MARATHON 2003 ist der Hauptteil der laufenden rüstigen "Rentner" in Berlin von der AK M 35 - M 40, sowohl weiblich, als auch männlich. So jung waren Rentner eigentlich noch nie in Deutschland. Zumindest kann der BERLIN-MARATHON nach dieser Aussage von Harald Martenstein mit guten Gewissen in das Guinness-Buch der Rekorde - das hat auch seinen Wert. Vielleicht kann das "marathon-forum" mit medizinischen Hinweisen helfend eingreifen, denn "Mein Knie ist immer noch lädiert. Aber es wird schon!" - sagt Harald Martenstein auf Nachfrage wörtlich.
Horst Milde

Einmal pro Jahr findet in Berlin die weltgrößte Rentner-Demonstration statt. Sie trägt den Titel »Berlin-Marathon«. Ich stehe meistens mit einer Whisky-Cola am Straßenrand, lasse die gewaltigen Herden grauhaariger Mitbürger jenseits der 70 an mir vorüberziehen, spüre im Raum der Geschichte den Widerhall der ebenso gewaltigen, ebenso grauen Gnuherden, die einst Afrikas Steppen unter ihre Hufe nahmen, und denke: »Die Sportart Marathon sollte auf Deutsch zutreffender Methusalon heißen.« Und: »Eines fernen Tages werde auch ich im idealen Marathonalter sein.« Letzte Woche bin ich, um mich auf meinen Lebensabend vorsichtig vorzubereiten, auf dem Fließband in der Fitness-Lounge zum ersten Mal fünf statt drei Kilometer gelaufen. Am nächsten Morgen war das linke Knie so groß wie der Schädel eines neugeborenen Elefantenbabys. Ich schmierte fingerdick Mobilat drauf. Mobilat ist einer der drei großen deutschen Medizinmythen. Aus den germanischen Göttern Thor, Odin und Frigga sind im heutigen Volksglauben Mobilat, Olbas sowie Klosterfrau Melissengeist geworden. Der Tag, an dem in der Höhle unterm Kyffhäuser der Bart von Kaiser Barbarossa nicht mehr wächst, wird auch der Tag sein, an dem die Deutschen nicht mehr an Mobilat glauben, und an genau diesem Tage wird unser Vaterland gurgelnd in der Ostsee versinken.

Tags darauf war die große Demo gegen Sozialabbau. Ich sollte als Senior Comparing Reporter berichten, weil ich mich als Einziger im Büro noch an Demos von früher erinnern kann. Das Mobilat hatte nicht geholfen. Es hilft eigentlich nie. Abzusagen traute ich mich nicht. Also bin ich vom Gendarmenmarkt bis zum Brandenburger Tor mitgehinkt. Um das Knie hatte ich eine fleischfarbene elastische Binde gewickelt, die mit Klebeband befestigt war, weil ich die Befestigungszacken für elastische Binden in der Eile nicht hatte finden können. Doch wegen des flutschigen Mobilats rutschte die Binde, wickelte sich ab und schlängelte sich aus dem Hosenbein. Erst nach einer Weile habe ich gemerkt, dass ich wie eine Fahne eine drei Meter lange, fleischfarbene, aus dem Hosenbein lappende Elastikbinde hinter mir herzog, während ich, hinkend und mit zusammengebissenen Zähnen, zahlreiche zeitkritische Beobachtungen in mein Notizbuch eintrug.

Am Montagmorgen entsprach das Knie dem Schädel eines geschlechtsreifen Elefantenbullen. In der Arztpraxis war ich der Jüngste. Die anderen Männer waren fast alle über 70, ihre Jacketkronen blitzten, es waren Marathonläufer. Einer hatte seine kleine Tochter dabei. Der Orthopäde stellte fest: >Meniskusproblem.« Zur Sprechstundenhilfe: »Geben Sie ihm Schmerztabletten.« Zu mir: »In Ihrem Alter hilft die Natur sich noch selbst.« Dann ging er, des Satans Orthopäde, zu irgendeinem Hundertjährigen, dem die Natur definitiv nicht mehr hilft, um ihm fürs New York Marathon eine Sehne aus Titanium ins Kniegelenk zu ätzen. Ich bestreiche mich jetzt zweimal täglich am ganzen Körper fingerdick mit Mobilat. Es hilft nicht. Aber ich bin zu jung für einen deutschen Orthopäden.


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