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AVON RUNNING Berliner Frauenlauf – ein Stück Laufsportgeschichte

Der lange Weg zum Erfolg, um Mädchen und Frauen zum Laufen zu animieren

21.05.2004

Als der SCC Berlin am 31. Mai 1984 den ersten Frauenlauf im Tiergarten initiierte, bekamen die Organisatoren böse Briefe von Männern. “Die fragten uns, wie wir dazu kämen, einen Lauf nur für Frauen zu veranstalten“, erinnert sich der jahrzehntelange Race-Director Horst Milde, der das Rennen zudem über viele Jahre hinweg ausgerechnet am Vatertag ansetzte. Doch heute fragt keiner mehr.

Es hat allerdings lange gedauert, bis es so weit kam – die Entwicklung war eine mühsame. Mit 645 Läuferinnen wurde 1984 der erste “AVON Berliner Frauenlauf“ gestartet. Das war in Deutschland bisher einmalig und damit auch eine kleine Sensation.


Erster Start auf der Straße des 17. Juni 1984 mit 645 Läuferinnen

Doch viele Jahre stagnierte das Rennen mit Teilnehmerinnenzahlen von unter 1.500. 1995 versuchte man in Berlin etwas Neues, strich das sportliche Rennen über 10 km und setzte ausschließlich auf einen 5-km-Lauf ohne Wettkampfcharakter. Das Experiment, kopiert vom größten Frauenlauf der Welt in Oslo, wo jährlich über 40.000 Läuferinnen am Start sind, scheiterte. Selbst die berühmte Grete Waitz (NOR), mehrfache New York City-Marathon Siegerin und Crosslauf-Weltmeisterin half in Berlin mit das “Oslo-Frauenfestival“ über 5 Kilometer in Berlin zu etablieren, sie joggte mit im Tiergarten, aber die Begeisterung sprang in Berlin nicht über. Schon ein Jahr später war der 10-km-Lauf in Berlin wieder im Programm, und die Läuferinnen kamen zurück. Doch erst bei der 14. Auflage 1997 wurde erstmals die Zahl von 2.000 Frauen und Mädchen erreicht. Weitere zwei Jahre später gab es einen echten Aufwärtstrend, als sich die Teilnehmerzahl mit 4.362 fast verdoppelt hatte. Seitdem läuft es, und im vergangenen Jahr rannten 10.528 Läuferinnen aus 44 Nationen durch den Tiergarten. Inzwischen wurden die Parkwege zu eng, so dass die Strecke verändert werden musste.

Die frühere Siegerin des New-York-Marathons, Kathrine Switzer, reiste in den vergangenen Jahren mehrmals nach Berlin, um sich für den AVON RUNNING Berliner Frauenlauf einzusetzen. Sie hatte schon für die Premiere 1984 die Initiative ergriffen, nachdem sie Horst Milde beim New-York-Marathon 1983 um “Entwicklungshilfe“ für den Frauenlaufsport in Deutschland gebeten hatte. Die Amerikanerin war es, die sich einst 1967 mit einer offiziellen Startnummer in das Feld des legendären Boston-Marathons geschlichen hatte, der damals nur Männern vorbehalten war. Ein Versuch, sie aus dem Rennen zu nehmen, scheiterte am kräftigen Begleiter der Läuferin, einem Hammerwerfer. Der beförderte den Organisator Jock Semple in den Straßengraben. Kathrine Switzer lief ins Ziel, und es war einer der entscheidenden Schritte in der Entwicklung des Frauen-Langstreckenlaufes.

Sie selbst organisierte später auch in Zusammenarbeit mit AVON Frauenrennen und machte sich dafür stark, dass der Frauen-Marathon 1984 erstmals zur olympischen Disziplin wurden. Bis einschließlich 1968 war die 800-m-Strecke die längste Distanz für Frauen bei Olympia – das ist heute beim AVON RUNNING Berliner Frauenlauf die Streckenlänge für den Bambinilauf.


Die berühmte Grete Waitz (Norwegen) joggte 1996 beim 5 km Lauf mit

Berühmte Namen der nationalen und internationalen Frauenlaufszene waren ab 1984 beim AVON Frauenlauf über 10 km in Berlin dabei und schwärmten dann von der besonderen und einmaligen Stimmung, die bei diesem besonderen Lauf nur für Frauen herrschte. Die bekannten Läuferinnen sollten natürlich auch Vorbilder für die bisher passiven Mädchen und Frauen sein, denen das Laufen “schmackhaft“ gemacht werden sollte.

Der 5 Km Lauf ist schon seit Jahren die “Einstiegsdroge“, um Anfängerinnen den Anfang zu erleichtern. Insbesondere auch die schon langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Landesschulamt des Landes Berlin brachte einen neuen Aufwärtstrend bei den Frauen in der Motivation zur Beteiligung am Laufen. Wenn auch die Lehrerinnen und die Mütter mitlaufen, können die Schülerinnen und Töchter nicht abseits stehen. Das wird auch die Basis für eine weitere zukunftsträchtige Entwicklung sein, wenn schon in der Jugend die Liebe zum Laufen entwickelt wird.


Der verregnete 3. AVON Frauenalauf 1986 auf der "Baustelle" der Straße des 17. Juni mit 1.174 Läuferinnen

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Aufwärtstrend bei der ständig wachsenden Beteiligung am AVON RUNNING Frauenlauf ist die seit Jahren von SCC-RUNNING gepflegte “Aufklärungsarbeit“ bei der Information der Bevölkerung über die positiven gesundheitlichen Faktoren des Laufens und die vielen Angebote der kostenlosen Beteiligung an Trainingsläufen seitens SCC-RUNNING im Tiergarten und im Grunewald.

DIE SIEGERINNENTAFEL DES AVON RUNNING BERLINER FRAUENLAUF

10-km-Lauf

1984
1. Charlotte Teske (ASV Darmstadt) 33:27
2. Christa Vahlensieck (BTV Wuppertal) 33:37
3. Birgit Lennartz (St. Augustin) 35:37

1985
1. Charlotte Teske (ASV Darmstadt) 34:09
2. Ute Jamrozy (PSV Eutin) 34:10
3. Ursula Heldt (SG Seesen) 34:58

1986
1. Marina Slamy (Großbritannien) 34:25
2. Christa Vahlensieck (BTV Wuppertal) 35:08
3. Eva-Maria Lehmann (SCC Berlin) 35:13

1987
1. Karolina Szabo (Ungarn) 33:43
2. Agnes Sipka (Ungarn) 34:47
3. Christa Vahlensieck (BTV Wuppertal) 35:24

1988
1. Karolina Szabo (Ungarn) 32:46
2. Helen Barocsi (Ungarn) 34:14
3. Anna Iskra (Polen) 34:21

1989
1. Kerstin Preßler (LAC H. Berlin) 33:09
2. Susan Tooby (Großbritannien) 33:36
3. Gillian Dainty (Großbritannien) 33:42

1990
1. Irina Jagodina (UdSSR) 34:00
2. Gabriele Veith (DDR) 34:10
3. Susan Tooby (Großbritannien) 35:09

1991
1. Izabella Zatorska (Polen) 33:21
2. Bozena Dziubinska (Polen) 34:08
3. Wendy Breed (Neuseeland) 34:36

1992
1. Katrin Dörre-Heinig (LG Odenwald) 32:54
2. Grazyna Kowina (Polen) 33:51
3. Olga Parljuk (GUS) 33:54

1993
1. Helen Kimaiyo (Kenia) 32:25
2. Jelena Wjasowa (Ukraine) 32:26
3. Ljudmilla Matwejewa (Russland) 32:28

1994
1. Grazyna Kowina (Polen) 34:51
2. Susanna Ciric (Serbien) 34:52
3. Regina Tschistjakowa (Litauen) 34:53

1995
in diesem Jahr gab es keinen 10-km-Wettkampf,
sondern nur einen 5 km Lauf.

1996
1. Regina Wunder (Russland) 37:03
2. Grit Spitzer (USA) 39:46
3. Susanne Brema (Berlin) 40:13

1997
1. Birgit Sonntag (LAC Quelle Fürth) 37:00
2. Regina Wunder (Russland) 37:23
3. Annette Wolfram (OSC Berlin) 38:00

1998
1. Sylvia Renz (LG Nike Berlin) 35:07
2. Anja Carlsohn (LG Nike Berlin) 35:30
3. Birgit Sonntag (LG Nike Berlin) 36:39

1999
1. Annette Wolfrom (OSC Berlin) 37:38
2. Renata Forstner (LG Regensburg) 37:57
3. Kerstin Brünig (TSV Kirchdorf) 38:14

2000
1. Kathrin Weßel (SCC Berlin) 35:07
2. Kelley Wilder (USA) 35:20
3. Manuela Edler (LG Nike Berlin) 35:43

2001
1. Restituta Joseph (Tansania) 32:14
2. Kathrin Weßel (SCC Berlin) 33:04
3. Claudia Dreher (TVF Naumburg) 34:09

2002
1. Kathrin Weßel (SCC Berlin) 33:02
2. Iris Biba (ASC Darmstadt) 33:11
3. Kristina da Fonseca-W. (Eintr. Frankfurt) 33:39

2003
1. Lenah Cheruiyot (Kenia) 33:26
2. Kathrin Weßel (SCC Berlin) 33:34
3. Sonja Oberem (Bayer Leverkusen) 33:39

DIE BESTEN 20 ZEITEN BEIM AVON-RUNNING Berliner Frauenlauf

32:14 Restituta Joseph Tansania 2001
32:25 Helen Kimaiyo Kenia 1993
32:26 Jelena Wjasowa Ukraine 1993
32:28 Ljudmilla Matwejewa Russland 1993
32:33 Katrin Dörre-Heinig LG Odenwald 1993
32:46 Karolina Szabo Ungarn 1988
32:54 Katrin Dörre-Heinig LG Odenwald 1992
33:02 Kathrin Weßel SCC Berlin 2002
33:04 Kathrin Weßel SCC Berlin 2001
33:09 Kerstin Preßler LAC Hal. Berlin 1989
33:11 Iris Biba ASC Darmstadt 2002
33:21 Izabella Zatorska Polen 1991
33:26 Lenah Cheruiyot Kenia 2003
33:27 Charlotte Teske ASV Darmstadt 1984
33:34 Kathrin Weßel SCC Berlin 2003
33:36 Susan Tooby Großbritannien 1989
33:37 Christa Vahlensieck BTV Wuppertal 1984
33:39 Kristina da Fonseca-W. Eintr. Frankfurt 2002
33:39 Sonja Oberem Bayer Leverkusen 2003
33:42 Gillian Dainty Großbritannien 1989

Zu beachten ist, daß die Zeiten auf wechselnden Strecken im Berliner Tiergarten erzielt wurden.


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