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Mockenhaupt gegen Mikitenko, ein freundschaftliches Duell

Männer zeigen nicht erst seit Baumanns Rücktritt Schwäche

27.05.2004

Wo steht der deutsche Langstreckenlauf? Im Jahr eins nach Baumann zauderten und zögerten Baumanns Erben nahezu die gesamten 25 Runden lang, so dass letztlich sogar die Gefahr bestand, dass der nationale Titel knapp um die 30-Minuten-Marke vergeben werden müsse. Gestandene Männer überließen lange Zeit dem späteren Juniorenmeister Stefan Koch zumeist die Initiative, eher halbherzige Versuche des lange verletzten Alexander Lubina brachten das 10 000 m-Feld ebenso wenig in Schwung, so dass selbst Marathonmann Carsten Eich als Zaungast den Kopf schüttelte über das geringe Engagement seiner Laufkollegen.

Der Sieger hat stets recht und dieser heißt Oliver Dietz und ist längst gedanklich auf dem Sprung zur Straße. Über die Halbmarathon-WM möchte der 26jährige vielleicht schon in dieser Saison beim Marathon landen. Das könnte einer werden, der für Belebung im erstarrten Männerbereich der Eich, Freigang und Co. sorgen kann. Der vor allem auch den nötigen Schneid mitbringt und Tempoinitiativen starten kann. „Die Unterdistanz ist für meine weitere Entwicklung wichtig“ ordnet der Unterfranke im Dress der LG Braunschweig auch seine Leistung ein. Mit Junior Koch blieben insgesamt acht Männer unter der 30-Minuten-Marke, ein Armutszeugnis für den Laufbereich. Sarkasmus pur würde bedeuten, wenn man die letztjährigen Ergebnisse im Nieselregen des Dantestadions als Vergleich heranführt, als es gerade einmal vier Athleten unter dreißig Minuten gab. Aber auch jene 28:28,47 des deutschen Vorläufers Dieter Baumann. Aber diese Zeiten sollten auf nicht absehbare Zeit der Vergangenheit angehören.

Erfrischend hingegen mutet da schon die Konstellation bei den Frauen an. Das Duell Sabrina Mockenhaupt gegen Irina Mikitenko sorgt für ein Leistungshoch, das gutes internationales Niveau bedeutet. Nicht mehr und nicht weniger. Weiterreichende Erwartungen knüpfen zu wollen, wäre wenig angemessen. Die Siegerländerin ist bereits mehrfach an ihren Nerven gescheitert, siehe Paris oder die European Challenge-Auftritte in Barakaldo oder Athen. Und Irina Mikitenko dürfte trotz ihrer zahlreichen Erfolge auf internationalem Parkett nach überstandener Verletzung eher Mühe haben, der kompakten Weltspitze im Olympischen 10 000 m-Lauf Paroli zu bieten. Mockenhaupt gegen Mikitenko, das hat aber zweifellos etwas prickelndes. Hier die kleine, ungestüme Powerfrau, die sich prächtig vermarkten lässt und schon einmal ein Fotoshooting geregeltem Training vorzieht. Und in Borna mit zwei lustigen Zöpfen auftrat und ihr Markenzeichen „Mocki“ auf die Laufhose aufbügeln ließ. Dort Irina, die gebürtige Kasachin mit einem eher entschlossenen, kampfbetonten Auftreten und merklicher Zurückhaltung. Angetreten übrigens mit türkisfarbenen Magnetstreifen entlang der Laufmuskulatur, zur schnelleren Regeneration der geplagten Beinmuskeln. Zwei Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein können.

Und doch miteinander können. „Früher habe ich immer gedacht, dass zwei Frauen nicht miteinander auskommen können, wenn sie Konkurrentinnen sind. Nach Flagstaff muss ich diese Auffassung korrigieren“, gestand Irina Mikitenko. „Wir haben die meisten Trainingseinheiten gemeinsam gelaufen und uns auch privat sehr gut verstanden“. Da Mockenhaupt in Walnut vorlegte („Die Zeit hat mich völlig überrascht!“), musste Mikitenko in Borna zweifellos kontern. Sie tat es forsch, vielleicht anfangs etwas ungestüm. „Ich bin zum Teil etwas orientierungslos gelaufen, denn die Digitaluhr im Ziel war ausgefallen. Bei einer DM darf das eigentlich nicht sein!“ Sie steht mit der Vizemeisterschaft und mit ihren 32:04,86 keineswegs mit leeren Händen da, weiss aber eines: „Sabrina war heute stärker. Ich muss besser trainieren, um wieder gleichziehen zu können!“ Wilfried Raatz


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