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5000-m-Weltrekord: Kenenisa Bekele bricht Haile Gebrselassies Bestmarke in Hengelo

02.06.2004

Es war vor einem Jahr, als sich beim Leichtathletik-Meeting im holländischen Hengelo eine Wachablösung ankündigte. Der junge Äthiopier Kenenisa Bekele hatte im 10.000-m-Lauf sein großes Vorbild, den Weltrekordler und Olympiasieger Haile Gebrselassie, zum ersten Mal geschlagen. Fast über ein Jahrzehnt hinweg hatte Gebrselassie, der auf einer Stufe steht mit den besten Langstreckenläufern aller Zeiten wie dem Finnen Paavo Nurmi oder dem Tschechen Emil Zatopek, die Bahn-Langstrecken dominiert. Schon nach dieser ersten Niederlage gegen Bekele bezeichnete Gebrselassie seinen Landsmann als seinen Nachfolger – und er wird wohl Recht behalten. Im vergangenen Jahr verlor Gebrselassie gegen Bekele nur ein Rennen, am Pfingstmontag verlor er einen Weltrekord.

Nach 12:37,35 Minuten stürmte Kenenisa Bekele im 5.000-m-Lauf von Hengelo ins Ziel und war damit fast genau zwei Sekunden schneller als Haile Gebrselassie 1998 in Helsinki (12:39,36). Bereits im vergangenen Winter hatte Bekele, der in wenigen Tagen erst seinen 22. Geburtstag feiert, seinem Idol einen Weltrekord abgenommen. In Birmingham hatte er auch in der Halle über 5000 m eine Bestzeit aufgestellt. Seine 12:49,60 Minuten ließen darauf schließen, dass in dieser olympischen Saison noch mehr kommen würde von Kenenisa Bekele. Jetzt hat er einen Anfang gemacht und dabei einen Rekord gebrochen, der außerordentlich stark war und zudem natürlich eine ganz andere Bedeutung hat als eine Hallen-Bestzeit.

Haile Gebrselassies 5.000-m-Weltrekord von Helsinki war vor sechs Jahren ein Produkt eines außergewöhnlichen Kampfes gegen die besten Kenianer. Daniel Komen galt als eines der größten Lauftalente aller Zeiten. Als 21-Jähriger verbesserte der Kenianer 1997 in Brüssel den 5.000-m-Weltrekord von Gebrselassie auf 12:39,74 Minuten. Ein Jahr später holte sich der Äthiopier die Marke in Helsinki wieder zurück, während es Komens Karriere fortan bergab ging. Dem Kenianer fehlte die Motivation für hartes Training, er hatte zu viel Geld verdient.

Es war also kein ,weicher’ Weltrekord, den Kenenisa Bekele am Pfingstmontag brach. Und noch eine Runde vor Schluss lag er im Vergleich zu Gebrselassies Zwischenzeiten von Helsinki sogar noch eine Sekunde im Rückstand. Doch mit einem 400-m-Sprint von 57 Sekunden schaffte es Bekele noch. „Ich war mir schon nach 3000 Metern sicher, dass ich den Rekord laufe. Denn ich habe in Äthiopien sehr gut trainiert“, sagte er. Es heißt, Bekele, der im März zum dritten Mal in Folge bei der Cross-WM sowohl die Mittel- als auch die Langstrecke gewann und damit für ein Novum sorgte, habe deutlich bessere Trainingsleistungen gezeigt als seine Nationalmannschaftskollegen.

In den letzten zehn Jahren haben die besten Äthiopier und Kenianer die Weltrekorde über 5.000 und 10.000 Meter in Bereiche gebracht, die für die stärksten weißen Läufer nicht mehr erreichbar scheinen. Ein 5.000-m-Olympiasieg eines Europäers oder Amerikaners, wie der von Dieter Baumann 1992 in Barcelona, ist heute ausgeschlossen. Baumann und Bob Kennedy sind immer noch die einzigen weißen Läufer, die die 5.000 Meter unter 13 Minuten gelaufen sind. Während Baumann seine Karriere beendete, wird Kennedy auf die Marathondistanz umsteigen.

Diesen Wechsel plant auch Haile Gebrselassie, der in Hengelo wie zuvor schon in Birmingham eine andere Distanz lief, um nicht gegen Bekele rennen zu müssen. Er schaute bei beiden Weltrekorden zu. „Ich freue mich für Kenenisa. Ich bin vor zehn Jahren in Hengelo meinen ersten 5.000-Meter-Weltrekord gelaufen – jetzt ist er dran“, erklärte Gebrselassie, der in Athen gerne zum dritten Mal in Folge olympisches Gold über 10.000 m gewinnen möchte. Doch es steht ihm einer im Weg: Kenenisa Bekele will in Athen auch diese Strecke laufen.


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