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Olympia-Laufserie (I): 800 Meter der Frauen mit Maria Mutola

06.06.2004

In zehn Wochen beginnen die Olympischen Spiele in Athen. Bis dahin wird hier wöchentlich eine der elf Laufdisziplinen vorgestellt sowie dazu ein Favorit für olympisches Gold. Es geht heute los mit den 800 Metern der Frauen und endet zu Beginn der Olympischen Spiele mit dem Marathon der Männer.

DIE SITUATION ÜBER 800 METER DER FRAUEN

Als 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen stattfanden, waren Frauen noch gar nicht zugelassen. In der Leichtathletik starteten sie erstmals 1928 – und schon damals gehörten die 800 Meter zum Programm. In Amsterdam wurde die Deutsche Läuferin Lina Radke in 2:16,8 Minuten die erste 800-m-Olympiasiegerin.

Heute dominiert eine Frau seit vielen Jahren das Geschehen über die zwei Runden: Maria Mutola. Die 31-Jährige aus Mozambique wird in Athen als ganz große Favoritin an den Start gehen. Sie ist zugleich die Titelverteidigerin und amtierende Weltmeisterin. Alles andere als ein Sieg von Maria Mutola, die zurzeit bereits wieder mit 1:58,49 Minuten die Jahresweltbestenliste anführt, wäre fast schon eine Sensation.

Die einzige Läuferin, die Maria Mutola über mehrere Jahre hinweg immer wieder in ihrer Führungsposition angreifen konnte, war Stephanie Graf. Doch die Österreicherin hat im vergangenen Jahr ihre Karriere beendet. Und die Hallen-Weltrekordlerin Jolanda Ceplak (Slowenien/1:55,82 Minuten) konnte nach einer beeindruckenden Saison 2002, in der sie sich auf 1:55,19 steigerte – damit hat sie exakt die Bestzeit von Maria Mutola erreicht –, nicht mehr an derartige Leistungen anknüpfen.

MARIA MUTOLA – FÜNFTER OLYMPIASTART ALS TITELVERTEIDIGERIN

Ohne Zweifel ist Maria Mutola eine der herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Leichtathletik. Schon 1988 startete die Läuferin aus Mozambique, die als Jugendliche Fußball spielte, bei Olympia in Seoul über 800 Meter. Als 15-Jährige schied sie bei den Olympischen Spielen im Vorlauf aus, nachdem sie einen Monat vor ihrem 16. Geburtstag 2:04,36 Minuten gerannt war. Doch sie bekam ein Stipendium in Eugene (USA). Dort traf sie ihren Trainer Margot Jennings, der sie in die Weltspitze führte.

Zwei Jahre später gewann sie die erste ihrer zahlreichen Goldmedaillen bei den Afrika-Meisterschaften. Bei Olympia in Barcelona 1992 reichte es zwar nur zu Rang fünf, doch danach blieb Maria Mutola, abgesehen von einer Disqualifikation im WM-Halbfinale 1995, ungeschlagen bis zum nächsten Olympiafinale. Nach 50 Finalsiegen in Serie reichte es in Atlanta 1996 überraschend nur zu Bronze. Doch in Sydney vor vier Jahren schlug endlich ihre große Stunde bei Olympia. Bei Weltmeisterschaften hat Maria Mutola, die Hallen-Titelkämpfe hinzugerechnet, bereits neun Goldmedaillen über 800 Meter gewonnen.

Unter großem Druck gewann sie im vergangenen Jahr den IAAF Golden League-Jackpot und sorgte dabei für ein Novum. Zum ersten Mal ging der gesamte Jackpot an eine einzige Athletin. Eine Million Dollar sicherte sich Maria Mutola mit ihrem Sieg am Ende der Serie in Brüssel. Eine Serie von 22 Siegen in Folge riss in diesem Jahr – allerdings wird es wohl ein echter Ausrutscher bleiben. Maria Mutola stolperte im 1000-m-Hallenrennen von Birmingham über den Hacken ihrer britischen Trainingspartnerin Kelly Holmes. Beide trainieren hauptsächlich in Südafrika.

Über 160 Mal blieb Maria Mutola über 800 Meter bereits unter zwei Minuten. Sie hat in ihrer Karriere alles gewonnen, von den Afrikameisterschaften bis zu den Olympischen Spielen. Nur ein Weltrekord fehlt ihr noch – doch der steht seit 1983 unantastbar bei jenen 1:53,28 Minuten, die Jarmila Kratochvilova (Tschechoslowakei) in München gelaufen ist.


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