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Olympia-Laufserie (IV): 1500 Meter mit Süreyya Ayhan

26.06.2004

DIE SITUATION:

Dieses Mittelstreckenrennen der Frauen kann zu einer sehr spannenden Angelegenheit werden. Denn eine klare Favoritin zeichnet sich im Gegensatz zu den 800 Metern nicht ab. Vor einem Jahr hätte man die Türkin Süreyya Ayhan vielleicht als eine solche angesehen. Doch dann unterlag die Überraschungs-Europameisterin von 2002 im Finale der WM gegen die Russin Tatjana Tomaschowa.

Die Russinnen haben mehrere starke Läuferinnen und sind immer wieder gut für eine Überraschung. Doch vielleicht erhält Süreyya Ayhan auch plötzlich Konkurrenz aus dem eigenen Land. Die Türkei war noch vor Ayhan ein Niemandsland auf der leichtathletischen Landkarte. Jetzt haben sie schon eine Weltrekordlerin, die nicht Ayhan heißt. Elvan Abeylegesse lief in Bergen bei der Golden League eine neue 5000-m-Bestzeit. Die aus Äthiopien stammende, türkische Läuferin wird möglicherweise in Athen auch über 1500 Meter an den Start gehen. Das könnte ein tolles Duell geben, denn Abeylegesse hat sich zu Saisonbeginn mit erstklassigen 3:58,28 Minuten auch an die Spitze der Jahresweltbestenliste über 1500 Meter gesetzt. Und, wer weiß, vielleicht wagt ja auch Maria Mutola (Mozambique), die große Favoritin über 800 Meter, einen Doppelstart. Der Zeitplan würde es ihr ermöglichen.

SÜREYYA AYHAN – TÜRKISCHE NATIONALHELDIN

Bei den Europameisterschaften von München schrieb Süreyya Ayhan türkische Sportgeschichte. Die 1500-m-Läuferin bescherte der Türkei die erste Goldmedaille bei einer Leichtathletik-EM. „Man kann mir die ganze Welt anbieten – ich würde lieber diese Goldmedaille nehmen“, sagte eine überglückliche Süreyya Ayhan, die mit ihrem außergewöhnlichen Lauf in ihrer Heimat zu einem Star wurde. Ganz knapp geschlagen hatte sie die große Favoritin, Gabriela Szabo (Rumänien). Und dabei war sie mit 3:58,79 Minuten auch noch eine Jahresweltbestzeit gerannt. Der Triumph war umso überraschender, weil Süreyya Ayhan im Verlauf der Saison vor der EM kein einziges Rennen bestritten hatte. Bei der WM 2001 war sie Achte geworden.

Ein Jahr später war die Erwartungshaltung in der Türkei groß, als das 1500-m-Finale bei der WM auf dem Programm stand. In mehreren Städten wurden Videotafeln aufgebaut, damit die Menschen das Rennen ihrer beliebtesten Sportlerin verfolgen konnten. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyib Erdogan reiste nur für dieses Finale nach Paris und flog anschließend sofort weiter zu einem Staatsbesuch nach Berlin. Erdogan sah aber nicht das, was er und die Türken erhofft hatten. Süreyya Ayhan konnte an diesem Tag nicht gewinnen und wurde Zweite. Doch Erdogan sagte noch in Paris: „Ich bin mir sicher, dass sie im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen in Athen gewinnen wird.“

Die 25-jährige Sportstudentin lebt in einem türkischen Höhentrainingslager in Erzurum in 2200 Metern Höhe. Ihren langjährigen Trainer, den früheren Skilangläufer Yucel Kop, hat sie inzwischen geheiratet.


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