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Die historische Olympia-Laufserie (IV): 1500 Meter der Frauen

Drei Silber- und eine Bronzemedaille für die deutschen Frauen – aber die erfolgreiche Serie endete 1988

03.07.2004

In sieben Wochen beginnen die Olympischen Spiele in Athen. Bis dahin wird hier wöchentlich eine der elf Laufdisziplinen vorgestellt sowie dazu ein Favorit für olympisches Gold. In dieser neuen Serie geht es jedoch um die Historie – um die medaillenreiche Vergangenheit der deutschen Leichtathletinnen und Leichathleten aus West (FRG) und Ost (GDR).
Während die Vergangenheit der deutschen Leichtathletik bei Olympischen Spielen doch sehr erfolgreich war, ist nach der WM 2003 nicht allzu viel in Athen zu erwarten.Umso mehr erscheint es angebracht sich der Erfolge und der großen Leistungen der Deutschen insgesamt zu erinnern und sich deren Namen zu erinnern sowie deren Einsatz zu würdigen.

Es geht heute weiter mit den 1500 Metern der Frauen. Zu der wöchentlichen Laufserie im Hinblick auf Athen 2004 soll in lockerer Folge auch die Olympia-„Erinnerungs-Laufserie“ folgen – aus Respekt vor den großen Leistungen und zur Nachahmung empfohlen.

Die 1500m der Frauen haben erst eine relativ kurze olympische Tradition.
Während die 800m der Frauen zunächst „schon“ 1928 in Amsterdam Premiere feierten, dann aber lange abgesetzt wurden und erst wieder in Rom 1960 ins Programm aufgenommen wurden, feierten die 1500 m in München 1972 ihren Einstand.
Die überragende Nation ist sicherlich die ehem. Sowjetunion/GUS mit 6 Medaillen, davon 3 Gold, gefolgt von Rumänien ebenfalls 6 Medaillen, davon 1 Goldmedaille.
Die deutschen Frauen erkämpften 9 Plätze unter den ersten sieben Rängen - dabei mit 3 silbernen Medaillen und einer bronzenen Medaille. Leider endete die Erfolgserie der 1500m Frauen mit der Beteiligung in den Endläufen im Jahr 1992.

Wie bei den Männern über 1500m fehlte bei den Frauen zum großen Glück noch das olympische Gold (in der Statistik). Das schmälert aber nicht die hervorragenden Leistungen der deutschen Mittelstrecklerinnen der Vergangenheit.

Überblick über die Medaillenverteilung der erfolgreichsten Nationen im 1500 Lauf der Frauen:

Deutschland:0 Gold / 3 Silber / 1 x Bronze / 2 x vierte Plätze / 1 x fünfter Platze / 1 x sechster Platz / 1 x siebenter Platz
URS/GUS: 3G / 2 S / 1 B
ALG: 2 G
ROM: 1 G / 3 S / 2 B
ITA: 1 G / - S / 1 B
RUS: 1 G
AUT: - G / - S / 1 B
CHN: - G / - S / 1 B
UKR: - G / - S / 1 B

München 1972 – Drei deutsche Läuferinnen im Finale

Christa Merten (4:12,6) und Gerda Ranz (4:18,6) überstanden die Vorläufe nicht.
Gunhild Hoffmeister (geb. 6.07.1944 in Forst – Trainer Friedrich Janke) hatte schon die Bronzemedaille über 800 m 1:59,2 gewonnen, kämpfte auf der Zielgeraden mit Paola Cacchi (ITA) und erst in den letzten Schritten fiel die Entscheidung zugunsten der Deutschen.
Karin Burneleit sicherte „sich in gleicher Entschlossenheit wie Gunhild Hoffmeister es gezeigt hatte den vierten Platz“ so schrieb "Leichtathletik" über das Rennen. Ellen Tittel gab das Rennen auf, sie litt besonders schwer unter der schweren Belastung des Blutbades im Hause der Israelis und in Fürstenfeldbruck.
Die überragende Läuferin war Ludmila Bragina – Leichtathletik: “Wahrhaft meisterlich aber die Leistung der Olympiasiegerin. Ihr 4:01,4 Weltrekord ist den stolzesten Weltrekorden der Gegenwart gleichwertig ... die 4-Minuten-Traumzeit ist in Sicht gekommen“

Endlauf (9.09.1972):
1.Ludmila Bragina (URS) 4:01,4 WR – 2. Gunhild Hoffmeister 4:02,8 – 3. Paola Cacchi (ITA) – 4. Karin Burneleit 4:04,1

Montréal 1976 – Gunhild Hoffmeister wieder Silber – drei Deutsche im Endlauf

Die Russin Tatjana Kasankina brachte das Kunststück fertig zunächst die 800 m (am 26.07) zu gewinnen und dann noch die 1500m vier Tage später. Im Endlauf wurde die Siegerin von 1972 Bragina nur Fünfte, aber Gunhild Hoffmeister erlief sich wieder die Silbermedaille vor Ulrike Klapezynski (geb. 17.11.1953 in Cottbus – SC Cottbus/ASK Vorwärts Potsdam / Trainer Jürgen Bruns, Bernd Dießner). Ellen Wellmann konnte den siebenten Platz erkämpfen.
Brigitte Kraus überstand trotz einer überragenden Zeit nicht den Zwischenlauf.

Endlauf (30.07.1976).
1.Tatjana Kasankina (URS) 4:05,5 – Gunhild Hoffmeister 4:06,0 – 3. Ulrike Klapezynski 4:06,1 ... ... ... 7. Ellen Wellmann 4:07,9

Moskau 1980 – Christiane Wartenberg gewinnt Silber

In Moskau gab es nur zwei Vorläufe, keinen Zwischenlauf, dafür liefen die drei Erstplazierten im Endlauf aber dicke unter 4:00,0. Wie vier Jahre zuvor siegte auch hier die sowjetische Weltrekordlerin (3:55,0) Tatjana Kasankina. Christiane Wartenberg (geb. 27.10.1956 in Prenzlau , SC Neubrandenburg/SC Chemie Halle / Trainer Werner Gladrow, Bernd Lansky) verbesserte sich 3:57,8 und gewann überraschend Silber, Dritte wurde Nadesha Olisarenko, die Olympiasiegerin über 800m. Ulrike Bruns (vorher Klapezynski) erlief sich den fünften Rang – Beate Liebich blieb im Vorlauf hängen.

Endlauf (1.08.1980):
1.Tatjana Kasankina (URS) 3:56,6 – 2. Christiane Wartenberg 3:57,8 – 3. Nadeshda Olisarenko (URS) 3:59,6 – 4. Gabriele Dorio (ITA) 4:00,3 – 5. Ulrike Bruns 4:00,7

Los Angeles 1984 – Roswitha Gerdes auf dem vierten Platz – fast Bronze

Roswitha Gerdes aus Köln lag zwanzig Meter vor dem Ziel noch auf dem Bronzemedaillenrang, dann kam die 3000m Olympiasiegerin Maricica Puica (ROM) noch heran und schnappte ihr die Medaille weg. Margit Klinger trat zu den Vorläufen nicht an.

Endlauf (11.08.1984):
1. Gabriella Dorio (ITA) 4:03,25 – 2. Doina Melinte (ROM) 4:03,76 – 3. Maricica Puica (ROM) 4:04,15 – 4. Roswitha Gerdes 4:04,41

Seoul 1988 – Andrea Hahmann auf dem sechsten Rang

Vera Michallek schied als Neunte im Vorlauf mit 4:10,05 aus. Andrea Hahmann lief als Zweite in die Zielgerade ein wurde dann aber noch überspurtet.

Endlauf (1.10.1988):
1.Paula Ivan (ROM) 3:53,96 OR – 2. Laimute Naikauskaite (URS) 4:00,24 – 3. Tatjana Samolenko (URS)4:00,30 ... ... ... 6. Andrea Hahmann 4:00,96

Barcelona 1992 – Kießling gab nach 2 Runden im Vorlauf auf

Ellen Kießling aus Dresden gab schon nach 2 Runden im Vorlauf auf! Keine weiteren deutschen Läuferinnen konnten die Tradition der guten Ergebnisse in den Endläufen fortsetzen.

Endlauf (8.08.1992)
1) Hassiba Boulmerka (ALG) 3:55,30 – 2. Ludmilla Rogatschowa (GUS) 3:56,91 – 3. Yunxia Qu (CHN) 3:57,8

Atlanta 1996 - Wüstenhagen und Kühnemund nur in den Zwischenläufen

Carmen Wüstenhagen wurde Siebente mit 4:11,47 im Zwischenlauf und Sylvia Kühnemund Zehnte mit 4:16,85 im Zwischenlauf.

Endlauf:
1. Swetlana Masterkowa (RUS) 4:00,83 – 2. Gabriele Szabo (ROM) 4:01,54 – 3. Theresia Kiesl (AUT) 4:03,02

Sydney 2000
In Sydney setzte sich die negative Serie für die deutschen Frauen über 1500 m fort. Der DLV war leider mit keiner Teilnehmerin vertreten.

Endlauf:
1. Nouria Merah-Benida (ALG) 4:05,10 – 2. Violeta Szekely (ROM) 4:05,15 – 3. Gabriela Szabo (ROM) 4:05,27

Die letzte Teilnahme einer deutschen Läuferin in einem 1500m Finale in Seoul 1988 liegt schon weit zurück.
An eine evtl. Krönung der Serie mit einer Goldmedaille zu denken – nach 3 Silbermedaillen – wäre vermessen. Jetzt hofft man schon, daß überhaupt eine deutsche Läuferin in Athen dabei sein wird.
Insofern muß man sich nachhinein über die großen Leistungen von 1972 – 1988 der deutschen Frauen noch ganz besonders freuen.

Horst Milde

Interessante Hinweise und Ergänzungen zu der großen olympische Vergangenheit des behandelten Themas können hierin geschickt werden:
info@berlin-marathon.com

800m der Frauen (Olympia historisch I):
http://www.berlin-marathon.com/news/show/002083
1500 der Männer ( Olympia historisch II:)
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002108
800 m der Männer (Olympia historisch):
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002126


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