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3. Berglauf-Europameisterschaften im polnischen Korbielow

Marco de Gasperi gewinnt Berglauf-EM

07.07.2004

Anna Pichrtova vor Andrea Mayr bei den Frauen Deutsche Teams jeweils Elfte – Helmut Schiessl und Stefanie Buss beste Einzelstarter im DLV-Team

Der weltbeste Bergläufer auf Bergauf-bergab-Strecken Marco de Gasperi holte sich neun Monate nach dem Sieg beim Weltchampionat in Girdwood/ Alaska auch den Europameistertitel im polnischen Korbielow nahe der slowakischen Grenze. Mit dem Österreicher Florian Heinzle und dem Italiener Marco Gaiardo gab es auf den weiteren Medaillenrängen die gleiche Platzierung wie zuvor schon in Alaska.

Bei den Frauen setzte sich mit der in Athen im olympischen Marathon startenden Anna Pichrtova die erklärte Favoritin durch, die mit über eineinhalb Minuten Vorsprung vor der Wienerin Andrea Mayr und der Italienerin Rosita Rota Gelpi eindrucksvoll ihren ersten Berglauftitel gewinnen konnte.
Für die deutschen Läufer gab es auf dem schnellen Bergauf-bergab-Parcours wenig zu holen, zumal das Laufen im Bergauf-bergab-Gelände in Deutschland aus Verletzungsgründen nicht forciert wird. Trotz geringer Praxis wussten sich Helmut Schiessl und Stefanie Buss auf den Rängen elf bzw. vierzehn dennoch unter Europas Besten zu behaupten.be<

„Berglaufen ist eine phantastische Facette der Leichtathletik“, zeigte sich die EAA-Vizepräsidentin Erika Strasser begeistert, „mit der Teilnahme von 24 Nationen können wir hier einen wunderbaren Fortschritt erkennen. Jedoch brauchen wir für diese Sportart Berge, und diese liegen zumeist nicht direkt verkehrsgünstig!“
Und damit riss die Repräsentantin des Europäischen Leichtathletik-Verbandes aber auch schon einen wunden Punkt an, denn das kleine, überaus beschaulich wirkende Korbielow liegt 110 Kilometer von Krakau entfernt, eine Distanz, die auf den schmalen polnischen Landstraßen in gerade einmal zweieinhalb Stunden per Auto erreichbar ist. Ein weiteres Manko ist zudem, dass Korbielow kaum Hotels mit ansprechendem Standard verfügt, eine Infrastruktur nahezu komplett fehlt und auch in der kleinen Ortschaft wohl eher aus Kostengründen nicht einmal zu einem Minimal-Fahnenschmuck durchringen konnte. Der ortsansässige Organisator Klub Sportowy Diament mit Andrzej Puchacz konnte sich bei seinen gewiss umfangreichen Bemühungen nicht einmal auf den polnischen Leichtathletik-Verband stützen, die den Berglauf komplett links liegen lassen und sogar zum gleichen Zeitpunkt ihre nationalen Meisterschaften durchführten.

„Wir müssen das Drumherum verbessern“, kritisierte die EAA-Berglauf-Chefin Erika Strasser die überaus beschauliche Atmosphäre, die manch anderer verschärft als „Bergturnfest“ betitelte. „Wir müssen den Berglauf aus dem äußerst familiären Charakter heraus bringen, andere Sportarten machen uns vor, wie dieses auszusehen hat. Unsere Veranstalter sind zu konservativ!“
Und die österreichische Spitzenfunktionärin denkt an die Einbindung namhafter Skiorte wie Davos, St. Moritz, Chamonix oder gar auch Zakopane, sieht angesichts der desolaten Präsentation sogar den Status Europameisterschaften höchst gefährdet. Hinter vorgehaltener Hand dürfte deshalb auf Heiligenblut am Großglockner eine überaus schwere Hypothek lasten, denn nach den Titelkämpfen 2005 in Kärnten wird der Europäische Leichtathletik-Verband über den Verbleib des Wettbewerbes Berglauf im Meisterschaftskalender entscheiden.

„Wir werden eine Super Veranstaltung hinlegen“, darin ist sich Erika Strasser mit den Großglockner-Organisatoren um Heidi Pichler und Claudia Reibnegger sicher, denn mit rund 1000 Startern wird der Großglockner-Berglauf bereits 2004 als eines der Topevents weltweit gehandelt.

Doch zurück zum Championat 2004 in Korbielow. Die Wettkampfstrecke wurde an den Pilsko-Hängen, des mit 1557 m dritthöchsten Berges des Beskid Zywiecki-Gebirges, angelegt und fand nicht bei allen Athleten ungeteilte Zustimmung. Für Marco de Gasperi war die Strecke „gefährlich und nicht technisch anspruchsvoll“, wie er immer wieder befand. Der Drei- bzw. Vier-Runden-Kurs hatte durch die selektiven Rampen und langen Gefällstücken gewiss seine Schwierigkeiten. Und hier setzten sich mit de Gasperi, Heinzle, Gaiardo, Pichrtova und Co. die namhaften Leistungsträger eindrucksvoll in Szene, so dass Überraschungen weitgehend ausblieben.
Die einzige vielleicht, dass sich die Österreicher inzwischen sogar mit dem früher ungeliebten Bergauf-bergablaufen anzufreunden wussten, denn nur so sind die drei Silbermedaillen für die rot-weiss-rote Alpenrepublik zu erklären. Als Junior Spitze, als Senior ebenso. So präsentiert sich der 22jährige Florian Heinzle aus Dornbirn. In kämpferischer Manier konnte er sogar Europameister Marco Gaiardo niederringen. „Ich musste uphill kämpfen, um nicht den Kontakt zu verlieren. Bergab habe ich es dann gerichtet“ freute sich der Dornbirner über Silber. Zuvor hatte bereits Andrea Mayr hinter der überragenden Tschechin Anna Pichrtova Silber gewonnen. „Das war einfach super!“ gestand die 24jährige Ärztin. „Es ist einfach irrsinnig gelaufen. Aber gegen Anna hatte ich bergab null Chancen!“ Für die Wienerin mit dem Berufswunsch, nach dem Hochleistungssport in der Nuklearmedizin Fuß zu fassen, ist die Vizeeuropameisterschaft ein weiterer Meilenstein einer wundervollen Karriere, denn bereits vor wenigen Wochen landete sie auf Rang vier der Duathlon-WM in Belgien. „Das habe ich Christiane Soeder zu verdanken“, klärte die hochgewachsene Wienerin auf, „denn sie wohnt mit Bernhard Richter, einem früheren Top-Mittelstreckler nur rund einen Kilometer von mir entfernt und hat mir die Trainingspläne geschrieben“. Und mit Blick in die nahe Zukunft: „Eigentlich müsste ich jetzt aufhören, wenn ich im Beruf Fuß fassen möchte. Aber Heiligenblut ist schon eine Herausforderung – da muss ich einfach dabei sein!“

Im bestbesetzten Männerfeld hatte der Deutsche Meister Helmut Schiessl letztlich keine Chance. Nicht zuletzt, weil der Buchenberger eher ein Kletterer ist und auf den langen Bergaufstücken zuhause ist. Und diese waren in Korbielow eher Mangelware, weil es immer wieder die Skipiste in gleicher Länge hinunter ging. Als Elfter verpasste er die angestrebte „top ten“-Platzierung nur um einen Rang und unterstrich damit dennoch eindrucksvoll seine Zugehörigkeit zur Berglaufelite. Mit Markus Jenne und dem „auf Schnupperkurs“ befindlichen früheren Hindernisläufer Andre Green als Flachländler landete das DLV-Team ebenso auf Rang elf wie zuvor schon die Frauen. Hier hatte sich Stefanie Buss als Vierzehnte ebenso ordentlich platziert wie Kerstin Harbich als 24. Mit Lisa Reisinger (52.) und Markus Enders (46.) hatten die DLV-Verantwortlichen Wolfgang Münzel und Franz Geigl übrigens den eingeschlagenen Weg, junge Läufer im Nationalteam zu etablieren, konsequent fortgesetzt. Mit Timo Zeiler fehlte übrigens ein weiterer Hoffnungsträger wegen Verletzung, der bereits in Alaska zu überzeugen wusste.

3. Berglauf-Europameisterschaften Korbielow/ Polen (4.7.):
Männer (10,3 km/ HD 840 m):
1. Marco de Gasperi (Ita) 44:06, 2. Florian Heinzle (Aut) 45:05, 3. Marco Gaiardo (Ita) 45:10, 4. Robert Krupicka (Cze) 45:17, 5. Selehattin Selcuk (Tur) 45:56, 6. Alessio Rinaldi (Ita) 46:01, 7. Raymond Fontaine (Fra) 46:07, 8. Alexis Gex-Fabri (Sui) 46:10 …. 11. Helmut Schiessl (Ger/ TSV Buchenberg) 46:35, 25. Markus Jenne (Ger/ USC Freiburg) 48:13, 42. Andre Green (Ger/ LG Wedel-Pinneberg) 49:52, 46. Markus Enders (Ger/ SV Frankenheim) 50:04 – Mannschaften: 1. Italien (de Gasperi, Gaiardo, Rinaldi) 10, 2. Groß-Britannien (Brown, Jones, Davies) 49, 3. Schweiz (Gex-Fabry, Ancay, Epiney) 51, 4. Tschechische Republik 51, 5. Slowenien 53, 6. Frankreich 63, 7. Spanien 64, 8. Österreich 64, 9. Türkei 66, 10. Portugal 68, 11. Deutschland (Schiessl, Jenne, Green) 78, 12. Polen 105.

Frauen (7,2 km/ HD 600 m): 1. Anna Pichrtova (Cze) 34:50, 2. Andrea Mayr (Aut) 36:27, 3. Rosita Rota Gelpi (Ita) 36:43, 4. Isabelle Guillot (Fra) 36:56, 5. Izabela Zatorska (Pol) 37:06, 6. Tracey Brindley (Gbr) 37:37, 7. Antonella Confortola (Ita) 37:44, 8. Flavia Gaviglio (Ita) 38:18 … 14. Stefanie Buss (Ger/ ASC Rosellen Neuss) 38:57, 24. Kerstin Harbich (Ger/ TSV Oberstaufen) 40:23, 52. Lisa Reisinger (Ger/ SSC Hanau-Rodenbach) 46:01, 61. Tanja Schmidt (Ger/ LC Saucony Saar) 50:05 – Mannschaften: 1. Italien (Rota Gelpi, Confortola, Gaviglio) 18, 2. Österreich (Mayr, Rausch, Baumann) 31, 3. Groß-Britannien (Brindley, Wilson, Hargreaves) 37, 4. Frankreich 45, 5. Schweiz 51, 6. Tschechische Republik 59, 7. Slowenien 60, 8. Türkei 80, 9. Portugal 84, 10. Polen 88, 11. Deutschland (Buss, Harbich, Reisinger) 90.

Wilfried Raatz


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