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Mocki erneut vor Miki – Dietz gewinnt nach 10 000 m-Titel auch den über 5000 m

Die Laufwettbewerbe der DM in Braunschweig – Teil I

11.07.2004

Wie erwartet: Männer über 5000 m und im Hindernislauf deutlich hinter dem internationalen Standard

„Fili“ Ghirmai Erster im Bummelrennen
Führen musste einmal mehr mit dem „Nordlicht“ Steffen Uliczka von der SG/ TSV Kronshagen ein junger Mann, der sich auf nationalem Terrain erst einmal Sporen verdienen möchte – letztlich setzten sich aber mit Filmon Ghirmai und Christian Knoblich die Etablierten durch, die Meister nämlich der Jahre 2002 bzw. 2003. Verloren hat nicht nur der als „Mann der Zukunft“ gehandelte talentierte Raphael Schäfer, der das Tempo resolut nach der Zweidrittel-Distanz an der Spitze hoch gezogen hatte, aber am Ende nicht die Kraft und das Stehvermögen hatte, um seinen Coup zu einem glücklichen Ende zu führen.

Verloren hat aber auch die 3000 m-Hindernis-Wettbewerb, der nach den überragenden Leistungen der Karst, Baumgartl, Ilg, Melzer und Kallabis seine „Medaillentauglichkeit“ als einer der überragenden Disziplinen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes verloren hat und im internationalen Vergleich aktuell keine Rolle mehr spielt.

Mit 8:38,91 lief mit Filmon Ghirmai der Schützling von Isabelle Baumann zwar als Erster durchs Ziel, Ansprüche auf mehr darf der 25jährige Neu-Tübinger nach einer reichlich daneben gegangenen Saison nicht mehr hegen. Vergeblich war der im Augenblick mit dem größten Potenzial ausgestattete Läufer mit seinen Wurzeln im Läuferland Äthiopien der Olympianorm von 8:21,00 Minuten hinterher gelaufen. Zuletzt auch bei der Atletissima in Lausanne. „Ich bin platt nach den vielen Rennen“, gestand „Fili“ dann auch im Ziel. „Mit dem Titel habe ich eigentlich aus diesem Grunde nicht mehr, aber wenn die anderen die Chancen nicht nutzen....!“ Glückliches Ende einer doch bislang eher bescheiden verlaufenen Saison.

Aber auch der beim Europacup eingesetzte Stephan Hohl konnte die Gelegenheit zum Titelgewinn nicht ummünzen, der 24jährige Badener landete doch deutlich abgeschlagen auf Rang sechs. Fast wäre Christian Knoblich ein ähnlicher Coup gelungen wie im Vorjahr in Ulm. Doch diesmal erwies sich Filmon Ghirmai als spurtstärker, letztlich auch weil der Fürther in der Schlussrunde einen zu großen Rückstand auf Schäfer und Ghirmai hatte, um seine bekannt-gefürchtete Spurtstärke erfolgreich ausspielen zu können. Auch der lange als verletzt gemeldete Ralf Assmus hatte in dem erst auf dem Schlusskilometer schnellen Rennen keine Chance, in den Kampf um den Titel einzugreifen.
Das Positive zuletzt: Mit Filmon Ghirmai (25), Raphael Schäfer (23), Steffen Preuk (22), Stephan Hohl (24), Norbert Löwa (20) und Steffen Uliczka (20) liefen gleich sechs junge Läufer unter die besten acht – für Hindernis-Bundestrainer Dieter Hermann eigentlich eine glückliche Konstellation, in Kürze doch wieder auf der einstigen deutschen Paradedisziplin wieder eine maßgebliche Rolle spielen zu können. Zumal mit dem U 20-Europameister Ruben Schwarz noch ein weiteres Talent in der Warteschleife steht....

10 000 m-Meister Oliver Dietz auch über 5000 m vorne

Es bleibt eine wohl bekannte Tatsache: Nur der Sieger hat recht! Und dieser heißt Oliver Dietz. Der 27jährige aus dem fränkischen Gerbrunn im Trikot der LG Braunschweig nutzte vor „heimischer“ Kulisse die Chance und holte sich nach dem 10 000 m-Titel in Borna auch den Titel auf der 5000 m-Strecke – und ist der direkte Nachfolger von Dieter Baumann, der im Vorjahr seinen Abschied mit dem „Double“ in Ulm (5000 m) und München (10 000 m) gab. In die Fußstapfen des früheren Olympiasiegers kann und wird der dunkelhäutige Läufer aus dem Fränkischen keinesfalls treten können, dazu fehlt ihm zweifellos das große Talent, das den „Schwabenpfeil“ einstmals in die Weltspitze katapultierte. „Ich möchte am Saisonende auf drei Strecken in Deutschland vorne stehen“, umreißt Oliver Dietz völlig andere Ziele als einstmals ein Dieter Baumann. „Dazu brauche ich auf der 5000 m-Strecke nur noch ein schnelles Rennen. Über 10 000 m und im Halbmarathon bin ich bereits vorne, da dürfte auch niemand mehr schneller laufen können!“

Titel sammelt Oliver Dietz wie weiland Dieter Baumann, allerdings auf einem klassentieferen Niveau. 13:53,06 Minuten reichen hierzulande zum Sieg, im Jyahr eins nach Dieter Baumann. Allerdings scheint der Braunschweiger das richtige Händchen für Rennentscheidungen zu haben. Nach einer 2000 m-Zwischenzeit von 5:49,05 sprengte Michael May das im Bummeltempo dahintrabende Feld, mit kleiner Verzögerung stellten Alexander Lubina, Oliver Dietz, der Jahresbeste Thorsten Gombert und Wolfram Müller, der zuletzt nicht nur als Europacup-Sieger über 3000 m, sondern auch mit der Unterbietung der 1500 m-Olympianorm mit 3:36,17 nach längerer Verletzungspause für Aufsehen sorgte, dem Ausreißer hinterher.

Während in der Schlussrunde Michael May die Kräfte verließen, schien Oliver Dietz wie schon zuvor in Borna Flügel zu bekommen. Die Konkurrenten um Wolfram Müller hatten inzwischen schon einen merklichen Rückstand, der sich als zu groß erwies, um im Titelkampf noch eine Chance zu haben. „Wer gewinnen will, der muss schon mehr tun“, rückte Oliver Dietz seine Leistung dann auch zu Recht gerade. „Für mich lief das Rennen optimal!“

Dagegen ist von einem Klasseläufer wie dies Wolfram Müller zweifellos ist in punkto Taktik mehr zu erwarten, wenn er in einem Meisterschaftsrennen, wenngleich auf einer ungewohnten Distanz, am Start ist. „Es war einfach nicht mein Tag“, kommentierte ein sichtlich angeschlagener Wolfram Müller seine Leistung, die mit letzter Kraftanstrengung doch noch zu Rang zwei vor Thorsten Gombert und Alexander Lubina reichte. „Ich hoffe nur, dass es morgen besser läuft!“ blickt der Neu-Tübinger allerdings schon weiter in Richtung 1500 m-Finale, das am zweiten Meisterschaftstag anstehen soll.

Wiederum glücklicheres Ende für Sabrina Mockenhaupt

Die Kleine war einmal mehr die Größte. Eine Ehrenrunde mit vielen Stopps für Autogramme und Fernsehinterviews unterstreicht den Rummel um eine Sympathieträgerin, die in der aktuellen Situation beim DLV absolute Mangelware ist. Sabrina Mockenhaupt schwimmt national auf der Welle des Erfolgs, international möchte sie dort noch Boden gewinnen. Die Titel über 3000 m in der Halle, 10 000 m in Borna und nun 5000 m in Braunschweig sind Beleg für die gewachsene Stärke – nicht mehr und nicht weniger. Dass international ein anderer Wind weht, das hat das kleine Energiebündel mit fast ausschließlich Negativerlebnissen mit großer Deutlichkeit verspüren müssen. Zweimaliger Ausstieg bei der European 10 000 m-Challenge, Rang zwölf bei den 10 000 m-Europameisterschaften in München, Aufgabe bei den Weltmeisterschaften...

Der Weg zur internationalen Klasse ist angesichts dieser Misserfolge hart und steinig. Doch in dieser Saison ist scheinbar alles anders. Mit einer Weltklassezeit von 31:23 im Rücken, die sie im direkten Umfeld des US-Trainingscamps in Walnut gelaufen war, geht Sabrina Mockenhaupt im Olympiajahr gestärkt in die Rennen. Siehe oben. Weil sie letztlich auch Rennen gewinnen kann, die praktisch schon verloren zu sein scheinen. So in Borna, so aber auch in Braunschweig.

„Schuld“ daran ist in weitem Maße Irina Mikitenko, die bislang für die Vorzeige-Platzierungen bei internationalen Highlights verantwortlich zeichnete. Wie in Borna spielte sie auch in Braunschweig die „Lokomotive“, immer auf der Spur zu einer schnellen Endzeit. „Ich kann doch nicht bei einer Meisterschaft mit 16:00 Minuten zum Sieg laufen wollen“, unterstrich sie ihre Einstellung zum Wettkampf. Wie selbstverständlich hielt sie das Tempo hoch, selbst als nach fünf Runden das „Wechselspiel“ mit Sabrina Mockenhaupt an der Spitze vorbei war („Mir war es einfach zu schnell. Ich konnte nicht mehr...!“). Runde für Runde führte „Miki“, nur einen Schritt dahinter „Mocki“. Nach 9:26,21 für 3000 m drückte die Frankfurterin, die nach Borna mit erheblichem Eisenmangel zu kämpfen hatte und vor dem Grand-Prix-Rennen in Rom keinen Wettkampf mehr bestritten hatte, verstärkt auf das Tempo. Der nächste km-Abschnitt wurde exakt in drei Minuten (12:26,94) zurückgelegt. An der Spitze nach wie vor Irina Mikitenko, im Windschatten Sabrina Mockenhaupt. Und es wurde noch schneller.

Wann fällt die Entscheidung? In der Schlussrunde – oder vielleicht erst auf der Zielgeraden?

In der Tat, eingangs der Zielgeraden, rückte „Mocki“ aus dem Windschatten heraus, schaltete den Turbo an und attackierte die bislang unverdrossen führende „Miki“. Zwanzig Meter vor dem Ziel war es dann soweit, der Wiederstand war gebrochen: Sabrina Mockenhaupt holte sich wie im Vorjahr den 5000 m-Titel. Das Ergebnis vorzeigewürdig: Nach einem noch deutlich schnelleren Schlusskilometer in 2:54 hieß die Siegerzeit 15:20,84, Irina zwei Sekunden dahinter.

„Ich habe mir mehr Unterstützung von Sabrina gewünscht. Unterwegs habe ich sie immer wieder aufgefordert, auch einmal zu führen. Das finde ich schade, auch wenn es ein Meisterschaftsrennen ist!“ klagte Irina Mikitenko über die zu defensive Haltung ihrer Konkurrentin, mit der sie auch nach dem gemeinsamen Höhen-Trainingslager in Flagstaff verstärkt Programme trainiert. „Durch das Ankämpfen gegen den starken Wind hat mir am Schluß die Kraft gefehlt!“ Die Verärgerung kann Sabrina Mockenhaupt nachfühlen. „Mir tut es um Irina leid, aber ich konnte unterwegs nicht schneller!“

Der Zwist wird jedoch bald schon vergessen sein, wenn beide Anfang der kommenden Woche zum gemeinsamen Trainingslager nach St. Moritz aufbrechen. Schließlich wollen beide in bester Verfassung nach Athen...
Für den „Rest“ des Feldes ging es allenfalls um Bronze. Und diese Medaille holte sich Ulrike Maisch, die sich derzeit schon für den olympischen Marathonlauf vorbereitet. Zu langsam für das Spitzenduo Mikitenko/ Mockenhaupt, zu schnell für die weiteren Teilnehmerinnen, so lief die Rostockerin ihr Rennen – in beachtlichen 15:58,17 Minuten. Mit der verbesserten Grundschnelligkeit lässt sich auch auf ein wiederum gutes Abschneiden auf internationalem Terrain hoffen. Dieses Geschick jedenfalls hat Ulrike Maisch bislang schon zweimal mit Bravour bewiesen, bei der EM in München und bei der WM in Paris.

Wilfried Raatz


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