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Wider die Äthiopier - "Wegen Bekeles Rekorden habe ich keine Angst", sagte Kipchoge.

Kenias Läufer schöpfen nach der Olympiaausscheidung Mut

13.07.2004

von Robert Hartmann

NAIROBI, - 5 000-m-Weltmeister Eliud Kipchoge benötigte nur 13:14,0 Minuten, um seine schon ängstlich gewordenen Landsleute davon zu überzeugen, dass die Kenianer nicht von den schier übermächtigen Äthiopiern verhext worden sind.
Bei der Olympiaausscheidung im Kasarani-Stadion bei Nairobi nahm der 24-Jährige die vielleicht größte Herausforderung an, die bei den Spielen in Athen auf einen Läufer wartet. "Wegen Bekeles Rekorden habe ich keine Angst", sagte Kipchoge.
Der Äthiopier Kenenisa Bekele hatte in dieser Saison die Konkurrenz förmlich in Grund und Boden gerannt und die Weltrekorde über 5 000 Meter (12:37,35 min) und 10 000 Meter (26:20,32 min) verbessert.
"In einem wohlpräparierten Wettkampf kann Kipchoge auch einen Weltrekord aufstellen", merkte dessen Trainer Joseph Chelimo an. Schließlich besaß der Kenianer keinen Tempomacher. Und außerdem setzte er schon nach zwei Runden zu einem brachialen Zwischenspurt an, der bewusst eine bessere Zeit verhinderte, aber seine Gegner zermürbte. Es ging eben vor allem um den Sieg.

Dominanz über die Hindernisse

Die Furcht, im August vielleicht ohne eine Medaille aus Athen heimkehren zu müssen, verflüchtigte sich in Kenias drei stärksten Wettbewerben schnell.

Neben Kipchoge imponierte auch der 800-m-Sieger Wilfred Bungei mit Zeiten von 1:44,90 und 1:44,37 Minuten, wobei der Vierte mit der Weltklasseleistung von 1:44,97 Minuten ausschied. Da Weltmeister Stephen Cherono alias Shaheen für seine neue Heimat Katar keine olympische Starterlaubnis erhält, zeichnet sich zumindest im 3 000-m-Hindernislauf ein glatter Erfolg für Kenia ab. Der WM-Zweite Ezekiel Kemboi (8:16,5 Minuten in atemraubenden 1 670 Metern Höhe) distanzierte erst im Spurt den 19-jährigen Brimim Kipruto.

Der Jahresweltbeste Paul Koech landete zwar lediglich auf Platz elf, doch die Offiziellen wissen, dass er nur auf Meereshöhe sein ganzes Können abrufen kann, nicht jedoch in dieser dünnen Luft von Nairobi. So vertrauten sie ihm ohne Vorbehalte und benannten ihn für das 30-köpfige Team.

Sechs bis acht Medaillen darf sich das Volk der Läufer wohl bei den Olympischen Spielen ausrechnen.

Wie üblich gab es in Nairobi etliche Überraschungen. Neben Kipruto stehen zwei weitere junge Leute vor ihrer ersten Olympiateilnahme. Der 1500-m-Sieger Isaac Songok (3:35,4) ist Zwanzig, der 10 000-m-Zweite Mosop Moses (28:07,0) sogar erst Achtzehn. Zwei aus der Schar hungriger kenianischer Talente. Angesichts dieser Konkurrenz nimmt es nicht wunder, dass die beiden kenianischen Olympiasieger von Sydney 2000, Noah Ngeny (1 500 m) und Reuben Koskei (3 000 m Hindernis) bei der Ausscheidung nur hintere Plätze belegten.

Songok und Moses sind neue Beispiele dafür, dass talentierte Läufer nach Schulschluss die Chance nutzen, eine Läuferkarriere einzuschlagen und Vollprofi zu werden. Auch hier ragen die ersten Vorbilder heraus. Moses Kiptanui, der 1995 als Erster die Acht-Minuten-Barriere über die Hindernisse bezwang, baut zurzeit in der Läufer-Hauptstadt Eldoret im Nordwesten des Landes am Rande des Marktplatzes ein 50 Meter langes und 25 Meter breites Einkaufszentrum mit sechs Verkaufsebenen. Es sind die Läufer, die die luxuriösesten Villen besitzen. 95 Prozent der Läufer kommen aus armen Familien, für sie ist dies die große Chance.

Die Funktionäre haben sich offensichtlich die jüngsten Leistungssteigerungen der Äthiopier zu Herzen genommen. Die eigene Olympiaausscheidung wurde erstmals als Einladungswettkampf ausgetragen. Es gab nur Finals, keine Vor-und Zwischenläufe. In den Jahren zuvor hatten sich viele Athleten bis zum internationalen Großereignis nicht mehr von diesen Strapazen erholt.

Die nationale Trainervereinigung von Athletics Kenya, in der frühere Stars wie Patrick Sang und Ibrahim Hussein neuerdings das Wort führen, fand nach über zehnjährigem Kampf endlich Gehör.

Vom 4. Juli an rückt die kenianische Mannschaft nun ins Trainingslager. In zwei Wochen sollen fast alle an den Afrika-Meisterschaften in Brazzaville/Kongo teilnehmen. Vereinzelt werden den Olympiateilnehmern auch Starts bei den lukrativen europäischen Sportfesten zugebilligt.

Zum erstenMal lässt sich das für den Sport zuständige Ministerium nicht lumpen und lobt Prämien für Medaillen und Endkampfplätze in Athen aus. Das Höchstgebot von 300 000 Schillingen (rund 3 200 Euro) ist freilich nicht mehr als eine Geste.
Besser wäre es, das Geld in die Nachwuchs- und Frauenarbeit zu stecken. Nur sieben weibliche Vertreter zeigen, dass Kenias Läuferwelt weiter von Männern dominiert wird.
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"Die äthiopische Explosion kam wie die Stichflamme auf dem Herd. Aber wir haben jetzt genug Mittel, sie zu löschen."
Mike Kosgei, Nationaltrainer


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