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Atemberaubendes Erlebnis auf Deutschlands höchsten Berg

622 Läufer auf der Suche nach Extemlauf-Erlebnis in Geröll- und Schneefeldern

18.07.2004

Zugspitzlauf ist d i e besondere Herausforderung für Bergläufer – Martin Echtler und Christa Baumann-Vogl die schnellsten bei der „Top of Germany-Challenge“

Der Weg ist das Ziel – und das Ziel befindet sich 400 Höhenmeter unter Deutschlands mit 2 962 m höchstem Berg, der Zugspitze. Der pure Wahnsinn dauert vom Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen aus zu Sommerzeiten mit Wanderschuhen zwischen acht und neun Stunden, mit Laufschuhen mögen diese Strecke die Besten unter zweieinhalb Stunden schaffen.

Mitte Juli gab es wieder einmal eine solche Gelegenheit, Zugspitz-Extremlauf nennt sich diese außergewöhnliche Herausforderung. 22,3 km und eine Höhendifferenz von 1800 m. „Top of the Germany-Challenge“ in unserer durch Anglizismen durchsetzten deutschen Sprache zusätzlich.

Durch den Witterungsumschwung gab es Anfang Juli auf der Zugspitze noch einmal kräftig Schnee und deshalb musste das ehrgeizige Unternehmen der Event-Agentur getgoing, auch das letzte Stück vom Zugspitzplatt hinauf über Klettersteige zum Münchener Haus zu bewältigen, schweren Herzens aufgegeben werden. Aber auch so ist die Herausforderung am Zugspitzmassiv eine außerordentliche.

1000 Teilnehmer geplant!

„Dies ist das erste Wochenende, wo es endlich einmal richtiges Bergwetter hat“, urteilte Organisationschef Peter Krinninger mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil die 622 Starter bei „Kaiserwetter“ eine neue Höchstmarke darstellen, weinend, weil sein Vorhaben unterhalb der Spitze des höchsten deutschen Gebirgsmassivs enden musste.

Aber auch so, die Anstrengungen waren allenthalben sichtbar unter den Finishern, die die Bergstation der Zahnradbahn im exzellenten Skigebiet Zugspitzplatt erreichten. Lange Schneefeldpassagen erschwerten letztlich den Aufstieg, der von der Knorrhütte in 2052 m hinauf zum Ziel führte. „Das Ziel muss auf der Zugspitze sein und das muss bei unseren künftigen Anstrengungen immer anzustreben sein!“

Die Agentur getgoing, neben dem Zugspitz-Berglauf mit einer Mountainbike-Veranstaltung rund um das Zugspitzmassiv mit drei Distanzen von 37 km, 74 km und 103 km und einer Gesamtbeteiligung von knapp 2000 Bikern beschäftigt, plant einen großen Coup, der bereits im kommenden Jahr gestartet werden soll. „Noch verraten wir nichts“, deutet Peter Krinninger geheimnisvoll an, „aber 1000 Läufer sollte dieses neue Spektakel schon haben!“

Satte Meldegelder und hoher logistischer Aufwand

Aber auch die 622 Läufer sind schon eine stolze Zahl, die sich direkt im alt-ehrwürdigen Olympia-Skistadion versammelten. Und dies bei einer nicht minder stolzen Meldegebühr von Eur 49,00, bei einer Nachmeldung kassierten die Garmisch-Partenkirchener Veranstalter sogar Eur 59,00. „Die Rückfahrt mit der Zahnradbahn wird uns leider nicht von der Bayerischen Zugspitzbahn nicht gesponsert. Und wir müssen die Teilnehmer von der Zugspitze wieder zurück über den Eibsee nach Grainau und Garmisch-Partenkirchen bringen!“ Und zudem große logistische Anstrengungen vornehmen, schließlich muß auch das umfangreiche Gepäck mehrfach verladen rechtzeitig im Ziel sein, wenn die Läufer ihr Abenteuer hatten. Krinninger musste sich in der Vergangenheit freilig genügend Kritik anhören, schließlich ist die Läuferzunft eine eigenwillige, aber standfeste zugleich. Und bei aller Kritik – sie kamen alle wieder, und brachten zudem noch viele Zugspitz-Neulinge mit. Unzureichende Absperrungen und zu wenig Getränkestationen im oberen Streckenabschnitt kritisierten einmal mehr die Teilnehmer, die allerdings im Ziel mit einem Reebok-T-Shirt und einer Medaille allesamt belohnt wurden.

Apropos Reebok. Der US-Sportausrüster ist nach einigen Jahren der reduzierten Anstrengungen in Deutschland wieder kräftig dabei, Boden gutzumachen. Der neue Marketing-Koordinator André Green, mehrfacher deutscher Meister im 3000 m-Hindernislauf und Crosslaufen, ist nach Beendigung seiner Leistungssport-Karriere fleißig bemüht, neue Claims für seinen neuen Arbeitgeber zu entdecken. Und das Berglaufen könnte ein Metier sein, bei dem Reebok künftig verstärkt Flagge zeigen will.
Und natürlich seinen neuen „Trail“-Schuh ...

Ex-Hindernismeister findet „neues Glücksgefühl“
Unter den 622 Startern war übrigens auch André Green dabei, der scheinbar in diesem Metier neue Lauflust bekommt. Als Elfter platzierte er sich als ausgesprochener Flachländer im Hochgebirge prächtig, zumal unter den Spezialisten sehr ordentlich. Neue Glücksgefühle für einen verdienten Langstreckler der Kunststoffbahn und des Crosslauf-Terrains.
Gerade einmal 13 Minuten trennten den für die LG Wedel-Pinneberg startenden Ex-Champion von Martin Echtler, der zu den besten der Zunft zählt und mit 2:20:56 die Gewalttour bewältigte. Knapp zwei Minuten später folgten Michael Barz und Uli Calmbach. Auf Rang vier übrigens der Premierensieger des Zermatt-Marathons Stephan Tassani-Prell.

Bei den Frauen setzte sich mit Christa Baumann-Vogl aus Bischofswiesen eine ausgesprochene Extremsportlerin durch, die sich als Bergsteigerin bereits einen guten Namen gemacht hat und in Kürze in Peru eine neue Herausforderung sucht. Sie gewann dank ihrer vorzüglichen Klettereigenschaften im Schlussteil doch noch sicher in 3:03:53 Stunden vor Uschi Wolf aus Darmstadt, die zwei Minuten länger benötigte und die Highlights der Bergwelt wie den Swiss Alpine Marathon in Davos ebenso kennt wie den Jungfrau-Marathon oder den Graubünden-Marathon.

Wilfried Raatz


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