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Maria Bak: „Das Kabarett geht weiter!“

Tatsachenentscheidung oder gönnerhafte Zugeständnisse

06.08.2004

Tatsachenentscheidung oder gönnerhafte Zugeständnisse: Erst Bak vor Casiraghi, dann Casiraghi vor Bak und schließlich Bak und Casiraghi! Swiss Alpine Marathon-Siegerin Maria Bak akzeptiert keine andersartige Platzierung als die im Wettkampf gemessene Reihenfolge .

Die Entscheidung um den Sieg beim Swiss Alpine Marathon in Davos dauert inzwischen schon mehrere Tage. Das schwerste Hochgebirgsspektakel über 78 km und einer Höhendifferenz von 2 320 m von Davos über Filisur und Bergün, der 2 632 m hoch gelegenen Keschhütte, der Überquerung des Scalettapasses auf 2 606 m und zurück durch das malerische Dischmatal nach Davos dauerte für die deutsche Ultra-Läuferin Maria Bak 7:00:06 Stunden, für die italienische 100 km-Europameisterin Maria Casiraghi wurden 7:02:40 gestoppt. Allerdings musste die Italienerin einen unfreiwilligen Umweg in Kauf nehmen, der ihr in führender Position laufend ein vermeindlicher Streckenposten nach 37 m eingebrockt hatte. Monica Casiraghi verlor nach eigener Einschätzung sieben bis acht Minuten, kehrte um und übernahm am Scalettapass sogar wieder die Führung gegen ihre Konkurrentin Maria Bak, hatte aber bei deren Schlussangriff vier Kilometer vor dem Ziel nicht mehr entgegenzusetzen. Ein Schiedsgericht hatte die Rennentscheidung am Sonntag gekippt und Casiraghi zur Siegerin, die eigentlich Tagesschnellste Bak als Zweite erklärt.

Maria Bak konnte die Entscheidung des Schiedsgericht nicht nachvollziehen, schließlich sollte sie plötzlich „die Verliererin des Rennens“ sein, obgleich sie sich persönlich keiner Schuld bewusst war. „Ich verschenke keinen Sieg!“ hatte die im fränkischen Hersbruck lebende, aus Polen stammende deutsche Ultraläuferin mit einer ansehnlichen Erfolgsskala wie den dreifachen Sieg beim weltbekannten Comrades-Rennen in Südafrika postwendend an die Adresse des Swiss Alpine Marathon-Veranstalter geantwortet, der sie per Fax über die Korrektur der Rangliste in Kenntnis gesetzt und um Verständnis für diese Regelung gebeten hatte.

Da seitens des Veranstalters kein persönlicher Kontakt zur entthronten Siegerin des großen Berglaufspektakel Europas gesucht wurde, tat dies eine sichtlich aufgebrachte Maria Bak mit Wut im Bauch. „Am Dienstag habe ich Herrn Tuffli endlich erreicht“, schilderte Maria Bak ihre zunächst vergeblichen Versuche, mit dem SAD-Chef Andrea Tuffli persönlich zu sprechen. „Es war ein brutales Gespräch, das damit endete, dass Herr Tuffli den Telefonhörer aufgelegt hat. Ich habe nur klar gemacht, dass ich mit keiner anderen Lösung einverstanden bin als der im Rennen ermittelten Rangfolge. Es ist für den Ultralaufsport eine Tragödie, ein Kabarett zugleich!“

Die Rennleitung des Swiss Alpine Marathon hatte am Mittwoch allerdings dann die am Sonntag kurzfristig getroffene Entscheidung des Schiedsgerichts revidiert und „aus sportlichen Überlegungen“, so die Presse-Information, „unter Beibehaltung der gemessenen Laufzeiten Maria Bak und Monica Casiraghi gemeinsam auf Platz 1 gesetzt“ und weiter mitgeteilt, dass beide Läuferinnen das gleiche Preisgeld von 4000 Schweizer Franken erhalten würden. Diese Regelung jedoch sieht Maria Bak ebenso wenig als akzeptabel an. „Das ist keine faire Verhandlung. Ich kann und darf dies nicht akzeptieren. Das bin ich allen Läufern schuldig!“ macht sich Maria Bak zugleich zum Anwalt einer reinen sportlichen Tatsachentscheidung. Schließlich sei ein Ultra-Langstreckenrennen, noch dazu eines im Hochgebirge, erheblich schwerer mit einer 100%igen Absperrung zu versehen. „Das liegt eben in der Natur derartiger Veranstaltungen. Es kann vorkommen, sollte aber eigentlich nicht!“

Da sich weder der Deutsche Leichtathletik-Verband noch der Schweizer Leichtathletik-Verband noch die Dachorganisation Swiss Olympics dieser Thematik im direkten Vorfeld der Olympischen Spiele annehmen möchte, sieht die um den Sieg geprellte Swiss Alpine Siegerin als einzigen Ausweg nur noch den Rechtsweg. „Warum gibt es denn Sportregeln?“ fragt sich Maria Bak auch noch knapp eine Woche nach dem gewiss hochklassischen Rennen in der Bergwelt Graubündens.

Wilfried Raatz


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