42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

Weitere Veranstaltungen

News

Absturz vom Wolkenkratzer - Süreyya Ayhan

Die Türkei verliert mit der gedopten Läuferin Süreyya Ayhan eine falsche Volksheldin

11.08.2004

Von Robert Hartmann

Die Türkei verliert mit der gedopten Läuferin Süreyya Ayhan eine falsche Volksheldin - Felix Sanchez schafft das Schnaufen ab

Süreyya Ayhan wurde sofort aus dem Sportverkehr gezogen, nachdem sie der Antidoping-Weltagengtur WADA eine mit Fremdurin manipulierte Dopingprobe untergeschoben hatte. Die 26 Jahre alte Leichtathletin war in den vergangenen Jahren rasant bis zur absoluten Spitzenathletin aufgestiegen, die in München 2002 plötzlich und ohne „Vorwarnung“ den Titel einer Europameisterin gewann. In diesem Sommer war sie überhaupt noch nicht an den Start gegangen. Was allerdings ihrem Rhythmus entsprach, seitdem sie auf den internationalen Kunststoffbahnen aufgetaucht war.
Nun ist der Beweis erbracht, dass sie in aller Ruhe mit einem verbotenen Mittel in Höchstform gebracht wurde.

Schnell wurde sie in ihrer männerdominierten Heimat der Liebling der Massen, besonders der Frauen. Ihr Staatspräsident Erecep Erdogan telefonierte ihr zu allen Großereignissen hinterher, um alles Gute zu wünschen.
Die Frauenrechtlerinnen gingen für sie auf die Barrikaden, um ihre Liebe zu verteidigen. Sie hieß Yucel Kop und war ihr Trainer und „Vater“, wie sie sagte. Die private Sache wurde im Parlament diskutiert, und das Paar wurde erst rehabilitiert, nachdem er sich hatte scheiden lassen und sie im Frühjahr geheiratet hatten. Ein Buch kam über sie heraus unter dem aufmunternden Titel „Go Süreyya go“.

Plötzlich muss auch der neue 5000-m-Weltrekord der erst 21 Jahre alten Türkin Elvan Abeylegesse mit einem dicken Fragezeichen versehen werden.
Die gebürtige Äthiopierin, 1,59 m groß und 40 kg schwer, lief am 11. Juni im norwegischen Bergen die Zeit von 14:24,69 Minuten. Womit sie ihre persönliche Bestleistung um knapp eine halbe Minute steigerte. Das war sehr ungewöhnlich und für Kenner des Langstreckenlaufs nicht mehr nachvollziehbar. Bei Olympia wird man weitersehen.

Aber möglicherweise kennen sie und ihr Umfeld ein Wundermittel, mit dem auch der weltbeste 400-m-Hürdenläufer Felix Sanchez von der Dominikanischen Republik haussieren gehen könnte. Am Freitag gewann er in Zürich zum 39. Mal in Folge.

Seine Taktik: Er kommt nie als Erster auf die Zielgerade, dann aber dreht er nach Belieben auf. Schon vier Schritte vor dem Ziel legt er eine Hand ans rechte Ohr, um von den Tribünen den Beifall heraus zu fordern. Während auch dieses Mal hinter ihm seine Gegner reihenweise erschöpft zu Boden sanken, was normal war, trabte er fünfzig Meter weiter und schwang sich fast zwei Meter hoch auf eine Balustrade, um sich von den Stehplatzbesuchern frenetisch feiern zu lassen.
Er atmete wie ein Spaziergänger, und wenn alles wahr ist, dann kann er auch über Wasser gehen und endlich und als Erster das ewige Leben erfunden haben. Nichts ist mehr unmöglich. Gleich nach der Ehrenrunde nahm der Dopingkontrolleur ihn in Empfang.

Vor zwei Jahren war der Helfer übrigens sehr erfolgreich gewesen, als der Marokkaner Brahim Boumali nach seinem Weltrekord über 3000 m Hindernis als Doper überführt wurde.

In letzter Minute, am Sonntagnachmittag, meldeten die Agenturen, Jerome Young sei beim Golden-League-Meeting in Paris am 23. Juli mit dem Blutdopingmittel Erythropoietin, kurz EPO, auffällig geworden.

Im Jahr davor war der Amerikaner noch Weltmeister in der Zeit von 44,50 Sekunden geworden, dieses Mal reichte es nur noch zum siebten und vorletzten Platz in 45,84 Sekunden. Damit ordnete er sich ziemlich genau auf Platz 100 der Weltrangliste ein. EPO war wohl das falsche Mittel. Anabolika wären viel besser gewesen. Es scheint, als seien die Verzweiflung und Ratlosigkeit groß gewesen.
Bei jenem Young handelt es sich um die gleiche Person, die bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 gedopt war. Seine Funktionäre verheimlichten den Tatbestand bis vor kurzem, und dann ging der Langsprinter seine Goldmedaille verlustig.

Es gibt immer etwas zu tun, und die Überraschungen reißen nie ab. Nicht alle vermögen sich davon zu stehlen.


Weitere News

21.10.2014 Vattenfall BERLINER HALBMARATHON 2015: Bereits 20.000 Startplätze belegt
16.10.2014 BMW BERLIN-MARATHON 2015: Die Registrierung zum Anmeldeverfahren dauert vom 18. Oktober bis 2. November 2014
10.10.2014 Abbott wird Titelsponsor der World Marathon Majors
10.10.2014 Am Sonntag ist Anmeldeschluss für die Cross Days am 25./26. Oktober

Noch mehr News finden Sie in unserem Newsarchiv

Sponsoren des 42. BMW BERLIN-MARATHON Wobenzym plus BMW AOK Adidas Erdinger Alkoholfrei Holiday Inn Germanwings Here Maps

Anzeige

Anzeige