41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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Die historische Olympia-Laufserie (X): Marathon der Frauen

Bronzemedaille für Kathrin Dörre, sowie ein vierter und fünfter Platz

13.08.2004

Heute am Freitag beginnen die Olympischen Spiele in Athen. Der Marathonlauf der Frauen wird am Sonntag, dem 22. August und der Marathon der Männer am 29. August stattfinden.
Die klassische Strecke von Marathon nach Athen wurde hier schon vorgestellt unter:
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002280

Die Favoritin für den Marathonlauf der Frauen wurde ebenso schon vorgestellt:
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002271

Es bleibt auch noch die Zeit den Favoriten für den Marathon der Männer hier preiszugeben und damit sind alle Favoriten auf Gold der elf Laufdisziplinen - ab 800 m aufwärts - der Frauen und Männer bei uns im Internet besprochen worden.
Vieles wird sicherlich am Tage X dann ganz anders kommen – das Favoritensterben hat schon begonnen, bevor der erste Startschuss gefallen ist, siehe die 1500m Favoritin Süreyya Ayhan:
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002276

In dem heutigen vorletzten Beitrag geht es um die Olympia-„Erinnerungs-Laufserie“ der deutschen Teilnehmerinnen im Marathonlauf. Erst seit 20 Jahren dürfen sich Frauen am Marathon bei Olympischen Spielen beteiligen. Auch hier soll aus Respekt vor den großen Leistungen der Frauen bei der längsten Laufdisziplin, auch wenn die olympische Vergangenheit noch relativ kurz ist, die Erinnerung wachgehalten werden und den heute aktiven Läuferinnen zur Nachahmung empfohlen sein.

Den Marathonlauf der Frauen gibt es erst seit den Spielen in Los Angeles 1984.
Während die Männer seit Beginn der Olympischen Spiele 1896 in Athen den Marathon bestreiten, wurden die Frauen erst in Los Angeles 1984 zum Marathonlauf zugelassen. In Athen 1896 soll im übrigen aber auch schon eine Frau, namens Melpomene die Strecke unerkannt gelaufen sein. Sie unternahm vorher einen Probelauf auf der Marathonstrecke, legte nach der Hälfte eine kurze Pause ein, um sich mit Orangen zu erfrischen und brauchte dann bis zum Ziel insgesamt 4,5 Stunden.
Auch nach dem Olympiasieg des Griechen Spyridon Louis im Marathon 1896 war die Griechin Stamatia Rovithi so begeistert vom Sieg ihres Landsmannes, daß sie ihm nacheifern wollte.
Gertrud Pfister schreibt dazu: „Die 35-jährige Mutter von 7 Kindern legte die Strecke in 5 ½ Stunden zurück. Sie selbst gab an, daß sie noch schneller gewesen wäre, wenn sie nicht unterwegs einige Schaufenster angesehen hätte.“
Gertrud Pfister schreibt dazu weiter in ihrem Beitrag „Warum sind Frauen in der Laufbewegung unterrepräsentiert“ im Sammelband „Die Laufbewegung in Deutschland – interdisziplinär betrachtet“ (Dieter H. Jütting; Hrsg.), daß in den griechischen Götter- und Heldensagen Frauen hervorragende läuferische Qualitäten bescheinigt wird.

Die berühmteste Läuferin in der Welt der Götter und Heroen war Atalante. Sie war von ihren Eltern ausgesetzt und entwickelte sich zur kühnen Jägerin, die zahlreiche Heldentaten vollbrachte. Wer um Atalante freien wollte, mußte sich mit ihr in einem Laufwettbewerb messen, mußte im wahrsten Sinne des Wortes um sein Leben laufen. Pfister weiter, in Griechenland fanden seit dem 6.Jh. vor Chr. Wettläufe von Mädchen und jungen Frauen zu Ehren der Göttin Hera und auch in Sparta gehörte Laufen zum Erziehungsprogramm der Mädchen.
Um so unverständlicher ist es aus heutiger Sicht, daß Frauen das Laufen, zumindest bei Wettkämpfen und Meisterschaften derartig lange von den Männern und Funktionären vorenthalten wurde.

In Deutschland war es Dr. Ernst van Aaken vorbehalten am 28. Oktober 1973 den ersten Frauen-Marathon in Waldniel zu veranstalten. Christa Kofferschläger gewann in 2:59:25,6 – das war auch gleich europäischer Rekord. Am 10. Februar 1974 Lief Judy Ikenberry in 2:55:18 in San Mateo den ersten Marathon für Frauen in den USA.
Allerdings war es selbst dahin ein langer und steiniger Weg für die Frauen Marathon zu laufen (zu dürfen). Kathrine Switzer hatte ihre große Stunde als sie 19. April 1967 beim berühmten Boston Marathon unter den Namen K.V. Switzer mit einer offiziellen Startnummer unerkannt mitlief bis Jock Semple, ein Offizieller, sie erkannte und herausdrängeln wollte. Semple hatte allerdings Pech. Der mitlaufende Begleiter von Kathrine Switzer Tom Miller, war ein Hammerwerfer, der sich dann des Offiziellen annahm und ihn wegboxte. Kathrine Switzer lief in etwa 4:20 durch bis ins Ziel und hatte die Schlagzeilen und Bilder des Tages weltweit.
Schon ein Jahr vorher, 1966 lief Roberta Gibb ohne eine Startnummer in Boston mit, sie mischte sich unter die Läufer und kam in 3:30 etwa ins Ziel. Kathrine Switzer gehörte dann auch zu den resoluten Frauen, die die Entwicklung im Frauenlaufsport vorantrieben.

Sie war auch maßgeblich daran beteiligt, als Repräsentantin von AVON in New York, daß 1984 in Berlin vom SCC Berlin der 1. AVON Frauenlauf im Tiergarten stattfinden konnte.

Beim 1. BERLIN-MARATHON 1974 gewann Jutta von Haase in 3:22:01 die Premiere, sie war eine von neun Läuferinnen bei insgesamt 286 Teilnehmern. 1977 lief Christa Vahlensieck bei den Deutschen Meisterschaften innerhalb des 4. BERLIN-MARATHON einen neuen Weltrekord mit 2:34,48.
Erst in Athen 1982 fanden die ersten Europameisterschaften der Frauen im Marathon statt, 1983 die ersten Weltmeisterschaften der Frauen im Marathon in Helsinki und schließlich 1984 durften dann die Frauen an den Olympischen Spielen im Marathon in Los Angeles teilnehmen.

Die japanischen Frauen haben insgesamt 3 olympische Medaillen in dieser noch jungen olympischen Disziplin gewonnen, je einmal Gold, Silber und Bronze,
dahinter kommt Russland/GUS mit je einer Gold- und Silber- und dann Portugal mit einer je Gold- und Bronzemedaille.

11 Nationen teilen sich die 15 Medaillen auf.

Die deutschen Marathonläuferinnen haben mit Kathrin Dörre ihr großes läuferisches Aushängeschild. Sie nahm an drei Olympischen Spielen teil und platzierte sich jeweils. Sie gewann 1988 in Seoul eine Bronzemedaille, belegte 1992 in Barcelona einen fünften Platz und 1996 in Atlanta einen vierten Platz. Das ist eine stolze Erfolgsserie.

Überblick über die Medaillenverteilung der erfolgreichsten Nationen im Marathon der Frauen:

Deutschland: 0 Gold / 0 Silber / 1 x Bronze / 1 x vierter Platz / 1 x fünfter Platz / 1 x achter Platz

JPN: 1 G / 1 S / 1 B
URS: 1 G / 1 S
POR: 1 G / 0 S / 1 B
USA: 1 G
ETH: 1 G
NOR: 0 G / 1 S
AUS: 0 G / 1 S
ROM: 0 G / 1 S
NZE: 0 G / 0 S / 1 B
KEN: 0 G / 0 S / 1 B

Los Angeles 1984 – Erstes Gold für Benoit – Charlotte Teske Sechzehnte

Schon nach 4 Kilometern verabschiedete sich Joan Benoit (USA) von ihren hochkarätigen Mitkonkurrentinnen. Benoit hatte die US-Ausscheidungen gewonnen und war Inhaberin der Weltbestzeit. Die 27-jährige Amerikanerin hielt ihren einsamen Lauf bis ins Ziel durch. Im Coliseum in Los Angeles war an diesem Sonntagvormittag des Publikum natürlicherweise in Hochstimmung als ihre Landsfrau ins Stadion lief. Sie ließ immerhin die Weltmeisterin von 1983 Grete Waitz und die Europameisterin von 1982 Rosa Mota hinter sich, Inge Kristiansen plazierte sich als Vierte.
Charlotte Teske, das Aushängeschild der deutschen Langstrecklerinnen, ging mit Ischiasbeschwerden – und deswegen Trainingsmangel – an den Start. Sie lag anfangs mit im Spitzenfeld, fiel dann zurück.
Zwar war der Start schon morgens um acht Uhr mit noch angenehmen Temperaturen, aber danach ging das Thermometer steil in die Höhe, es wurde eine Hitzeschlacht.
Die Bilder der Schweizerin Gabriela Anderson-Schiess, die die letzten 500 m durchs Stadion wankte und jede Hilfe ablehnte, sind vielen noch heute negativ präsent.

Finale (5. August)
1. Joan Benoit (USA) 2:24:52 – 2. Grete Waitz (NOR) 2:26:18 – 3. Rosa Mota (POR) 2:26:57 - 4. Ingrid Kristiansen (NOR) 2 :27:34 - ... ... 16. Charlotte Teske 2:35:56

Seoul 1988 – Kathrin Doerre gewinnt die Bronzemedaille

Bei Kilometer 38 ging Rosa Mota, Dritte von Los Angeles in die Offensive und entschied wahrscheinlich den Lauf, als sie sich von Lisa Martin und Kathrin Doerre löste, mit denen sie vorher lange zusammenlief. Noch bei Kilometer 15 lag Grete Waitz, Silbermedaillengewinnerin von Los Angeles und lange Inhaberin der Weltbestzeit vorne, sie gab aber dann das Rennen auf.
Katrin Doerre gehörte mit zum Favoritinnenkreis und man hatte sie auch ganz weit vorne erwartet. Diese Hoffnungen erfüllte sie und holte damit die erste Medaille für eine deutsche Marathonläuferin. Kerstin Preßler aus Berlin (Siegerin BERLIN-MARATHON 1987 in 2:31:22) belegte den 21. Platz in 2:34:26, Gabriele Wolf lag auf Platz 27 in 2:35:11 nicht so weit zurück.
Charlotte Teske, 1986 Siegerin des BERLIN-MARATHON in 2:32:10, verzichtete auf einen Start, da sie sich kurz vorher schwer erkältete. Birgit Stephan trat das Rennen nicht an.

Finale (23. September):
1. Rosa Mota (POR) 2:25:40 – 2. Lisa Martin (AUS) 2:25:53 – 3. Katrin Dörre 2:26:21 - ... ... 21. Kerstin Preßler 2:34:26 - ... ... 27. Gabriele Wolf 2:35:11

Barcelona 1992 – Kathrin Doerre Fünfte

Es war eine dramatische Hitzeschlacht in Barcelona. „Leichtathletik“ schreibt „es gab keine Siegerin und Besiegte, sondern nur Überlebende“! Wanda Panfil die polnische Weltmeisterin des Vorjahres in Tokio landete nur auf dem Platz 23. Insofern muß der fünfte Rang von Kathrin Doerre entsprechend gewürdigt werden.

Die Japanerinnen zeigten zum ersten Mal Flagge und belegten mit Yuki Arimori den zweiten Platz hinter der Russin Jegorowa, die die Japanerin erst im Stadion endgültig hinter sich lassen konnte. Sachiko Yamashita (JPN), die zweite Japanerin, wurde Vierte.
Birgit Jerschabek lief ein gutes Rennen als 15. in 2:42:45. Sie hatte sich voll verausgabt und mußte nach Zieldurchlauf ärztlich behandelt werden.

Finale (1. August):
1. Valentina Jegorowa (GUS) 2:32:41 – 2. Yuko Arimori (JPN) 2:32:49,3 – 3. Lorraine Mary Moller (NZL) 2:33:59,4 – 4. Sachiko Yamashita (JPN) 236:26,5 – 5. Kathrin Doerre 2:36:48,6 - ... ... 15. Birgit Jerschabek 2:42:45

Atlanta 1996 – Kathrin Doerre-Heinig Vierte – Sonja Krolik Achte

Mit Fatuma Roba aus Äthiopien holte sich zum ersten Mal eine afrikanische Läuferin das olympische Gold im Marathon und trat damit in die Fußstapfen des legendären Äthiopiers Abebe Bikila, Sieger von Rom 1960 und Tokio 1964. Sie siegte überlegen vor der Barcelona-Siegerin Jegorowa und der Zweiten von Barcelona Yuko Arimori.

Kathrin Doerre-Heinig, die 1994 den BERLIN-MARATHON in 2:25:15 gewonnen hatte, war wieder die Zuverlässigkeit in persona und belegte knapp geschlagen den vierten Platz. Sonja Krolik rollte praktisch das Feld von hinten auf und belegte einen achtbaren 8. Rang in 2:31:16.
Uta Pippig (SCC Berlin) vorher hoch als Mitfavoritin gehandelt und als mehrfache Boston-Marathon und BERLIN-MARATHON Siegerin berühmt, führte zunächst das Rennen an – und gab dann enttäuschend für alle - auf.

Finale:
1. Fatuma Roba (ETH) 2:26:05 – 2. Valentina Jegorowa (RUS) 2:28:05 – 3. Yuko Arimori (JPN) 2:28:39 – 4. Kathrin Doerre-Heinig 2:28:45 - ... ... 8. Sonja Krolik 2:31:16

Sydney 2000 – Sieg für Naoko Takahashi – Japan jubelt

Der erste Marathonsieg für die japanischen Frauen – Japan jubelt und vergöttert die zierliche Siegerin Naoko Takahashi. Es war ein knapper Sieg für die Japanerin mit nur acht Sekunden Vorsprung vor der Rumänin Lidia Simon, die vier Jahre vorher in Atlanta Sechste wurde.
Dritte wurde Joyce Chepchumba aus Kenia, die 1997 den London-Marathon und 1999 und 2000 den BERLINER HALBMARATHON gewonnen hat.
Takahashi legte durch ihren Sieg in Sydney und ihren Weltrekord ein Jahr später in Berlin den Grundstein zu einer ungeahnten Popularität im marathonverrückten Japan.
Sonja Krolik belegte in Sydney den 24. Platz in 2:33:45 – Claudia Dreher trat nicht an.

Finale:
1. Naoko Takahashi (JPN) 2:23:14 – 2. Lidia Simon (ROM) 2:23:22 – 3. Joyce Chepchumba (KEN) 2:24:45 - ... ... 24. Sonja Oberem 2:33:45

Im Gegensatz zu den Männern ist die olympische Vergangenheit der Frauen beim Marathon noch sehr kurz. Eine Bewertung fällt deswegen im internationalen, wie auch im nationalen Rahmen, schwer.
Die Frauen haben viel nachzuholen, aber sie sind auf dem besten Wege das zu schaffen, zumindest was die bisherige numerische Überlegenheit der Beteiligung der Männer an Marathonläufen angeht, sie einzuholen und sie sogar zu überholen, was die neuesten Erhebungen aus den USA ergeben.
Lang war der Weg von Atalante, über Melpomene bis zu Kathrin Switzer und zu den Spielen von Los Angeles 1984.
Schneller geht es, wie die Entwicklung des Weltrekordes bei den Frauen zeigt von den 3:40:22 von Violet Percy (GBR) in London vom 3. Oktober 1926 bis zum Durchbrechen der Schallmauer auf 2:19:46 von Naoko Takahashi (JPN) in Berlin am 30. September 2001 und zu den jetzt phänomenalen 2:15:25 von Paula Radcliffe (GBR) in London am 13. April 2003 zeigt.
Es wird es bei den Frauen im Marathon stürmisch weitergehen. Die deutschen Frauen werden es aber, wie auch in allen anderen Laufwettbewerben, in Zukunft nicht leichter haben im internationalen Konzert mit „die erste Geige – oder überhaupt vielleicht nur noch die zweite Geige“ zu spielen.

Für Athen 2004 bleibt kritisch anzumerken, daß die zweifache Marathon-Athen Siegerin Sonja Krolik, hitzeerfahren und kampferprobt wie sie ist, vom NOK nicht nominiert wurde. Das wird die deutschen Chancen auf eine gute Plazierung auf ein Minimum sinken lassen.

Aber auch hier bleibt dann die Hoffnung für die Zukunft auf die hehre olympische Ungewissheit – und damit auf alle Überraschungen, die der Sport immer noch bietet.

Horst Milde

Interessante Hinweise und Ergänzungen zu der großen olympische Vergangenheit des behandelten Themas können hierin geschickt werden:

info@berlin-marathon.com

800m der Frauen (Olympia historisch I):
http://www.berlin-marathon.com/news/show/002083
1500 der Männer(Olympia historisch II):
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002108
800 m der Männer (Olympia historisch III):
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002126
1500 m der Frauen (Olympia historisch IV):
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002143
5000 m der Frauen (Olympia historisch V):
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002169
5000 m der Männer (Olympia historisch VI):
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002199
10.000 m der Frauen (Olympia historisch VII)http:
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002215
10.000 m der Männer (Olympia historisch VIII):
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002237
3000 m Hindernis der Männer (Olympia historisch IX):
http://www.real-berlin-marathon.com/news/show/002267


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