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Vizepräsident Leistungssport, Ulrich Feldhoff beurteilt das Abschneiden in Athen

Besser als in Sydney zum gleichen Zeitpunkt - Nicht alle Erwartungen erfüllt

20.08.2004

Vizepräsident Leistungssport, Ulrich Feldhoff: Besser als in Sydney zum gleichen Zeitpunkt - Nicht alle Erwartungen erfüllt

Ulrich Feldhoff, der Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Sportbund, sieht das deutsche Team trotz mancher herber Kritik von außen besser als vor vier Jahren in Sydney. Im Interview mit der dsb-website bekennt er aber auch, dass nicht alle Erwartungen erfüllt worden sind.
Das Interview:
Die deutsche Mannschaft hat für ihr bisheriges Abschneiden in Athen von manchen Seiten herbe Kritik einstecken müssen. Wie bewerten Sie als verantwortlicher Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Sportbundes den Auftritt?

Feldhoff: “Es gab bisher aus unserer Sicht in Athen schon manche positive Überraschung, siehe Vielseitigkeitsreiterei, Judo der Frauen, Kugelstoßen der Frauen. Zudem haben wir mit Stand Mittwoch abend insgesamt zehn Medaillen gewonnen. Manche Leute müssen sich einmal klar machen:
Damit sind wir besser als zum gleichen Zeitpunkt bei Olympia in Sydney. Allerdings ist eins auch klar, da gibt es nichts zu beschönigen. Bisher sind nicht alle unsere Erwartungen erfüllt worden, die wir an Hand der Ergebnisse der Welt- und Europameisterschaften des letzten Jahres sowie der Resultate der internationalen Events aus diesem Jahr analysiert hatten. Das gilt insbesondere für die Schwimmer, die Schützen, die Fechter und die Radsportler, von denen wir uns ein besseres Ergebnis erhofft hatten, allen voran von Jan Ullrich.”

Woran kann dieses schwächere Abschneiden liegen?
Feldhoff: “Ich bin kein Trainer, das müssen jetzt die zuständigen Leute aus den Verbänden genau analysieren. Aber auffallend ist bei den Schwimmern schon, dass die vor zwei bis drei Wochen noch erreichten Zeiten jetzt nicht mehr erreicht werden. Auffallend ist auch, dass fast durchgängig auf der letzten Bahn Plätze eingebüsst werden. Es scheint die Kraft nicht zu reichen. Da stellt sich schon die Frage in Richtung Periodisierung des Trainings. Aber das muss in aller Ruhe ausgewertet werden.”

Nach den Spielen wird Ulrich Feldhoff wieder mit Bundesinnenminister Otto Schily über die finanzielle Unterstützung für den Spitzensport verhandeln müssen

Die Judokas glänzen hier in Athen. Woran liegt dieser Aufwärtstrend?

Feldhoff: “Sie bestätigen mit ihren glänzenden Ergebnissen eigentlich die Resultate der letzten Weltmeisterschaft in Japan und der Europameisterschaft in Deutschland. Vor vier Jahren in Sydney hatten sie ebenfalls ein nicht zufriedenstellendes Ergebnis erreicht. Danach haben sie ein völlig neues Konzept auf- und die Arbeit im Verband total umgestellt. Sie konzentrieren sich nun auf zwei Leistungszentren. Der Trainingsprozess wurde vereinheitlicht. Hier die Ergebnisse von Athen geben dem Verband nun völlig recht in seinem Handeln.”

Ein anderes Thema: Der Zuschauerzuspruch bei Olympia hält sich bisher in Grenzen. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Feldhoff: “Die Resonanz ist sehr unterschiedlich. Es liegt schon stark daran, für welche Sportart sich die Griechen interessieren oder worin ihre Sportler Chancen haben. Dazu kommen noch die Sportarten, die durch ihre Eigenart auf Zuspruch stoßen. Ich selbst bin ja sehr viel beim Kanuslalom, hier gibt es sogar in der Qualifikation mit 8.000 Zuschauern ein volles Haus. Im Vorfeld ist fast beständig im griechischen Fernsehen darüber berichtet worden, dadurch ist das Interesse der Griechen geweckt worden.
Aber insgesamt ist das Interesse nicht so berauschend. Beim Volleyballspiel Deutschland gegen Russland waren nicht sehr viel Zuschauer anwesend. Das ist für ein solches Top-Spiel natürlich sehr traurig.”

Welches Erlebnis hat Sie denn bisher am meisten beeindruckt?

Feldhoff: “Was mir sehr positiv auffällt: Ich habe mit den Volunteers - also den freiwilligen Helfern hier vor Ort - trotz aller negativen Ankündigungen im Vorfeld bisher nur gute, sehr gute Erfahrungen gemacht. Beim Kanu ist es ein exzellentes Team, sehr hilfsbereit, sehr kompetent.
Die griechischen Helfer sind hier im Allgemeinen auf dem Stand von Sydney, im Kanu sogar noch besser.”

Quelle:
www.dsb.de


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