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"WELCOME HOME" in Athen 2004

Für die deutschen Leichtathleten wird es trotz eines guten Auftakts schwer bei Olympia

20.08.2004

„Welcome home“, leuchtet es einem in Athen an allen Ecken und Enden entgegen, auf Fahnen, Plakaten und Leuchtschriften. Die Spiele sind zurückgekehrt zu ihrem Ursprung. 108 Jahre, nachdem in Athen 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit stattfanden. Heute beginnen endlich auch im Olympiastadion die Wettkämpfe. Es war, abgesehen vom nach Olympia ausgelagerten Kugelstoßen der Männer und Frauen, das bereits am Mittwoch stattfand, der erste Tag der olympischen Kernsportart Leichtathletik.
Für viele beginnen die Spiele erst richtig, wenn die Leichtathleten in den Mittelpunkt rücken.

Spiridon Louis und der Marathon über 40 km
„Welcome home“, das gilt besonders für die Leichtathleten. Schon 1896 standen ihre Disziplinen in Athen im Zentrum des Interesses. Speziell galt dies natürlich für den Marathonlauf, den der Grieche Spiridon Louis gewann. Damals wie heute wird dieses Rennen in Marathon gestartet und endet im Panathinaikon-Stadion von Athen. Schon am Sonntag starten die Frauen, eine Woche später wird der Männer-Marathon die letzte Entscheidung dieser Olympischen Spiele sein. 40 km betrug die Strecke 1896. Seitdem bei den Spielen 1908 in London das Ziel genau vor der königlichen Ehrenlose sein musste, misst die Distanz krumme aber längst klassische 42,195 km.

Paula Radcliffe (Großbritannien), Naoko Sakamoto (Japan), Margaret Okaya oder Paul Tergat (beide Kenia)
Im Marathon werden die Deutschen keine Rolle spielen. Bei den Männern wurde angesichts der Misere im deutschen Langstreckenlauf erst gar keiner nominiert, bei den Frauen ist von Ulrike Maisch (Rostock) und Luminita Zaituc (Braunschweig) keine Platzierung im Vorderfeld zu erwarten. Einen zweiten Spiridon Louis wird es in Griechenland allerdings schon gar nicht geben. Die Favoriten heißen Paula Radcliffe (Großbritannien), Naoko Sakamoto (Japan), Margaret Okaya oder Paul Tergat (beide Kenia).

Eine Medaille im Jahr 1896 für die Deutschen
Auch wenn man nicht viel erwarten darf: Besser als vor 108 Jahren müsste das heutige deutsche Leichtathletik-Team eigentlich abschneiden. Damals gab es für die deutschen Leichtathleten eine einzige Medaille. Allerdings standen 1896 auch nur ein Dutzend Wettbewerbe auf dem Programm, und Frauen durften damals noch gar nicht teilnehmen. Im Panathinaikon-Stadion gewann Fritz Hofmann die Silbermedaille über 100 m mit einer Zeit von 12,2 Sekunden. Zu Gold sprintete damals Tom Burke (USA) in 12,0 Sekunden. Heute werden 46 Olympiasieger in der Leichtathletik ermittelt, so viele wie in keiner anderen Sportart.

Nadine Kleinert mit Bronze in Olympia
Der Auftakt der deutschen Leichtathleten war so wie ihn sich die Schwimmer gewünscht hätten: Beim Kugelstoßen gewann am Mittwoch in Olympia Nadine Kleinert (Magdeburg) die Bronzemedaille. Damit hatte man nicht rechnen dürfen. Doch für Euphorie besteht trotzdem kein Anlass in der deutschen Leichtathletik. Noch in frischer Erinnerung ist das Ergebnis bei der WM in Paris vor einem Jahr, als die Starter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) lediglich einmal Silber und dreimal Bronze gewannen.
Es war das schwächste Abschneiden eines gesamtdeutschen Teams bei dieser WM. Überraschend war diese Misere im Sommer 2003 eigentlich nicht gekommen. Das Problem war jedoch, dass die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit durch die Funktionäre des DLV unrealistisch hoch geschraubt worden war.

Nickel: Leistungsvermögen voll ausschöpfen
Im Vorfeld von Athen hören sich die Prognosen der DLV-Funktionäre nun anders an. Der für Leistungssport zuständige Vizepräsident des Verbandes, Rüdiger Nickel, verzichtet auf eine Medaillenprognose und sagt statt dessen gegenüber der Zeitschrift „Leichtathletik“: „Es hat sich bestätigt, dass es sehr schwer sein wird, Medaillenträume zu realisieren. Für mich sind Olympische Spiele dann erfolgreich verlaufen, wenn möglichst viele Athleten in Athen ihr Leistungsvermögen voll ausgeschöpft haben.“

Kein Gold-Favorit bei den Deutschen
Einen echten Gold-Favoriten hat die deutsche Leichtathletik auch in diesem Jahr nicht. Die beiden deutschen Olympiasieger von Sydney 2000, Nils Schumann (800 m) und Heike Drechsler (Weitsprung), fehlen verletzungsbedingt. Mit Dreispringer Charles Friedek (Leverkusen), Diskuswerfer Lars Riedel (Chemnitz) und Speerwerfer Boris Henry (Saarbrücken) kämpfen drei routinierte und aussichtsreiche Starter noch mit Verletzungsproblemen. Der 50-km-Geher Andreas Erm (Potsdam), die Speerwerferin Steffi Nerius (Leverkusen) oder die Stabhochspringer Tim Lobinger (Köln) und Danny Ecker (Leverkusen) sind die aussichtsreichsten DLV-Athleten.

Wenn es in Athen nicht schlechter läuft als in Paris, wäre das schon ein Erfolg.


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