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Japans neuer Marathonstar: Mizuki Noguchi

Mizuki Noguchi ist in Japan bisher bekannt als die „Queen der Halbmarathonläuferinnen

23.08.2004

Dass eine Japanerin den schweren Marathonlauf in Athen gewann, war kein Zufall. Bei den letzten drei Olympischen Spielen gab es jeweils eine Medaille für die Marathonläuferinnen aus Nippon. 1992 lief Yuko Arimori in Barcelona zu Silber, vier Jahre später holte sie in Atlanta Bronze. Vor vier Jahren wurde Naoko Takahashi in Sydney Olympiasiegerin. Nun schaffte das in Athen Mizuki Noguchi.

Die Dichte der japanischen Weltklasseläuferinnen ist enorm. Im vergangenen Jahr liefen drei Athletinnen unter 2:22 Stunden. Acht Läuferinnen stehen in der Liste der besten Zeiten aller Zeiten mit einem Ergebnis von unter 2:23 Stunden – kein anderes Land kann auch nur annähernd eine derartige Dichte von erstklassigen Läufern vorweisen. Und von den drei schnellsten Japanerinnen der letzten zwei Jahre schaffte nur eine die Qualifikation für Olympia: Mizuki Noguchi.

Als das Drama um die favorisierte Paula Radcliffe seinen Lauf nahm, war Mizuki Noguchi noch voller Energie. Die 1,50 Meter kleine und 41 Kilogramm leichte Japanerin hatte sich von Beginn an an die Fersen von Paula Radcliffe geheftet. Während die Britin Opfer ihres eigenen, hohen Anfangstempos wurde, nutzte Noguchi die erste Schwäche und ließ die Favoritin hinter sich. Als sie merkte, dass Paula Radcliffe nicht mehr folgen konnte, warf sie übermütig einen Schwamm im hohen Bogen über die Zuschauermassen hinweg. Die Vorfreude war ihr anzusehen.

Paula Radcliffe: "Verwüstet"
Währenddessen saß Paula Radcliffe weinend am Straßenrand und wartete auf den Krankenwagen, der sie zum Ziel brachte. Auf die Frage, wie sie sich fühle, sagte Paula Radcliffe gegenüber einem Reporter der BBC nur ein einzigen Wort: „Verwüstet.“ Emotional und physisch sei sie am Ende, erklärte ein Betreuer des britischen Teams.

Keine Kraft mehr für die Ehrenrunde In China und in St. Moritz hatte Mizuki Noguchi sich in Höhentrainingslagern auf diesen Marathon vorbereitet. Die Japanerinnen sind bekannt dafür, extrem hohe Trainingsumfänge zu laufen und bis an ihre Grenzen zu gehen. Das tat sie auch in Athen. „Ich bin einfach nur froh“, sagte Mizuki Noguchi im Ziel. Für eine Ehrenrunde oder weitere Interviews reichte ihre Kraft nicht mehr, die Japanerin hatte alles gegeben und konnte zunächst keinen Schritt mehr laufen.

„Queen der Halbmarathonläuferinnen“.
Mizuki Noguchi ist in Japan bisher bekannt als die „Queen der Halbmarathonläuferinnen“. Denn sie hatte bei den Weltmeisterschaften über die Strecke ab 1999 nacheinander die Ränge zwei, vier, vier und neun belegt sowie diverse Rennen über diese Distanz gewonnen. Ihr Marathon-Debüt lief sie 2002 in Nagoya, ihre Bestzeit von 2:21:18 Stunden erreichte sie ein Jahr später bei ihrem Sieg in Osaka. Bei der WM vor einem Jahr war sie noch Zweite hinter Caterine Ndereba (Kenia), dieses Mal drehte sie in ihrem vierten Marathonrennen das Ergebnis um – und dürfte nun in Japan einen neuen Spitznamen erhalten.

Die Motivation für die Quälerei im Training und in Athen ist für die Japanerinnen größer als anderswo. Denn nirgendwo auf der Welt hat das Marathonlaufen einen derartigen Stellenwert wie in Japan. Wer über die klassische Distanz erfolgreich ist, wird verehrt. Nachdem Naoko Takahashi vor vier Jahren in Sydney Olympiasiegerin geworden war, verdiente sie Millionen mit Werbeverträgen. Takahashi wurde sogar zu einer Comicfigur. In der Comicserie wurde ihr Weltrekordlauf in Berlin 2001 dargestellt. Das Heft mit einer hohen sechsstelligen Auflage war ausverkauft. Um nicht andauernd angesprochen zu werden, so hat Naoko Takahashi erzählt, setzt sie eine Sonnenbrille auf, wenn sie in ihrer Heimat auf die Straße geht. Das wird Mizuki Noguchi nun auch bevorstehen.

Unterbrechung der Nachrichtensendungen
„Als der japanische Leichtathletik-Verband im März die Nominierung des Marathon-Olympiateams bekannt gab, kamen über 100 Journalisten zur Pressekonferenz. Fast alle wichtigen Fernsehstationen berichteten live von der Bekanntgabe der sechs Namen, manche unterbrachen sogar ihre Nachrichtensendungen“, erzählt Brendan Reilly, ein US-amerikanischer Manager, der mit den Japanern zusammen arbeitet. Erstaunlich war damals, dass die Japaner auf die Nominierung der Titelverteidigerin Naoko Takahashi verzichteten.

„Es war eine harte Entscheidung“, erklärte der Cheftrainer des japanischen Leichtathletik-Verbandes, Keisuke Sawaki, im März und fügte hinzu: „Aber wir glauben, dass diese drei das Potenzial haben, eine Medaille zu gewinnen.“

Er sollte Recht behalten.


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