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Irina Mikitenko - die einzige deutsche Weltklasseläuferin

24.08.2004

Die Weltrekordlerin Elvan Abeylegesse (Türkei) hatte sie hinter sich gelassen, eine Äthiopierin überholt, die beiden Chinesinnen geschlagen, und die Cross-Weltmeisterin Edith Masai (Kenia) war schon vorher ausgestiegen. Irina Mikitenko hat sich im olympischen 5.000-m-Finale glänzend geschlagen – vor allen Dingen, wenn man die Probleme in der Vorbereitung berücksichtigt. Als Siebente kam die aus Kasachstan stammende Läuferin von Eintracht Frankfurt, die seit 1998 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, nach 15:03,36 Minuten ins Ziel. Damit dürfte sie die einzige Deutsche bei Olympia bleiben, die im Laufbereich noch mit der Weltklasse mithalten konnte und einen Platz unter den ersten Acht erreichte. „Der siebente Platz ist prima“, erklärte Irinia Mikitenko am Abend ihres 32. Geburtstages. Damit hat sie sich ein Geschenk gemacht, mit dem noch vor einigen Wochen nicht zu rechnen war. Während die neue Olympiasiegerin Meseret Defar (Äthiopien) in 14:45,65 Minuten vor der Kenianerin Isabella Ochichi (14:48,19) und Tirunesh Dibaba (Äthiopien/14:51,83) gewann, hatte sich die 1,58 m kleine und 49 Kilo leichte Irina Mikitenko auf den letzten 1000 Metern noch von Platz 13 auf Rang sieben nach vorne geschoben.

„Am Ende hatte ich ein tolles Gefühl, denn ich habe ja eine nach der anderen überholt“, erklärte Irina Mikitenko – das Rennen hätte so weitergehen können. Mitte Mai war das Gefühl alles andere als toll. Im Höhentrainingslager in Flagstaff hatte sie einen schwerwiegenden Fehler gemacht: zu viel trainiert. „Ich bin einige Einheiten in der Höhe zu schnell gelaufen.“ Dadurch entstand ein Eisenmangel, der Körper brauchte Ruhe, um sich wieder zu erholen. „Ich durfte sechs Wochen lang nicht trainieren – ab Ende Mai und den ganzen Juni hindurch“, erzählte Irina Mikitenko.

Das war natürlich ein gewaltiges Handicap im Hinblick auf Olympia. „Deswegen war es für mich hier erst einmal wichtig, überhaupt gut ins Ziel zu kommen“, erklärte Irina Mikitenko. „Ursprünglich“, erzählt Irina Mikitenko, „wollte ich bei diesen Olympischen Spielen über 10.000 m an den Start gehen. Aber da mir nur noch acht Wochen Vorbereitungszeit übrig blieben, hätte das für das 10.000-m-Training nicht ausgereicht.“ Daher entschieden Irina und ihr Mann und Trainer Alexander Mikitenko sich für die 5.000 Meter.

„Es ist schade, denn im Frühjahr war ich schon in guter Form“, sagte Irina Mikitenko, der durch die Pause auch die Wettkämpfe fehlten. Bei Olympia machte sie erst die Bahnrennen Nummer drei und vier in dieser Saison. Dafür plant sie allerdings jetzt noch einige Grand-Prix-Starts. Darunter werden aller Voraussicht nach die Golden-League-Meetings in Brüssel und das ISTAF in Berlin sein sowie das Grand-Prix-Finale in Monte Carlo. „Ich denke, über 5000 Meter ist in dieser Saison noch eine Zeit unter 14:50 Minuten möglich für mich.“ Schon in den vergangenen Jahren hatte Irina Mikitenko immer wieder Pech. Bei Olympia 2000 war sie noch Fünfte über 5.000 Meter. Doch nachdem sie ein Jahr später diese Platzierung auch bei der WM über 5.000 m erreicht hatte, lief nichts mehr. Aufgrund einer Verletzung an der Patellasehne im Knie hatte sie operiert werden müssen. Über ein Jahr lang konnte Irina Mikitenko keine Wettkämpfe bestreiten. Und auch im vergangenen Jahr bei der WM in Paris war sie nicht richtig fit und schied im Vorlauf aus.

Doch nach ihrem Rennen in Athen blickt Irina Mikitenko wieder optimistisch in die Zukunft. Im nächsten Jahr möchte sie sich stärker auf die Langstrecken konzentrieren und wird den Straßenrennen Priorität einräumen. „Ich möchte im nächsten Jahr mein Marathondebüt laufen, allerdings werde ich trotzdem auch weiterhin auf der Bahn starten, aber eher über 10.000 Meter.“ Da ist es vielleicht hilfreich, dass sie in der Vergangenheit unter anderen auch schon mit der Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe trainierte. „Man muss sehr hart trainieren, um international eine Chance zu haben“, sagt Irina Mikitenko, die wöchentlich bis zu 180 Trainingskilometer absolviert – damit hat sie schon jetzt eine prima Grundlage für ein viel versprechendes Marathondebüt.


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