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Kelly Holmes: Die vielen Tiefs sind vergessen

24.08.2004

Vor sieben Jahren war sie als Favoritin nach Athen gereist. Doch sie schaffte es noch nicht einmal durch den 1500-m-Vorlauf. Nach 200 Metern gab Kelly Holmes verletzt auf. „Ich kann gar nicht sagen, wie es damals in Athen war, denn ich war nur 14 Stunden hier“, erzählt die Engländerin, die nun mit 34 Jahren im letzten Teil ihrer Karriere den größten Triumph feierte: Holmes wurde über 800 Meter Olympiasiegerin in 1:56,38 Minuten. Auf der Zielgeraden überholte sie im Spurt die führende Titelverteidigerin Maria Mutola, die es verpasste, als erste 800-m-Läuferin der olympischen Geschichte eine zweite Goldmedaille über diese Strecke zu gewinnen. Am Ende wurde die aus Mozambique stammende, beste 800-m-Läuferin des letzten Jahrzehnts nur Vierte.

Von Erlebnissen wie in Athen 1997 kann Kelly Holmes lange erzählen. Es ist noch keine sechs Monate her, als sie bei der Hallen-WM als Favoritin über 1500 m startete und dann im Finale stürzte. Auch bei Olympia hatte sie bis vor Athen wenig Glück. Im Vorfeld von Atlanta 1996 laborierte Kelly Holmes an einem Ermüdungsbruch, so dass nicht mehr als Platz vier herauskam, vier Jahre später gewann sie zwar Bronze, doch eine Muskelverletzung im Vorfeld von Olympia hatte sie zurückgeworfen.

„Man träumt immer vom Gold, aber immer geht irgendetwas schief. Ich träume von einem solchen Sieg schon seit ich zwölf Jahre alt war. Und ich dachte, dass auch dieses Mal irgendetwas dazwischen kommen würde – deswegen ist das jetzt für mich alles irgendwie unreal“, erzählte Kelly Holmes. „Bevor ich geglaubt habe, dass ich Gold gewonnen habe, musste ich mir erst zweimal die Wiederholung auf der Videotafel ansehen. Ich hatte viele Tiefpunkte im Laufe meiner Karriere, aber dieses Rennen hier gleicht alles aus, was vorher schief lief.“

Einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum Gold machte Kelly Holmes vor knapp zwei Jahren. Damals wechselte sie ihren Trainer und ging zu Margo Jennings. Das ist der Coach von Maria Mutola. Mit ihrer Konkurrentin ist sie befreundet und lange Zeit trainierten beide zusammen in Südafrika. „Da Kelly und ich zusammen trainieren, kennt sie meine Schwächen. Aber sie hat diese Goldmedaille wirklich verdient“, erklärte Maria Mutola, die im Juli eine Oberschenkelverletzung zurückgeworfen hatte. Doch in der letzten Phase der Vorbereitung auf Olympia trainierte Holmes auf Zypern nicht mit Mutola.

Ursprünglich wollte die Engländerin auch gar nicht über 800 Meter antreten. Sie hatte sich auf die 1500 Meter vorbereitet. „Aber das Training für die längere Strecke hat mir Kraft gegeben und ich wusste, dass ich über 800 Meter stark sein würde. Deswegen habe ich mich für den Doppelstart entschieden. Ich glaube, ich hätte mich jetzt geärgert, wenn ich es nicht gemacht hätte“, sagte Kelly Holmes, die nun sogar die Chance hat, Doppel-Olympiasiegerin zu werden.

„Sie hat es brillant hinbekommen am Ende. Wer so klug und stark läuft, hat es verdient, Olympiasiegerin zu werden. Das ist ein Sieg, der Großbritannien Aufwind gibt – wir sind stolz“, sagte Ann Packer, die 1964 für die Briten 800-m-Gold gewann, in einem Interview der BBC. Nach dem Drama um Paula Radcliffe geht es den Briten wieder gut.


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