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Hicham El Guerrouj will mehr Gold in Athen

25.08.2004

„Schon als kleines Kind habe ich vom Olympiasieg geträumt – jetzt habe ich mir diesen Traum erfüllt. Und ich bin weiter hungrig – deswegen werde ich auch über 5.000 Meter an den Start gehen“, erklärte Hicham El Guerrouj, nachdem er seine erste olympische Goldmedaille über 1500 Meter in 3:34,18 Minuten gewonnen hatte. „Und es wird dieses Mal nicht so sein wie in Paris bei der WM 2003. Es gibt einen großen Kampf mit den Kenianern.“ Und auch die Äthiopier werden mitmischen, schließlich möchte Kenenisa Bekele ebenfalls Doppel-Olympiasieger werden.

„Vor vier Jahren waren es Tränen der Enttäuschung, heute waren es Tränen der Freude“, erzählte Hicham El Guerrouj, nachdem er sich in Athen seinen Traum erfüllt hatte. Der beste Mittelstreckenläufer des vergangenen Jahrzehnts hat seine erste olympische Goldmedaille gewonnen. Ausgelassen wie nie zuvor feierte der 29-Jährige den wichtigsten Triumph seiner Karriere über 1500 Meter in 3:34,18 Minuten. Eingehüllt in die marokkanische Fahne, lief er die Ehrenrunde, begann plötzlich zu tanzen, und am Ende eichte ihm jemand ein Mobiltelefon. Wer der Gesprächspartner war, kann man nur vermuten. Gut möglich, dass der marokkanische König anrief. Der Monarch hatte ihn unmittelbar nach seinen beiden schmerzlichsten Niederlagen angerufen, um ihn zu trösten. Nun gab es einen Grund zum gratulieren für den König, den Hicham El Guerrouj immer wieder als den wichtigsten Förderer der marokkanischen Leichtathletik bezeichnet hat.

Mit dem 1500-m-Sieg in Athen erfüllte sich Hicham El Guerrouj einen Traum. Zugleich hat damit ein achtjähriger Alptraum für den Marokkaner ein Ende gefunden: 1996 war er als Favorit ins olympische 1500-m-Finale von Atlanta gegangen. Doch dort stolperte er über das Bein seines schärfsten Rivalen, Noureddine Morceli. Der Algerier wurde Olympiasieger, El Guerrouj kam als Zwölfter ins Ziel. Vier Jahre später kam ihm in Sydney ein anderer zuvor: Der Kenianer Noah Ngeny rang Hicham El Guerrouj auf der Zielgeraden im Spurt nieder. Zwischen diesen beiden Olympischen Spielen hatte der Marokkaner seine Strecke dominiert. Von 46 Rennen über 1500 m verlor er nur zwei – die beiden olympischen Finals. So groß war die Enttäuschung nach Sydney, dass der Marokkaner seine Karriere fast beendet hätte. 35 Tage Urlaub reichten damals nicht, um das Trauma zu verarbeiten. „Es war so schwer, dass ich an manchen Tagen gar nicht zum Training gegangen bin.“ Erst nach gut drei Monaten hatte sich Hicham El Guerrouj erholt.

Manches sprach dafür, dass das olympische Drama um Hicham El Guerrouj in Athen seine Fortsetzung finden würde. Denn die Saison hatte nicht gut begonnen für den Läufer, der die Weltrekorde über 1500 Meter (3:26,00 Minuten), die Meile (3:43,13) und 2000 Meter (4:44,79) hält. Beim Golden-League-Meeting in Rom am 2. Juli verlor er nach 30 Siegen in Folge sein erstes Rennen – abgeschlagen wie nie zuvor kam er als Achter über 1500 Meter ins Ziel. „Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, ob ich überhaupt zu den Olympischen Spielen fahren würde“, sagte Hicham El Guerrouj, der in der Saisonvorbereitung unter Allergieproblemen gelitten haben soll.

„Aber alle haben mir Mut gemacht für Olympia. Jetzt hier in Athen gewonnen zu haben – an diesem sporthistorischen Ort, wo 1896 die Spiele stattfanden –, das ist etwas Außergewöhnliches“, sagte Hicham El Guerrouj. Dabei sah es in dem dramatischen Endspurt auf der Zielgeraden so aus, als wenn wieder ein Kenianer, dieses Mal Bernard Lagat, ihm das Gold wegschnappen würde. Lagat hatte ihn 50 Meter vor dem Ziel überholt, doch dann konnte El Guerrouj noch einmal kontern. Mit zwölf Hundertstelsekunden rettete er sich vor Lagat ins Ziel. Der Kenianer hatte seinen Endspurt offenbar etwas zu früh angesetzt. Dadurch konnte er am Ende, nachdem er schon an El Guerrouj vorbei war, das Tempo nicht ganz halten. Dieser kleine Fehler ermöglichte Hicham El Guerrouj die Erfüllung seines Traumes. „Als Bernard Lagat an mir vorbeizog, dachte ich nur: Sydney… Doch dann hatte ich das Gefühl, dass ich noch einmal kontern kann. Und ich danke Gott, dass ich es schaffte“, sagte Hicham El Guerrouj.


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