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Olympia: Kenianer verteidigen Hindernis-Monopol, nachdem der Favorit vorher ausgeschaltet wurde

25.08.2004

Die Kenianer haben bei Olympischen Spielen ihre Monopolstellung im 3000-m-Hindernislauf verteidigt. Seit den Spielen 1984 in Los Angeles hat immer ein Kenianer die Goldmedaille über diese Distanz gewonnen. Mit Hindernis- oder Crossläufen wachsen die Kenianer auf, es ist ihre Disziplin. In Athen gewann Ezekiel Kemboi, der Silbermedaillengewinner der WM von Paris 2003, in 8:05,81 Minuten vor dem erst 19-jährigen Brimin Kipruto und Paul Kipsiele Koech. Zum zweiten Mal in der olympischen Historie schafften es die Kenianer, alle drei Medaillen zu gewinnen. 1992 in Barcelona waren sie ebenfalls zu Gold, Silber und Bronze gerannt.

„Das war gutes Teamwork, wir haben zusammen gearbeitet und zusammen für unser Land alle Medaillen gewonnen“, erklärte Ezekiel Kemboi. Sein Sieg in Athen war der erste für Kenia bei diesen Olympischen Sielen. Und wenn die Ostafrikaner Pech haben, bleibt es allerdings auch der einzige. Denn so dominierend wie teilweise in früheren Jahren sind die kenianischen Langstreckenläufer nicht mehr. Bereits bei den Cross-Weltmeisterschaften im März hatten die erfolgsverwöhnten Kenianer empfindliche Niederlagen gegen die Äthiopier einstecken müssen. Sie seien jetzt aber in der Lage, die Äthiopier in Schach zu halten, hatte Kenias Nationaltrainer Mike Kosgei nach den Olympia-Ausscheidungen in Nairobi vor zwei Monaten verkündet. Im 10.000-m-Finale war davon nichts zu sehen. Die Kenianer spielten keine Rolle und liefen weit weg von den Medaillen ins Ziel.

Und es spricht vieles dafür, dass die Kenianer ihr Hindernis-Monopol bei Olympia nur verteidigen konnten, weil sie zuvor den schärfsten Rivalen über diese Strecke auf andere Weise ausgeschaltet hatten. Der Weltmeister Saif Saaeed Shaheen (Katar) wechselte vor gut einem Jahr die Nationalität. Unter dem Namen Stephen Cherono hatte er sich zuvor zum stärksten kenianischen Hindernisläufer entwickelt. Weil ihm, wie auch anderen ehemaligen kenianischen Läufern, in Katar eine Rente auf Lebenszeit angeboten wurde, wechselte er Namen und Nationalität. Die Rede ist bei Shaheen von 1.000 Dollar pro Monat.

Damit Kenias Leichtathletik-Verband dem Wechsel zustimmte, versprachen die Ölscheichs aus Katar, in einem Talente-Zentrum der kenianischen Läufer den Bau einer modernen 400-m-Bahn zu finanzieren. Bisher können die Kenianer in Eldoret und Iten nur auf Aschenbahnen trainieren. Durch dieses Geschäft war es möglich, dass Saif Saaeed Shaheen im vergangenen Jahr bei der WM für Katar starten durfte und gewann. Doch viele Kenianer reagierten empört. „Es wäre nicht gut für Kenia, wenn dieser Mann gewinnt. Das ist demoralisierend, dass er ausgerechnet kurz vor der WM diesen Wechsel gemacht hat – darüber ärgere ich mich“, hatte Ezekiel Kemboi vor einem Jahr gesagt, bevor er das WM-Finale gegen Shaheen verlor. Joyce Chepchumba, die bei Olympia vor vier Jahren für Kenia Marathon-Bronze gewann, erklärte sogar: „Katar ist ein dreckiges Land.“

Im Gegensatz zu Kenias Leichtathletik-Funktionären blieben die Vertreter des Nationalen Olympischen Komitees hart. Für Olympia gaben die Kenianer Saif Saaeed Shaheen keine Freigabe. Laufen für Katar durfte dagegen Musa Obaid Amer, der früher als Moses Kipchirchir für Kenia rannte. Er bedeutete keine Gefahr für Kenias Gold-Plan und wurde Vierter. So gesehen kamen sogar die ersten vier Läufer des olympischen Hindernis-Finales aus Kenia.


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