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Olympia: Baldini gewinnt Marathon vor Keflezighi, Bronzemedaillengewinner Lima von irischem Priester gestoppt

29.08.2004

Mit einem Überraschungssieg von Stefano Baldini endete der letzte Wettbewerb der Olympischen Spiele von Athen. Allerdings wurde der Marathon, den der Italiener in 2:10:55 Stunden gewann, von einem skandalösen Vorfall geprägt. Ein Zuschauer rannte etwa bei Kilometer 36 auf die Straße und stoppte den zu diesem Zeitpunkt in Führung liegenden Vanderlei Lima. Der Brasilianer konnte allerdings nach kurzer Zeit weiterlaufen und gewann nach 2:12:11 noch die Bronzemedaille. Silber ging überraschend an den US-Amerikaner Mebrahtom Keflezighi, der 2:11:29 lief. Lima hätte aber auch ohne den Vorfall sicher nicht Gold oder Silber gewonnen, denn seine Verfolger liefen in der Endphase des Rennens ein deutlich höheres Tempo als der Brasilianer.

Bei dem Rennen über die klassische Distanz, das wie vor 108 Jahren bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit von Marathon ins Athener Panathinaikon-Stadion führte, hatte sich Vanderlei Lima bereits kurz vor der Halbmarathonmarke, die nach 67:22 Minuten passiert wurde, von der Spitzengruppe abgesetzt. Als Sieger des Hamburg-Marathons 2004 und mit einer Bestzeit von 2:08:31 Stunden galt er jedoch nicht als ein ernster Kandidat für die Goldmedaille. So ließen ihn die Favoriten gewähren. Doch Lima lief im Laufe des Rennens bei Temperaturen von bis zu 30 Grad im Schatten einen großen Vorsprung heraus. Bei Kilometer 30 lag er 46 Sekunden vor seinen Verfolgern.

Doch nun machten sich Baldini, Keflezighi, der Marathon-Weltrekordler Paul Tergat (Kenia), der später Zehnter wurde, und der Weltmeister Jaouad Gharib (Marokko) an die Verfolgung. Sie hatten bis dahin Kräfte gespart und liefen nun deutlich schneller als Lima. Der Vorsprung des 35-Jährigen schmolz. Bei 35 Kilometern waren es nur noch 29 Sekunden. Kurz danach stürmte der bunt gekleidete Zuschauer auf die Strecke. „Plötzlich tauchte er vor mir auf, drängte mich zum Streckenrand und hielt mich fest“, erzählte Vanderlei Lima später im Ziel. Zuschauer befreiten den Brasilianer aus der Umklammerung, so dass er ohne Verletzungsfolgen weiterlaufen konnte.

„Wer weiß, vielleicht hätte ich ohne diesen Vorfall gewinnen können. Das hat mich sehr behindert. Ich hatte Angst, denn ich wusste nicht, was er mit mir macht. Es war dann schwer, den Laufrhythmus wieder zu finden“, sagte Vanderlei Lima. Aufgehalten wurde der Brasilianer bei diesem Vorfall rund zehn Sekunden. Am Ende erreichte er 1:16 Minuten hinter dem Sieger Baldini und immer noch 42 Sekunden hinter dem zweitplatzierten US-Amerikaner Keflezighi das Ziel. Tragisch wäre gewesen, wenn er aufgrund des Angriffs eine Medaille um wenige Sekunden verpasst hätte. So aber lief Vanderlei Lima jubelnd in das Panathinaikon-Stadion von Athen und feierte seine Bronzemedaille. „Ich bin wirklich froh über diese Bronzemedaille“, erklärte Lima.

Der internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) hatte sich kurz nach dem Ende des Marathons in einer Sitzung mit dem Fall befasst. Später gab dann das Internationale Olympische Komitee (IOC) bekannt, dass Vanderlei Lima zusätzlich zur Bronzemedaille noch eine Ehrenmedaille des IOC erhalten wird.

Lima wird nun ebenso in die mit vielen Anekdoten gespickte olympische Marathon-Geschichte eingehen wie der italienische Sieger. „Es ist eine fantastische Geschichte, hier den Marathon gewonnen zu haben. Denn das Panathinaikon-Stadion, das ist die Heimat des Marathonlaufes“, erklärte Stefano Baldini, der dem zweitplatzierten US-Amerikaner die höchste Prämie in seinem Leben verwehrte. Denn die Marathonrennen von Chicago und New York hatten für einen US-Marathonsieg in Athen 500.000 Dollar ausgelobt. 35 Sekunden fehlten Mebrahtom Keflezighi dafür am Ende.

Einige englische Journalisten waren sich gestern Abend in Athen sicher, dass es sich bei dem Mann, der Lima stoppte, um einen irischen Priester handelte, der schon mindestens zweimal zuvor für ähnliche Vorfälle gesorgt haben soll. Wie es heißt, war es dieser Mann, der im vergangenen Jahr bereits im englischen Silverstone während eines Formel-1-Rennens auf die Strecke gelaufen sei und das Rennen damit unterbrochen hatte. Außerdem habe er auf diese Art und Weise ein Pferderennen in Irland gestoppt.


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