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Olympische Legenden: Hicham El Guerrouj und Kelly Holmes

29.08.2004

Die Geburt zweier olympischer Leichtathletik-Legenden dauerte nur rund 20 Minuten. Zunächst gewann Kelly Holmes nach den 800 Metern auch das 1.500-m-Finale, dann fügte Hicham El Guerrouj seinem 1.500-m-Gold noch den Sieg über 5.000 Meter hinzu. Beide sicherten sich mit diesen außergewöhnlichen Doppelsiegen ihren besonderen Platz in der Geschichte der olympischen Leichtathletik. Zugleich sind sie die beiden einzigen Athleten, die in Athen zwei Einzeldisziplinen gewannen.

Als einer der großen olympischen Pechvögel war der Marokkaner Hicham El Guerrouj nach Athen gereist. Zurück kehrt er nun mit einem Medaillen-Doppel, das vor ihm nur ein einziger Läufer bei Olympia geschafft hatte: Paavo Nurmi. Der legendäre Finne wurde 1924 Doppel-Olympiasieger über 1.500 und 5.000 Meter. Ein anderer Rekord von Nurmi bleibt dagegen unerreicht. Zwölf olympische Medaillen, darunter neun goldene, hat noch kein anderer Leichtathlet gewonnen.

„Als ich heute in das Olympiastadion kam, habe ich zu mir selbst gesprochen und an Paavo Nurmi gedacht. Ich sagte mir, das ist ein großer Tag für mich. Wenn du das schaffen willst, was Nurmi schaffte, dann mache es“, erzählte Hicham El Guerrouj. Das lange Zeit verhaltene Tempo des 5.000-m-Rennens kam Hicham El Guerrouj entgegen. Er hatte sich an die Fersen des Favoriten Kenenisa Bekele geheftet. Auch das Ziel des Ähtiopiers war eine olympische Ausnahmeleistung. Bekele wollte als erster Läufer nach seinem Landsmann Miruts Yifter das olympische Doppel über 5.000 und 10.000 Meter gewinnen. Doch am Ende blieb dem Äthiopier, der die Weltrekorde über beide Distanzen hält, ,nur’ Silber über die 5.000 m. Denn nachdem er 200 Meter vor dem Ziel die Führung übernommen hatte und gegen den Kenianer Eliud Kipchoge kämpfte, überholte ihn auf den letzten 50 Metern Hicham El Guerrouj.

Der Marokkaner, der nach der zweiten olympischen Enttäuschung im 1.500-m-Finale von Sydney – er wurde im Spurt geschlagen vom Kenianer Noah Ngeny – derart enttäuscht war, dass er fast seine Karriere beendet hätte, erklärte nun: „Vor vier Jahren habe ich geweint wie ein Kind, heute freue ich mich wie ein Kind.“ Das erste Aufeinandertreffen zwischen Hicham El Guerrouj und Kenenisa Bekele in Athen könnte im nächsten Jahr seine Fortsetzung finden. Denn der Marokkaner, der die Weltrekorde über 1.500 Meter, die Meile und 2.000 Meter hält, sucht neue Herausforderungen. „Ich möchte den 5.000-Meter-Weltrekord brechen. Und vielleicht laufe ich bei der WM im nächsten Jahr über 10.000 Meter gegen Bekele.“

An die Zukunft dachte Kelly Holmes erst einmal nicht. Die Britin hatte genug damit zu tun, zu begreifen, was in Athen passiert war. Weder bei Olympia noch bei einer WM oder einer EM hatte die 34-Jährige bisher eine Goldmedaille gewonnen. Lediglich bei den Commonwealth Games waren ihr zwei 1.500-m-Siege gelungen. Nun schrieb auch sie ein Stück olympische Leichtathletik-Geschichte. Die Britin ist die dritte Läuferin, der der Doppeltriumph über die beiden Mittelstrecken gelang. Tatjana Kazankina (UdSSR) hatte dies 1976 in Montreal geschafft, Swetlana Masterkowa (Russland) 1996 in Atlanta. Kelly Holmes war ein taktisch perfektes Rennen gelaufen und in der letzten Runde von Platz acht zum Gold gestürmt.

Aufgrund ihres Alters hat sie ihre allerletzte olympische Chance genutzt. Wie groß diese Sensation beweisen auch die Quoten der englischen Buchmacher. Laut BBC standen diese für eine Wette auf einen Doppelsieg von Holmes bei 100 – 1. „In Worten kann ich nicht ausdrücken, wie ich mich fühle. Der 800-m-Sieg war wie ein Schock und das heute ist einfach der komplette Wahnsinn“, sagte Kelly Holmes.

„Sie kann beide Strecken gewinnen, wenn sie es schafft, die Konzentration zu behalten“, hatte Großbritanniens Mittelstrecken-Legende Sebastian Coe vor dem Finale prophezeit. Weder er noch sein großer Rivale Steve Ovett schafften in den 80er Jahren einen derartigen olympischen Triumph. „Was Kelly hier geleistet hat, ist phänomenal“, sagte Sebastian Coe.


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