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Richthofen: Sensationelle Ergebnisse, aber auch Totalausfälle

Nach ATHEN: Grundlegende Gedanken über Zahl der Stützpunkte und Kadergrößen

01.09.2004

Richthofen: Bei Olympia eine Reihe von sensationellen Ergebnissen, aber auch Totalausfälle - Grundlegende Gedanken über Zahl der Stützpunkte und Kadergrößen

Der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, zieht im Gespräch mit der dsb-website ein zufriedenes Fazit der Olympischen Spiele in Athen.

DSB PRESSE: Wie fällt Ihr allgemeines Fazit der Olympischen Spiele aus, die am Sonntag in Athen zu Ende gegangen sind?
MANFRED VON RICHTHOFEN: “Wie ich es erlebt habe, war Olympia in Athen von der Atmosphäre her ein wirkliches Erlebnis. Die Organisatoren haben eine prächtige Verbindung zwischen der Antike und der Neuzeit geschaffen. Athen ist zudem ein Stadt mit viel Flair, die die Sportler wirklich genießen konnten. Die Schwarzseher, die im Vorfeld den Sportstätten die Eignung für Olympische Spiele absprechen wollten, haben völlig falsch gelegen.
Lediglich in der Zuschauergunst haben diese Spiele nicht die Resonanz von Sydney und auch Barcelona erreicht. Alle erfahrenen Olympioniken sagen aber, dass Sydney und Barcelona in der Anteilnahme der Menschen in naher Zukunft kaum zu übertreffen sein werden. Da waren die Menschen in Athen wohl ein wenig distanzierter.”

DSB PRESSE: Und aus deutscher Sicht?
RICHTHOFEN: “In der deutschen Mannschaft hatten wir eine Reihe von sensationellen Ergebnissen, die in dieser Form nicht vorhergesagt wurden, aber auch deutliche Ausfälle. Als sensationell stufe ich das Abschneiden der Kanuten ein, mit der überragenden deutschen Athletin Birgit Fischer an der Spitze, herausragend auch die deutschen Reiter.
Ein gutes bis beachtliches Auftreten können wir den Ruderern, den gut erholten Schützen sowie den kleinen Teams der Boxer, der Trampolinturner und der Turner bescheinigen. Wider Erwarten haben sich die Radsportler trotz der internen Querelen im Vorfeld gut geschlagen, gerade auf der Bahn.

Ein Totalausfall waren dagegen die Segler und Defizite gab es bei der Leichtathletik, den Fechtern, den Ringern, Gewichthebern und den Schwimmern.
Wir gehören bei diesen beiden letzteren Sportarten nicht mehr zur absoluten Weltspitze, wobei die Schwimmer noch besser waren als die Leichtathletik. Ausnehmen möchte ich die Wasserballer, denn der fünfte Rang ist beachtlich. Zufrieden bin ich auch mit dem guten Abschneiden der Spielsportarten, allen voran die Hockey-Damen als überraschende Olympiasiegerinnen, aber auch die Hockey-Herren, die Fußballerinnen und die Handballer. Beim Volleyball gibt es gute Ansätze, aber noch nicht den Durchbruch.”

DSB PRESSE: Rang drei in der Nationen-Wertung war als Ziel genannt worden. Nun ist es Platz sechs geworden. Wie kam es dazu?
RICHTHOFEN: “Platz drei war eine Zielvorgabe der Fachleute, der sich das DSB-Präsidium angeschlossen hat, aber es war eben nur eine Zielvorgabe. In dieser Vorgabe sind eine Reihe von Fehlrechnungen enthalten gewesen. Wir müssen einfach registrieren, dass die Chinesen schon jetzt stärker sind als wir es gedacht haben. In Peking wird das noch mehr der Fall sein. Australien, Japan und Frankreich haben glänzend abgeschnitten. Aus meiner Sicht müssen wir jetzt erst einmal darauf achten, dass wir die beste europäische Nation werden.”

DSB PRESSE: Wie geht es jetzt weiter mit dem deutschen Leistungssport in den Sommersportarten?
RICHTHOFEN: “Zunächst steht die Analyse durch die Fachleute aus dem hauptamtlichen Bereich Leistungssport an. Dann werden wir eine Menge Gespräche mit der Politik führen, beim Bund mit dem Innenministerium und dem Verteidigungsministerium sowie auf der Länderebene mit den dortigen Sportministern für die Nachwuchsförderung.

Gegebenenfalls werden die Gespräche zu Veränderungen in den Strukturen und in den Trainingsprozessen führen müssen. Im Grundsatz heißt das: Brauchen wir soviel Bundesstützpunkte wie bisher und müssen die Kaderzahlen so groß sein?
In der Leichtathletik muss genauso grundlegend überlegt werden, denn ein Großteil unserer Olympiamannschaft bestand aus Leichtathleten.”

Der DSB um seinen Präsident Manfred von Richthofen wird sich nun auch mit Bundesinnenminister Otto Schily an einen Tisch setzen, um die weitere Zukunft des Spitzensports zu beraten.

DSB PRESSE: Gibt es darüber hinaus noch weitere strukturelle Gedanken, die der Sport anstellen sollte?
RICHTHOFEN: “Als Sport müssen wir uns schon Gedanken machen, ob wir in wichtigen Bereichen nicht mit einer Stimme sprechen müssen, gegenüber der Politik, gegenüber der Wirtschaft. Ich trete für einen einzigen Dachverband im Sport ein.”

Quelle: www.dsb.de


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