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ISTAF in Berlin: Gute Werbung für die WM-Bewerbung, doch sportlich noch nicht wieder top

12.09.2004

Die größte Leistung beim 63. ISTAF war eine Symbolische. Nach zwei Jahren im Jahn-Sportpark gelang es dem Organisatorenteam um Gerhard Janetzky, die Zuschauer wieder zurück zu gewinnen. Kaum 15.000 waren es im vergangenen Jahr, nun kamen laut offiziellen Angaben 61.155 Besucher zu dem letzten Meeting der Golden-League-Serie des internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF. Selbst wenn es vielleicht ein paar tausend weniger waren, weil offensichtlich nicht alle Ticketbesitzer auch tatsächlich ins Stadion gekommen waren – so viele waren es beim ISTAF seit 1993 nicht mehr. Und das bedeutet eine zweifelsohne sehr starke Unterstützung für die Bewerbung Berlins um die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009. Wenn die IAAF am 4. und 5. Dezember in Helsinki die Entscheidung trifft, gilt die deutsche Hauptstadt als Favorit. Was die Zuschauerzahl anging, hat das ISTAF angeknüpft an die großen Meetings in den 90er Jahren. In sportlicher Hinsicht gelang das allerdings noch nicht.

Einer der Höhepunkte war der Kampf um den Jackpot der Golden League. Die beiden nach fünf der sechs Meetings verbliebenen Kandidaten setzten sich schließlich auch gestern im Olympiastadion durch und teilen sich nun den mit einer Million Dollar dotierten Jackpot. Voraussetzung ist allerdings für den Dreispringer Christian Olsson (Schweden) und die 400-m-Läuferin Tonique Williams-Darling (Bahamas), dass sie auch am nächsten Wochenende beim World Athletics Final in Monte Carlo antreten. Dort ist aber kein Sieg mehr nötig, um den Jackpot zu gewinnen.

Bei aufgrund von Windböen schwierigen Bedingungen patzte Christian Olsson beim ersten Versuch, doch im zweiten Sprung setzte er mit 17,45 m ein Maß, an das keiner seiner Konkurrenten noch herankommen sollte. Der Olympiasieger – einer von gut einem Dutzend, die beim ISTAF am Start waren – ist damit der erste Schwede, der den Golden-League-Jackpot gewann. Auch aus den Bahamas gab es bisher keinen, der den Jackpot knackte. Olympiasiegerin Tonique Williams-Darling gelang dies nun über 400 m. In der dramatischsten Entscheidung des Tages war eine Weltklassezeit von 49,07 Sekunden nötig, um auf der Zielgeraden den Angriff der Weltmeisterin Ana Guevara (Mexiko) abzuwehren. Das Ergebnis von Tonique Williams-Darling macht sie zur zehntschnellsten 400-m-Läuferin aller Zeiten. Die 49,07 Sekunden waren zugleich die einzige Jahresweltbestmarke und der einzige ISTAF-Rekord des Tages. An einen Weltrekord war gestern aber ohnehin nicht zu denken.

Die Lauf-Wettbewerbe, in früheren Jahren immer wieder spektakuläre Höhepunkte beim ISTAF, konnten nicht für Begeisterung sorgen. Wenigstens spannend war das 1.500-m-Duell zwischen der Doppel-Olympiasiegerin Kelly Holmes (Großbritannien) und der Tatjana Tomaschowa, das dieses Mal die Russin in 4:04,41 Minuten mit acht Hundertstelsekunden vor der Britin gewann. Über 5.000 Meter der Frauen meldete sich Berhane Adere (Äthiopien) in 14:58,89 Minuten zurück, nachdem sie vor Olympia angeblich mangels Form aus dem äthiopischen Kader aussortiert worden war. Edith Masai (Kenia/14:59,11) und Isabellah Ochichi (Kenia/14:59,69) belegten die nächsten Plätze.

Einen Jugend-Weltbestzeit gab es über 5.000 Meter der Männer. Der 17-jährige Kenianer Augustine Kiprono Choge siegte in 12:57,01 Minuten. Nie zuvor war ein unter 18-jähriger Läufer diese Strecke in unter 13 Minuten gelaufen. Knapp setzte er sich im Spurt gegen Mulugeta Wendimu (Äthiopien/12:57,05) durch. Mushir Salim Jawher (Bahrain) belegte Rang drei in 13:00,40 Minuten. Über die Mittelstrecken der Männer siegten Youssef Saad Kamel (Bahrein) über 800 m in 1:45,07 Minuten und Paul Korir (Kenia), der über 1500 m 3:32,46 lief.

Hochklassig waren auch der Hürdensprint-Sieg der Olympiasiegerin Joanna Hayes. Die US-Amerikanerin erreichte mit 12,46 Sekunden über 100 m Hürden die zweitschnellste Zeit in der ISTAF-Geschichte. Nur die bulgarische Weltrekordlerin Yordanka Donkova (13,21 Sekunden) war 1986 im Olympiastadion schneller mit 12,37. Auch bei den Männern gehörte die Hürdensprint-Siegzeit zu den hochklassigsten Leistungen des ISTAF. Allen Johnson (USA) siegte in 13,16 Sekunden. „Es ist schade, dass Liu Xiang hier nicht dabei war – ich wäre gerne gegen ihn gelaufen“, erklärte Johnson, der in Athen im Zwischenlauf gestürzt war, während der Chinese Olympiasieger wurde.

Den Stabhochsprung gewann der Olympiasieger Tim Mack (USA) mit 5,80 m. Er versuchte sich später erfolglos an 6,00 Metern. Die Situation der deutschen Leichtathletik spiegelte sich währenddessen auch beim ISTAF wieder: Es gab keinen Sieg eines deutschen Athleten. Wie in Athen bei Olympia belegten Speerwerferin Steffi Nerius (Bayer Leverkusen/65,60 m) und Kugelstoßerin Nadine Kleinert (SC Magdeburg/18,52 m) auch beim ISTAF zweite Plätze.

Für Heike Drechsler (LG Karlsruhe) war es der voraussichtlich letzte Start in Deutschland. Die zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin, die zu den größten deutschen Leichtathleten der Geschichte zählt, wird im Alter von 39 Jahren ihre Karriere beenden. Der Abschied beim ISTAF misslang allerdings, denn Heike Drechsler kam nach einer langen Verletzungspause nicht über 5,92 Meter hinaus und wurde damit Neunte und Letzte des Feldes.

Schließlich, ganz am Ende des Meetings, wurde noch ein anderer erfolgreicher deutscher Leichtathlet verabschiedet: Frank Busemann (LGO Dortmund) hatte im vergangenen Jahr seine Karriere beendet und lief nun ein offizielles Abschiedrennen über 1.500 Meter der Zehnkämpfer. Das war ein netter emotionaler Abschluss für die Zuschauer bei einer insgesamt erfolgreichen Rückkehr des ISTAF in das Berliner Olympiastadion. Nur eines werden traditionelle ISTAF-Besucher gestern vermisst haben. Die besondere Stimmung eines Abend-Sportfestes wie in früheren Jahren hat das wichtigste deutsche Leichtathletik-Meeting, das inzwischen am Nachmittag stattfindet, nicht mehr. Das Fernsehen zwingt die Veranstalter zu diesem Termin – schade.


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