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ISTAF in Berlin mit Großbritanniens neuem Sportstar: Kelly Holmes

12.09.2004

Vor den Olympischen Spielen von Athen redete man in England nur von einer Athletin, wenn es um einen möglichen Olympiasieg in der Leichtathletik ging: Paula Radcliffe. Im Marathon galt Großbritanniens Sportlerin des Jahres als fast unschlagbar. Doch nach einer Woche Leichtathletik in Athen war alles anders. Die Briten hatten einen neuen Superstar: Kelly Holmes. Am Sonntag stieg Paula Radcliffe entkräftet und in Tränen aus dem Marathon aus, am Montag wurde Kelly Holmes sensationell Olympiasiegerin über 800 Meter. Vier Tage später versuchte sich Radcliffe erneut erfolglos über 10.000 m. Auch dieses Rennen beendete sie nicht. Doch Tags darauf stürmte Kelly Holmes zum zweiten Olympiagold über 1500 Meter.

Beim ISTAF wird Kelly Holmes nun am Sonntag im letzten Wettbewerb des Hauptprogramms ihr erstes Rennen seit den Olympischen Spielen laufen. Die 34-Jährige startet über 1.500 Meter. „Ich fühle mich nicht unter Druck, ich habe nichts zu beweisen. Ich gehe locker in das Rennen und denke, dass ich gut laufen werde“, erklärte Kelly Holmes gegenüber englischen Medien, bevor sie nach Berlin reiste. Ursprünglich hatten auch die Meetings in Brüssel und Rieti in der vergangenen Woche auf ihrem Wettkampfplan gestanden, doch Feierlichkeiten, Ehrungen und Interviews nahmen in England kein Ende. Kelly Holmes musste ihren ersten Start nach Athen verschieben.

Als die frühere Volleyballspielerin und Judokämpferin aus Griechenland nach Hause zurückkehrte, wurde sie empfangen fast wie Fußball-Weltmeister. Ein offener Doppeldecker-Bus fuhr Kelly Holmes durch die kleine Stadt Tonbridge südöstlich von London. Die Fahrt wurde zum Triumphzug, 80.000 Menschen jubelten ihr zu. Es heißt, in der Stadt sei niemand mehr zu Hause gewesen – alle wollten die Kelly-Holmes-Parade erleben. Fotos zeigen unglaubliche Szenen, gemessen daran, dass es eben keine Fußball-WM war, die England gewonnen hatte. Kelly Holmes ist zurzeit der Sportstar in Großbritannien schlechthin. Kein Fußball-, Cricket- oder Rugbyspieler ist derart populär und gefragt. Nicht Paula Radcliffe sondern Kelly Holmes tritt nun in Talkshows auf und füllt die Sportseiten

Vor Athen war Kelly Holmes kein Siegertyp. Immer, wenn es so aussah als ob sie eine Chance hätte, eine große Goldmedaille zu gewinnen, war etwas dazwischen gekommen. Erst vor einem halben Jahr war die Mittelstreckenläuferin als Favoritin bei den Hallen-Weltmeisterschaften an den Start gegangen. Doch im 1.500-m-Finale stürzte sie. Schon vor sieben Jahren, bei der WM in Athen, galt Kelly Holmes als Favoritin. Doch eine Verletzung stoppte sie im Vorlauf. Einen globalen Titel hatte Kelly Holmes vor Olympia nie zuvor gewonnen. Die größten Erfolge waren die Siege bei den Commonwealth Games 1994 und 2002. Nun gelang ihr ein olympischer Doppeltriumph, den nicht einmal ihr großes Vorbild Sebastian Coe geschafft hatte.

„Ich habe immer vom Gold geträumt, seit ich zwölf Jahre alt war – aber immer ging irgendetwas schief. Und ich dachte, dass auch dieses Mal irgendetwas dazwischen kommen würde“, erklärte Kelly Holmes, die vor zwei Jahren zu Trainer Margo Jennings wechselte. Seitdem trainiert sie gemeinsam mit ihrer schärfsten Konkurrentin über 800 Meter, Maria Mutola (Mozambique). Das war offenbar der entscheidende Schritt zum Erfolg.


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