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Yoko Shibui – Japans Starläuferin geht beim real,- BERLIN-MARATHON auf Rekordjagd

Bei der Rubrik Hobbies hatte Yoko Shibui angegeben: Schlafen.

23.09.2004

Yoko Shibui war nicht zu sehen. Nach einem Interview mit dem japanischen Fernsehsender Fuji-TV hatte sie sich im Saal, in dem die Pressekonferenzen des real,- BERLIN-MARATHON stattfinden, auf eine Stuhlreihe gelegt. Immerhin, eingeschlafen ist sie in der kurzen Interviewpause nicht. Mark Milde hätte dies nicht einmal überraschen können.

Wenn der Race-Director Topathleten für den real,- BERLIN-MARATHON verpflichtet, wird ein Fragebogen mitgeschickt, um möglichst individuellen Wünschen der Läufer gerecht werden zu können. Bei der Rubrik Hobbies hatte Yoko Shibui angegeben: Schlafen.

In der Regel nicht mehr als sechs Stunden“
Besonders intensiv betreibt Yoko Shibui ihr Hobby allerdings nicht. „Ich schlafe in der Regel nicht mehr als sechs Stunden“, antwortet sie auf die entsprechende Frage. Am Sonntag wird sie hellwach sein. Denn dann startet Yoko Shibui als große Favoritin beim real,- BERLIN-MARATHON. Sie soll nicht nur für sich selbst gewinnen sondern auch für Japan. Es gilt für Nippons Frauen eine Siegserie fortzusetzen. Seit dem Jahr 2000 war die erste Läuferin im Ziel stets eine Japanerin. Höhepunkt war dabei der Weltrekord von Naoko Takahashi, die 2001 als erste Frau unter 2:20 Stunden lief (2:19:46).

Inzwischen steht der Weltrekord der Britin Paula Radcliffe bereits bei 2:15:25 Stunden. Doch der Respekt gegenüber der schnellen Berliner Strecke – in Berlin wurden in den letzten sechs Jahren gleich vier Weltrekorde aufgestellt – ist groß bei den Organisatoren anderer Marathonrennen.

Als der frühere Race-Director Horst Milde kürzlich den Chef des London-Marathons, Nick Bitel, traf, gab dieser ihm noch mit auf den Weg, doch bitte am Sonntag den Frauen-Weltrekord nicht zu brechen. Paula Radcliffe lief diesen nämlich in London. Und die Londoner hatten im vergangenen Jahr bereits ihren Männer-Weltrekord and die Berliner verloren.

In China im Höhentraining
Eine Zeit im Bereich von Paula Radcliffe ist am Sonntag jedoch auch für Yoko Shibui außer Reichweite. Dennoch, sie weiß, warum sie sich den rreal,- BERLIN-MARATHON und nicht das Rennen in Chicago, wo sie in zwei Wochen sicherlich mehr Geld hätte verdienen können, ausgesucht hat. „Es ist ein flacher und einfach zu laufender Kurs – ich hoffe, dass ich eine sehr gute Zeit laufen kann“, erklärte Yoko Shibui, die sich in China im Höhentraining für den real,- BERLIN-MARATHON vorbereitete.
Das Ziel der 25-Jährigen ist zumindest der Streckenrekord ihrer Landsfrau Naoko Takahashi, der zugleich auch Landesrekord bedeuten würde. Und noch eine prestigeträchtige Marke ist nur wenige Sekunden weit weg. Im vergangenen Jahr verloren die Japanerinnen den Asienrekord an die Chinesin Yingjie Sun (2:19:39).

Nicht in die Bereiche von Paula Radcliffe
„Es wäre toll und es ist durchaus möglich, dass Yoko Shibui am Sonntag in Berlin Rekord läuft“, erklärt ihr Trainer Hideo Suzuki und fügt hinzu: „Aber in die Bereiche von Paula Radcliffe kann sie zurzeit noch nicht vordringen – vielleicht gelingt ihr das in einigen Jahren, wenn sie weiter konzentriert und problemlos trainieren kann.“

Noch hat Yoko Shibui, die hinter Takahashi und der Olympiasiegerin von Athen, Mizuki Noguchi, die drittschnellste japanische Marathonläuferin ist, eine Bestzeit von 2:21:22 Stunden. Dieses Ergebnis erzielte sie als Dritte beim Chicago-Marathon 2002, nachdem sie bereits vor vier Jahren ihr Debüt in Osaka in 2:23:11 gewonnen hatte – es war damals die schnellste Marathon-Premiere einer Frau aller Zeiten.

In Japan mehr Menschen vor dem Fernseher als in Deutschland
So berühmt wie Naoko Takahashi, die 2000 in Sydney Olympiasiegerin wurde, oder Mizuki Noguchi ist Yoko Shibui im laufsport-verrückten Japan allerdings nicht. „Noch bin ich eine ganz normale Person in Japan. Wenn ich aber in Berlin am Sonntag unter 2:20 Stunden renne, dann könnte sich das ändern.“ In ihrer Heimat werden voraussichtlich mehr Menschen vor dem Fernseher den real,- BERLIN-MARATHON verfolgen als in Deutschland. Der Lauf wird zum wiederholten Male von Fuji TV live zu einer Top-Sendezeit am frühen Abend übertragen. Ob sie den real,- BERLIN-MARATHON selbst schon einmal in Japan im Fernsehen gesehen hat? „Ja, im vergangenen Jahr – allerdings bin ich dabei eingeschlafen“, erklärte Shibui und fügte hinzu: „Also vielleicht schlafe ich doch etwas mehr als sechs Stunden am Tag.“

Akribische Vorbereitungen
Die Vorbereitung für den real,- BERLIN-MARATHON ist noch in den letzten Tagen akribisch. Vor einigen Tagen lief ein Japaner mit einer Art Handrad durch den Tiergarten. Es war Shibuis Trainer Hideo Suzuki, der Trainingsstrecken für seine Athletin genau vermaß. Irgendwann landete er auf der John-Foster-Dulles-Allee im Gegenverkehr und es kam ein Bus. Doch Suzuki wich nicht aus. Der Bus musste einen Bogen um ihn machen.


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