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Weltklasseleistungen am laufenden Band

26.09.2004

Mit Felix Limo gewinnt zum sechsten Male in Folge ein Kenia-Läufer beim real,- Berlin Marathon – Yoko Shibui läuft mit 2:19:41 als fünfte Läuferin unter 2:20 Stunden und Jahresweltbestzeit – Zugleich unterbietet die 2004er Siegerin auch Naoko Takahashis Streckenrekord – Sonja Oberem verabschiedet sich vom Leistungssport als Dritte mit DLV-Jahresbestzeit

Trotz regennasser Straße sorgte mit Felix Limo ein weiterer Kenianer mit 2:06:44 Stunden für eine Weltklassezeit auf den Straßen Berlins. Das Wimpernschlagfinale des Vorjahres, als Paul Tergat bei seinem Weltrekordlauf seinen hartnäckigen Verfolger Sammy Korir nur knapp in Schach halten konnte, wiederholte sich dieses Mal vor wiederum einer Million Zuschauer am Streckenrand nicht, denn der Favorit Felix Limo schüttelte nach 40 km seinen überraschend starken Wegbegleiter Joseph Riri und hielt mit Joshua Chelanga einen weiteren hoch gehandelten Landsmann auf Distanz. Der eigentliche Plan des Jahresweltbesten Limo, an gleicher Stelle den Weltrekord von Paul Tergat von 2:04:55 aus dem Vorjahr zu überbieten, ging allerdings nicht auf, weil das Rennen bei Nieselregen und pfützenübersäter Straßen zu unrhythmisch war und man vor allem nach der Streckenhälfte rasch einen stetig wachsenden Rückstand auf die Weltrekordzwischenzeiten des Vorjahres hatte. Mit 2:06:44 lief der Rotterdam-Sieger aber auch in Berlin eine absolute Weltklassezeit, die weltweit die drittschnellste der Saison überhaupt bedeutet. Newcomer Joseph Riri steigerte sich als Zweiter um fast zehn Minuten auf 2:06:49 Stunden, sein drittplatzierter Landsmann Joshua Chelanga um drei Minuten auf 2:07:05, womit der Zweite und Dritte von Berlin weltweit auf den Rängen drei fünf der Jahresbestenliste weltweit eingereit sind.

Auf gleichem Niveau wie Felix Limo präsentierte sich die Frauensiegerin Yoko Shibui. Die 25jährige Favoritin ließ von Beginn an keinen Zweifel an ihrem Vorhaben, den japanischen Rekord und zugleich zeitweiligen Weltrekord und Berliner Streckenbestzeit von Naoko Takahashi (2:19:46) ebenso zu unterbieten wie auch den Asienrekord der Chinesin Yingjie Sun (2:19:39). In einem großartigen Rennen musste die knapp an der Olympiateilnahme gescheiterte Yoko Shibui bei ihrer Siegeszeit von 2:19:41 lediglich den Asienrekord auf einen späteren Zeitpunkt verschieben und unterbot mit der Jahresweltbestzeit zudem als vierte Läuferin die begehrte 2:20-Stunden-Marke.

Bundesinnenminister Schily begeistert

Als für Sport zuständige Bundesminister zeigte sich Otto Schily im Zielbereich am Brandenburger Tor begeistert von der 31. Auflage des Berlin-Marathons und zugleich als ausgewiesener Fachmann der Marathonszene. „Mit 50 000 Teilnehmern in allen Wettbewerben, darunter über 35 000 Marathonläufer ist der real,- Berlin Marathon gleichauf mit New York weltweit an der Spitze. So ein wunderbares Ereignis besucht man gerne als Sportminister!“

Sonja Oberem verabschiedet sich mit DLV-Jahresbestzeit

Wie auch bei den Männern gab es auch für die Zweite Hiromi Ominami mit 2:23:26 Stunden eine Weltklassezeit. Und äußerst erfreulich: Auf Rang drei platzierte sich mit Sonja Oberem eine deutsche Läuferin, die mit 2:26:53 zwar vierzig Sekunden über ihrem Hausrekord blieb, aber trotz der für sie ungünstigen Bedingungen eindrucksvoll bewies, dass die Sportfunktionäre sie zu Unrecht nicht für Olympia nominiert hatte. Dennoch wiederholte sie direkt im Zieleinlauf ihren Vorsatz, mit diesem Rennen vom Hochleistungssport zurück treten zu wollen. „Bei einer derartigen Zeit darf man nicht enttäuscht sein. Ich bin wirklich zufrieden. In der Tat, es war heute mein letztes Marathonrennen. Ich denke, dass man wissen muss, wann man seinen Abschied gibt!“ Der DLV verliert mit Sonja Oberem gewiss die derzeit zuverlässigste deutsche Marathonläuferin, denn „so nebenbei“ bedeuteten die 2:26:53 der Leverkusenerin auch eine neue deutsche Jahresbestzeit.

Abschied auch für Kathrin Weßel

Abschied nehmen heißt es nicht nur aus deutscher Sicht von Sonja Oberem, sondern auch von Kathrin Weßel, die zum Abschluss ihrer langen und erfolgreichen Karriere „einen Lauf zum genießen“ durch ihre Heimatstadt unternahm und als Elfte mit 2:38:24 finishte. Nicht ganz die Erwartungen hingegen konnte die 22jährige Romy Spitzmüller aus Leipzig erfüllen, die mit 2:34:44 Stunden gut zwei Minuten über ihrer Bestzeit blieb, aber eine der (wenigen) deutschen Hoffnungen im Laufbereich für die Zukunft gilt.

Wilfried Raatz


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