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Paul Kirui und Sun Yingjie gewinnen IAAF Halbmarathon WM-Titel

45. Platz für den einzigen DLV-Starter Oliver Dietz

03.10.2004

Kenianische Männer und Äthiopiens Frauen bei den Teams voraus - Halbmarathon-WM in Neu-Delhi – 64 Nationen am Start – 45. Platz für den einzigen DLV-Starter Oliver Dietz

Der neue Weltmeister Paul Kirui gewann auch den 24. Bewag BERLINER HALBMARATHON von SCC-RUNNING am 4. April 2004 in 1:00:40

Paul Kirui und Sun Yingije

Kenias Paul Kirui (Bild re. bei seinem Sieg beim 24. Bewag BERLINER HALBMARATHON) und die Chinesin Sun Yingije sind die Gewinner der Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Neu-Delhli. Paul Kirui setzte sich dabei in 1:02:15 Stunden gegen Fabiano Joseph aus Tansania und den für Qatar startenden früheren Kenianer Abdullah-Ahmad Hassan deutlich durch, während sich die Asien-Marathonrekordlerin Sun Yingije in 1:08:40 Stunden ähnlich souverän gegen die Kenianerin Lydia Cheromei und Constantina Tomescu-Dita aus Rumänien zu behaupten wusste.

Rekordbeteiligung von 64 Nationen
Mit der Rekordbeteiligung von 64 Nationen wurde in Indiens 11-Millionen-Metropole Neu-Delhi die 13. Auflage der IAAF-Halbmarathon-Weltmeisterschaften erstmals auf asiatischem Boden gestartet, im Ziel im Jawaharal Nehru Stadium allerdings nur 84 Männer und 58 Frauen und 12 Männer- bzw. 8 Frauenteams in der Gesamtwertung. Nicht nur hinsichtlich der Beteiligung eine ernüchternde Bilanz, denn bis auf wenige Ausnahmen fehlten die großen Namen der internationalen Laufszene, sondern auch was das Leistungsniveau angeht blieben die Resultate deutlich hinter den Erwartungen zurück.

40 000 Zuschauer im Stadion
Bei den Männern bildete sich nach dem Start im Jawaharlal Nehru Stadium bis auf den vorweg laufenden Eriträer Yonas Kifle eine 20köpfige Spitze mit allen Teamfavoriten. Nach der ersten von zwei Runden kristallisierte sich eine 12er Gruppe mit dem Mitfavoriten John Cheruiyot Korir und dem tansanischen WM-Zweiten des Vorjahres Fabiano Joseph zusammen mit den beiden Uganda-Läufern Martin Toroitich und Wilson Busienei.

Nach 17 km brach der spätere Sieger Paul Kirui aus der Spitzengruppe heraus, alleine noch mit seinem Teamkollegen Wilson Kiprotich Kebenel, Korir, Joseph und dem Qatari Hassan (dem früheren Albert Chepkurui) im Schlepp. Auf dem letzten Kilometer drehte Paul Kirui ein weiteres Mal auf und konnte mit sicherem Vorsprung ins mit 40 000 Zuschauern gefüllte Stadion einlaufen. „Ich hatte keine Angst vor Fabiano Joseph, viel mehr vor Hassan. Da wir in der Vorbereitung oft zusammen trainiert hatten, wusste ich, wie stark er ist! Dies ist aber auch ein Team-Wettkampf – und wir haben diesen als Team gewonnen. Ja, ich habe die Attacke gestartet als mir John Cheruiyot Korir sagte, er habe müde Beine!“

So einfach hört sich die Taktik des Siegers an, der übrigens neben seinem Sieg in Ostia (1:00:22) auch den Berliner Halbmarathon Anfang April in 1:00:40 für sich entscheiden konnte und schon alleine durch diese Topzeiten als ein absoluter Sieganwärter galt.

Zwei Halbmarathons in einer Woche sind auch für eine Sonia O’Sullivan zuviel!
In Topform präsentierte sich Sun Yingije, die nicht nur ihre fünf Jahre alte Bestmarke um drei Minuten steigern, sondern auch chinesischen Rekord über die Halbmarathondistanz laufen konnte. Sie hatte sich in ihrem typischen Laufstil mit hängenden Armen nach 10 km bereits frühzeitig von der zunächst führenden Constantina Tomescu-Dita und der Rotterdam-Marathon-Siegerin Lydia Cheromei gelöst, wurde aber zwei Kilometer später wieder von der Kenianerin gestellt.
Beide Topfavoriten liefen zunächst eine Weile zusammen an der Spitze, nur zehn Sekunden zurück mit Tomescu-Dita und O’Sullivan die Kandidaten auf Bronze. Die als Mitfavoritin angekündigte unverwüstliche Sonia O’Sullivan war eine Woche nach ihrem Halbmarathonstart beim Great North Run jedoch geschwächt und hatte in der spannenden Endphase nichts mehr zuzusetzen und lief mit 1:10:33 doch deutlich an einer Medaille vorbei.

Ähnlich spektakulär ging es im Teamwettbewerb zu. Äthiopien sicherte sich mit acht Sekunden Vorsprung vor Rumänien Gold – und die ausgelobten 15 000 Dollar, während sich Kenia bei den Männern den Titel von Tansania zurückholte.

Was kann Sun Yingije beim Beijing-Marathon nachlegen?
Vor Wochenfrist scheiterte die Japanerin Yoku Shibui mit 2:19:41 Stunden beim 31. real,- BERLIN-MARATHON am 2003 in Beijing aufgestellten Asienrekord der Chinesin Yingjie Sun um winzige drei Sekunden, rückte aber in der aktuellen Jahresweltbestenliste auf Rang eins, weil die Saisonresultate einschließlich der bei Olympia erzielten Endzeiten deutlich über der 2:20 Stunden-Marke lagen. Wer zweifelt allerdings nun daran, dass Sun Yingjie nicht zuletzt nach diesem überzeugenden Auftritt in Neu-Dehli beim geplanten Start beim Beijing International Marathon Mitte Oktober die Saison-Rangfolge zu ihren Gunsten wieder verändern wird?

Dietz-Coach Felbinger kritisiert 10 km-Meisterschaftstermin!
Der deutsche 5000 m- und 10 000 m-Meister Oliver Dietz kam als einziger DLV-Vertreter mit den Gegebenheiten vor Ort nicht recht klar und musste als 45. in 1:08:29 massives Lehrgeld bei seinem ersten WM-Start zahlen. „Wir haben natürlich mehr erwartet“, kommentierte Trainer Günther Felbinger das Abschneiden seines Schützlings. „Er hat einfach Probleme gehabt, ins Rennen zu kommen. Das sieht man schon alleine an den 5 km-Zwischenzeiten. Nach 15:14 ging er bei 10 km schon 31:18 durch. Das ist ungewöhnlich für ihn!“
Der Gerbrunner hatte sich mit einer feinen 1:03:38 beim Paderborner Osterlauf für das Weltchampionat qualifiziert, von dieser Form lief er nun aber ausgangs der Bahnsaison weit entfernt. „Die deutschen 10 km-Meisterschaften in Bad Liebenzell haben einfach nicht in die Vorbereitung gepasst wie auch das eine oder andere Bahnrennen nach den 5000 m-Meisterschaften“ gibt Günther Felbinger selbstkritisch zu. „Natürlich musste Oliver in Bad Liebenzell für seinen Verein, die LG Braunschweig, antreten, schließlich geht es auch um eine Vereinsförderung!“
Aber noch einmal zurück zur Halbmarathon-WM: „Im Vergleich zu den Bestzeiten sind viele Athleten rund zwei Minuten zurückgeblieben, das wäre auch für Oliver in Ordnung gewesen. Eine 68er Endzeit aber nicht!“

Wilfried Raatz

PS:
Der 25.Bewag BERLINER HALBMARATHON - der Jubiläumslauf - findet am 3. April 2005 statt.
2004 waren - bei Deutschlands größtem und schnellsten Halbmarathon - 17.046 Teilnehmer aus 63 Nationen - , vor über 100.000 Zuschauern am Start.

http://www.real-berlin-marathon.com/events/halbmarathon


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