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5. Medien-Marathon München - Erfolg durch „Laufbandkönig“ Reinhard Harrasser

9 000 Finisher lassen sich beim Medien-Marathon begeistern

11.10.2004

Südtiroler Erfolg durch „Laufbandkönig“ Reinhard Harrasser
Aus dem Keller auf das Siegespodest: 37jähriger Sieger aus Bruneck trainiert fast ausschließlich im eigenen Fitnessraum - Vorjahressieger Gamachu Roba nur auf Rang drei – Französin Christine Lelan Frauenerste – Ernüchterung auf den Straßen der Bayerischen Landeshauptstadt: München schläft, wenn Marathon läuft – Und dennoch: 9 000 Finisher lassen sich beim Medien-Marathon begeistern

Laufmaschine
Es ist paradox: Reinhard Harrasser absolviert nahezu sein komplettes Laufprogramm auf der „Laufmaschine“, wie der 37jährige Südtiroler aus St. Lorenzen nahe Brunneck seine Trainingshilfe bezeichnet, wird aus dem abgeschotteten Fitnesskeller auf die Straßen der bayerischen Landeshauptstadt losgelassen – und gewinnt in 2:21:21 Stunden den 5. medien.marathon.münchen, wie der viertgrößte Marathon Deutschlands hinter Berlin, Hamburg und Köln, gemessen an den Finisherzahlen auf der Marathondistanz, heißt.

„Wenn ich einmal herauskomme, dann ist das Laufen um so schöner“, umreißt der Südtiroler das Erfolgsrezept seiner freiwilligen Trainingstortur. „Auf der alten Laufmaschine, die ein Tempo bis maximal 16 Stundenkilometer bzw. einen Kilometerschnitt von 3:46 nur zulässt, komme ich natürlich nicht in die Versuchung zu überpacen. Außerdem habe ich ideale Bedingungen und kann jederzeit trinken!“

Vorjahressieger Gamachu Roba
Keine Probleme hatte der frühere Mittelstreckler Harrasser mit der Tempogestaltung, als er nach dem Ausscheren der beiden Tempomacher André Green und Hermann Achmüller resolut die Tempogestaltung vor dem äthiopischen , der im Südhessischen lebt und trainiert, übernahm. „Eigentlich wollte ich Bestzeit laufen, die ich im Frühjahr in Neumarkt mit 2:19:27 aufgestellt hatte. Das war allerdings bei dem zu flotten Anfangstempo nicht mehr möglich.
Aber – auch wenn ich erstmals in einem meiner sieben Marathonläufe keine Bestzeit gelaufen bin, habe ich dennoch einen Erfolg: Ich habe gewonnen!“ Und möchte damit seine Karriere an den berühmten Nagel hängen, denn der Vater dreier Kinder ist als Leiter der Außenstelle der deutschen CMA in Südtirol auch berufsmäßig stark eingespannt, so dass ohne „schlechtes Gewissen“ kaum Zeit zum geregeltem Training bleibt.

Ich bin nach München gekommen um zu gewinnen!“
Eingangs des Englischen Gartens konnte Reinhard Harrasser endlich auch seinen hartnäckigen Konkurrenten Roba abschütteln, der sich trotz Trainingsrückstandes mutig an die Fersen des Südtiroler gehängt hatte und trotzig im Ziel über seine Marschrichtung Antwort gab: „Ich bin nach München gekommen um zu gewinnen!“ Aber auch den erfolgsverwöhnten Äthiopiern fällt das Siegen schwer, wenn die Form wie im Falle des Asylbewerbers aus Darmstadt nicht vorhanden ist.

Konzept mit „local heroes“
Auch wenn Organisator Gernot Weigl mit Harrasser einen Südtiroler bei der fünften Auflage des Medien-Marathons zum Sieg gratulieren sollte, sein Konzept mit „local heroes“ sieht er keineswegs in Gefahr. Schließlich fühlen sich die Südtiroler als „halbe Bayern“ und stellten ein überaus großes Läuferkontingent in München . Und letztlich folgte hinter Reinhard Harrasser mit Sascha Burkhardt aus dem fränkischen Ebermannstadt ein Läufer aus dem weißblauen Bundesland, weitere kamen hinter dem enttäuschenden Vorjahressieger Roba mit Andreas Sterzinger und Johannes Hillebrand aus Immestadt bzw. Gröbenzell auf die Folgeplätze.

Frauensituation
Ähnlich zudem die Situation bei den Frauen, wo mit Birgit Koch von der LG Rupertiwinkel und der Würzburgerin Friedricke Back zwei „Einheimische“ auf Zwei und Drei hinter der souverän voran marschierenden Französin Christine Lelan ins schmucke, aber leider ziemlich verlassene und zugige Olympiastadion einlaufen konnten.

2:46:18
Die französische Allroundläuferin schrammte wie auch Männersieger Harrasser knapp an ihrem Hausrekord vorbei, durfte allerdings nach einer gerade überstandenen Erkältung mit 2:46:18 und einer Endzeit, die gerade einmal eine Minute schwächer ist als ihr persönlicher Rekord, dennoch zufrieden sein, „weil es mir am Ende noch sehr schwer gefallen ist!“ Den Spagat zwischen Beruf, Studium und Leistungssport meisterte Birgit Koch mit Bravur, die wie im Vorjahr auf Rang zwei einlaufen konnte, lange Zeit sogar auf einem 2:48er Kurs lag, aber wie auch die Französin in der Endphase ihre Probleme hatte.

200 bis 240 Wochenkilometer
Ganz in den Rahmen der Weigl’schen Philosophie einer eher breitensportorientierten Marathonveranstaltung passt auch der Überraschungszweite der Männer als lupenreiner Amateur. Denn Sascha Burkhardt arbeitet im Vier-Schichten-Rhythmus als Elektriker seine 40-Stunden-Woche ab und läuft zudem noch 200 bis 240 Wochenkilometer.
Der Ebermannstädter ist mit Dreißig ein Späteinsteiger, der vor fünf Jahren spontan ein Laster gegen ein anderes eintauschte: Stopp mit Rauchen und Start mit dem Kilometerlaufen. Und inzwischen mit frappierenden Steigerungen aufwarten kann, wie nun auch die 2:25:06 unterstreichen. „Ich würde heute noch rauchen, wenn nicht das Marathonlaufen dazwischen gekommen wäre!“ Das dürfte die Krankenkassen hierzulande sicherlich freuen. Wenn es doch noch mehr solcher Spontanentschlüsse gäbe!

Eine schwarze Null im fünften Jahr
Mit 10 673 Anmeldungen, 9 317 Startern am nieseligen Sonntagmorgen und 9 031 Finishern können die Münchener Macher beim 5. medien.marathon.münchen eine weitere Teilnehmersteigerung aufweisen. Eine Zahl, die sich von 4. 397 bei der Neuauflage in München im Jahr 2000 längst mehr als verdoppeln ließ. Und letztlich zu einer Konsolidierung der Marathonkasse derart beitrug, dass man im fünften Jahr nun endlich eine „schwarze Null“ schreiben kann. Denn der Kaltstart im Jahr 2000 erwies sich finanziell als katastrophal, weil die schnellen Endzeiten der erstplatzierten Kenianer ein sechsstelliges Loch in den Etatplan rissen.

Spar-Gernot
Spar-Gernot musste nach dem finanztechnisch katastrophalen Start verständlicherweise die Reißleine ziehen und der Not gehorchend den Slogan der „local heroes“ als preiswerte Variante kreieren. Ohne Antrittsgelder und Prämien laufen nun die Helden auf den Straßen Münchens zur Ehre – und wie 2005 für eine Skulptur eines griechischen Künstlers, die Marathonmann Weigl beim Griechenland-Urlaub in Auftrag gegeben hatte.

Belästigung – oder Bereicherung für die Münchener?
Eine Frage konnte auch die fünfte Auflage des medien.marathon.münchen nicht beantworten. Ob nämlich die Sightseeingtour der knapp Zehntausend aus fünfzig Nationen durch die bayerische Landeshauptstadt eine (vielleicht noch hinnehmbare) Belästigung der Bewohner Münchens sei oder dank der zahlungswilligen Marathonläufer samt Anhang letztlich doch eine Bereicherung der veranstaltungsreichen „Touristenmetropole“ darstellt. Die Münchener jedenfalls zeigten an diesem widrigen Oktobersonntag den Marathonläufer die kalte Schulter.

Selten gab es bei einem Marathonlauf dieser Größenordnung so wenig Stimmung am Streckenrand oder im Olympiapark samt ehrwürdigem Olympiastadion. Da konnte auch die Schwabinger Partymeile mit einigen eher verwaisten Weißbierständen nichts mehr retten. Die Läufer jedenfalls kritisierten diesen Umstand eher gleichgültig. Vielleicht lag’s auch an dem Disco-Nebel im Marathontor oder dem Laufsteg auf der Zielgeraden, die Weigls Mannen längst ein gewisses Alleinstellungsmerkmal im deutschen Marathonkalender sicherten.

Medienaward für „Poschi“
Bereits am Freitagabend wurde der Medien-Marathon seinem Namen gerecht, als der ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann den diesjährigen Medienaward erhielt. Als Langstreckenläufer hatte „Poschi“ so manches heißes Rennen auf der Bahn, im Crossgeläuf oder auf der Marathonstrecke absolviert, als Journalist ist er in der schnelllebigen Medienlandschaft einer der letzten Kämpfer für die Sendezeiten der Leichtathleten.
Auch wenn das Laufen in den (öffentlich-rechtlichen) elektronischen Medien reichlich wenig vorkommt, weil sich unsere Schnellsten auch längst von der Leistungsspitze verabschiedet haben.

Wilfried Raatz

5. medien.marathon.münchen (10.10.):
Ergebnisse:
Männer:
1. Reinhard Harrasser (ITA) 2:21:21, 2. Sascha Burkhardt (TSV Ebermannstadt) 2:25:06, 3. Gamachu Roba (ETH) 2:26:16, 4. Andreas Sterzinger (TV Immenstadt) 2:26:43, 5. Johannes Hillebrand (1. SC Gröbenzell) 2:28:46, 6. Jürgen Austin-Kerl (LG Göttingen) 2:29:40, 7. Toni Gröschl (Post-SV Rosenheim) 2:30:28, 8. Alberto Di Petrillo (ITA) 2:31:51, 9. Thomas König (SuL Lößnitz) 2:32:15, 10. Hermann Achmüller (ITA) 2:32:12, 11. Ulrich Gross (ITA) 2:32:47, 12. Josef Albert Steurer (AUT) 2:33:49, 13. Janusz Wojcik (POL) 2:34:46, 14. Frank Honold (TSV Kusterdingen) 2:35:10, 15. Konrad von Allmen ( SUI) 2:35:42, 16. Jürgen Sonneck (LG Dachau) 2:35:55, 17. Alexander Scherl (SF Friedberg) 2:36:58, 18. Christian Stork (SC Rettenberg) 2:37:05, 19. Ulrich Wolf (TV Wetter) 2:38:42, 20. Andreas Punter (ITA) 2:38:43.
Frauen:
1. Christine Lelan (FRA) 2:46:18, 2. Birgit Koch (LG Rupertiwinkel) 2:52:38, 3. Friedricke Back (LT SV Würzburg) 2:57:32, 4. Esther Heinold (TSG Wiesloch) 2:58:49, 5. Dagmar Klein (LG Rupertiwinkel) 2:59:47, 6. Helga Rauch (ITA) 3:00:55, 7. Brigitte Rupp (SC Roth) 3:01:04, 8. Bea Salvadori (SUI) 3:02:20, 9. Nicola Morandini (ITA) 3:02:33, 10. Mary O’Leary (IRL/ FC Perlach) 3:02:54, 11. Eva Scheu (Team Bock) 3:05:54, 12. Sandra Lukaschek (LAZ Obernburg-Miltenberg) 3:06:32.

Medienwertung:
Männer:
1. Konrad von Allmen (SUI) 2:35:42, 2. Engelbert Walter (Südwest-Presse Ulm) 2:44:5, 3. Joachim Otto (Burda Medien) 2:46:13.
Frauen: 1. Andrea Neuner (Schott Musik International) 3:27:28, 2. Ulla Chwalisz (Schaeffer-Poeschel-Verlag) 3:30:54, 3. Karin Heydgen (Südkurier GmbH Konstanz) 3:32:10.


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