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Evans Rutto setzt einmalige Marathon-Siegserie in Chicago fort

11.10.2004

Evans Rutto ist im Marathon das Maß der Dinge. Der Kenianer, der von seinem Verband nicht für die Olympischen Spiele nominiert worden war, hat den Chicago-Marathon in erstklassigen 2:06:16 Stunden gewonnen. Damit hat der 26-Jährige auch den dritten Marathon seiner Karriere als Sieger beendet. In Chicago war der Läufer, der neben einigen anderen Kenianern von Uta Pippigs Trainer Dieter Hogen betreut wird, vor einem Jahr mit 2:05:50 Stunden inoffiziellen Debüt-Weltrekord gerannt. In London hatte er im April trotz eines Sturzes in 2:06:18 Stunden gewonnen. Nie zuvor hat ein Marathonläufer bei seinen drei ersten Rennen über die 42,195 km mit derartig hochkarätigen Zeiten drei so bedeutende City-Marathon-Läufe gewonnen.

Rund 40.000 Läufer hatten für den Chicago-Marathon gemeldet, 1,2 Millionen Zuschauer säumten die Strecke. Allerdings herrschten für die Spitzenläufer keine idealen Bedingungen. Denn besonders in der letzten Phase des Rennens wurde die "Windy City" ihrem Spitznamen gerecht. Der Gegenwind erreichte bis zu 20 Meilen (32 km/h).

Siegerin in 2:23:45 Stunden
Schnellste Frau war die Rumänin Constantina Tomescu-Dita, die im vergangenen Jahr Zweite gewesen war und nun in 2:23:45 Stunden triumphierte. Rang zwei ging an ihre Landsfrau Nuta Olaru (2:24:33), Dritte wurde die Titelverteidigerin Swetlana Schakarowa (Russland/2:25:01). Joyce Chepchumba (Kenia) und Derartu Tulu (Äthiopien) belegten die nächsten Ränge.

Bein gestellt - Halbmarathon in 62:24
Bei der vergeblichen Jagd auf die in Berlin 2003 aufgestellte Weltrekordmarke von Paul Tergat (Kenia/2:04:55) hatten sich die Kenianer schon gleich nach dem Start selbst ein Bein gestellt. Viel zu hoch war ihr Anfangstempo, das sie nach 14:25 Minuten durch die 5-km-Marke geführt hatte. Fünf Meilen (8 km) waren nach 23:38 Minuten passiert, einer Zeit, die gut ist für ein Endresultat von unter 2:04 Stunden. Laban Kipkemboi, der Boston-Sieger Timothy Cherigat (beide Kenia) und John Yuda (Tansania) hatten für die Pace gesorgt. Alle drei gehören ebenfalls zur Trainingsgruppe von Dieter Hogen. Cherigat und Yuda werden beim New-York-Marathon an den Start gehen - sie fühlten sich offenbar jetzt schon in Topform, verloren aber die Kontrolle über die Geschwindigkeit. Die Halbmarathonmarke war nach 62:24 Minuten erreicht.

Müde geworden
Die 25 km hatte Evans Rutto, nunmehr ohne die Hilfe von Tempomachern, mit der Spitzengruppe nach 1:13:35 Stunden erreicht. Und auch bei 30 km (1:29:04) - hier führte Laban Kipkemboi (Kenia), der kurz darauf als letzter Rivale on Rutto zurückfallen sollte - war der Weltrekord noch in Reichweite. Doch nun kam der Gegenwind, und zudem wurde Evans Rutto müde.

Zu schnell losgelaufen
"Das Tempo war am Anfang zu schnell. Ich bin dann langsamer geworden, denn es war ja noch ein weiter Weg zu laufen", erklärte Evans Rutto später. Sein Trainer freilich hatte am Streckenrand seinen Augen nicht getraut und seine Läufer zu ruhigerem Tempo aufgefordert. "Den größten Fehler, den man im Marathon machen kann, den haben sie leider gemacht, obwohl wir noch kurz vor dem Start alles genau abgesprochen haben. Sie sind viel zu schnell losgelaufen - und davon erholt man sich nicht mehr" erklärte der Trainer. "Das ist schade, aber ich bin natürlich froh, dass Evans so deutlich gewonnen hat."

Khalid Khannouchi nur Fünfter
"Ich dachte eigentlich, dass ich zumindest noch den Kursrekord brechen könnte. Aber der Wind war zu stark. Ich habe gewonnen, und deswegen bin ich natürlich froh", erklärte Evans Rutto. Rang zwei ging an Daniel Njenga (Kenia) mit 2:07:44, Dritter wurde der Japaner Toshinari Takaoka in 2:07:50. Nur Rang fünf blieb dem viermaligen Chicago-Sieger Khalid Khannouchi (USA/2:08:44). Für den aus Marokko stammenden früheren Marathon-Weltrekordler, der mit dem Chicago-Marathon einen Drei-Jahres-Vertrag hat, war es das schwächste Rennen seiner außergewöhnlichen Chicago-Serie. Zuvor war Rang zwei in 2:07:19 Stunden das ,schwächste Resultat von Khalid Khannouchi. "Ich habe mein bestes gegeben - mehr ging nicht. Da kann man nichts machen. Es war ein hartes Rennen. Die Pacemaker waren zu schnell", erklärte Khannouchi, der das extreme Tempo nicht durchweg mitging und sich zeitweilig in der zweiten Gruppe einsortierte. Dort lief auch Evans Ruttos Trainingskamerad Paul Koech, der jedoch in der zweiten Hälfte des Rennens Knieprobleme bekam und schließlich nur noch humpelnd und mit deutlichem Rückstand das Ziel erreichte.

Vom Start weg die Führung
"Im letzten Jahr habe ich das Rennen auf der letzten Meile verloren, deswegen bin ich diesmal froh, dass keine mehr von hinten kam", erklärte Siegerin Constantina Tomescu-Dita, die die 20-km-Marke nach 1:06:54 Stunden erreicht hatte. Sie hatte vom Start weg die Führung übernommen und nie abgegeben. Auch sie wurde im letzten Teil des Rennens langsamer, nachdem die ersten Zwischenzeiten auf ein Ergebnis von rund 2:21 Stunden hinausgelaufen waren.


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