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Die Literatur-Nobelpreisträgerin und der Sport

Elfriede Jelinek ist die erste unter zehn Literatur-Nobelpreisträgerinnen, die sich intensiv mit dem Sport beschäftigt hat – und zwar durch und durch negativ

12.10.2004

Das Drama Sportstück ist ein starkes Stück über den Sport und für den Sport. Elfriede Jelinek ist die erste unter zehn Literatur-Nobelpreisträgerinnen, die sich intensiv mit dem Sport beschäftigt hat – und zwar durch und durch negativ. Zum Beispiel, wenn sie sagt: „Knochen brechen, Sehnen reißen, Adern platzen, Bänder überdehnen, überleben trotzdem irgendwie. Die menschlichen Körper beim Sport sind Pizzaschachteln oder Wegwerfbecher, zuerst sind sie schön, und dann sind sie benutzt: vernutzt.“

Elfriede Jelinek weicht einem Massenphänomen nicht aus
Jelineks Theaterstück, das sich mit dem Sport so kritisch – überkritisch auseinandersetzt, wurde zuerst im Wiener Burg-Theater aufgeführt. Da sie den Sport nicht anders behandelt als andere Lebensbereiche, muss man sich mit ihrer Meinung befassen. Das Stück liest sich wie ein Lexikon der Bösartigkeiten.
Doch in vielen Beobachtungen des Sportstücks stecken sicherlich auch Ansätze zu Wahrheiten. Der Nobelpreis für die Österreicherin hat die Literaturwelt überrascht. Sie gilt als Radikalfeministin. Sie will allerdings bei dieser Auszeichnung keine Quotenfrau sein. Da sie in ihrer Heimat oft bekämpft wurde, „ist der Preis keine Blume im Knopfloch für Österreich“.

Die erste Literatur-Nobelpreisträgerin, die sich in größerem Stil mit dem Sport beschäftigt
Zumindest ist sie die erste Literatur-Nobelpreisträgerin, die sich in größerem Stil mit dem Sport beschäftigt. Die anderen haben das kaum getan. Weder die Schwedin Selma Lagerlöf noch die Norwegerin Sigrid Undset, weder die Italienerin Garcia Deledda noch die Chilenin Gabriela Mistral, weder die Amerikanerinnen Pearl S. Buck noch Toni Morrison, weder die Deutsche Nelly Sachs noch die Südafrikanerin Nardine Gordimer.
Nur die Polin Wislawa Szymborska hat den Sport gestreift. Elfriede Jelinek, die Zehnte im Bunde, ist oft mit ihrem Landsmann Thomas Bernhard verglichen worden, dem viele eher den Preis gegönnt hätten. Bei allem, was sie schreibt – auch über den Sport – will sie nur eines: den Skandal, der zum Nachdenken anregt.

Beim Sport hat man es mit einem Massenphänomen zu tun
Vor allem ein Phänomen hat sie offensichtlich am Sport fasziniert: „Wir haben es beim Sport mit einem Massenphänomen zu tun, unter dessen Einfluss sich Menschen anders verhalten als sie es sonst tun würden.“ Doch auch im Sport schlagen bei ihr Witz und Humor durch:
„Zum Zeichen, dass er als einziger ehrlich ist, läuft er haargenau so schnell wie seine Stoppuhr anzeigt.“
In einem Interview vor einiger Zeit gab sie sich moderater als in ihrem Sportstück. Sie gibt an, dass sie in ihrer Kindheit und Jugend gern Ski gelaufen ist. Sie habe eigentlich nichts gegen den Sport, „allerdings etwas gegen die Vergötzung körperlicher und die Verachtung geistiger Leistung“.
Höchstleistungen in der Leichtathletik hält sie ohne Doping kam noch für möglich.
Wie frei ist der Mensch, zum Beispiel im Sport?
Elfriede Jelinek hegt Zweifel: „Wenn man uns einmal freilässt, gehen wir sofort in den Fitnessclub , wo wir wieder geknechtet und geknetet werden.“

Quelle:
www.dsb.de


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