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„Cross-Europameisterschaften als Chance verstehen!“

Deutscher Leichtathletik-Verband setzt auf Heimvorteil und hohe Motivation der deutschen Läuferelite

20.10.2004

In Bestbesetzung könnten die DLV-Frauen sogar um eine Medaille kämpfen – Parcours zwischen Bansin und Heringsdorf fertig gestellt

Der Europäische Verbandspräsident Hansjörg Wirz nennt es einen „wichtigen Bestandteil der Leichtathletik“, für den DLV sind die 11. SPAR Cross-Europameisterschaften am 12. Dezember in Heringsdorf auf der Ostseeinsel Usedom weitaus mehr, nach den vielen Enttäuschen der vergangenen Monate und Jahre nämlich ein wichtiger Ansatz zum Neuanfang. „Wir müssen diese Cross-EM als eine Chance verstehen und einen Schritt aus der Talsohle heraus machen“, sagt Detlef Uhlemann, der Bundestrainer Cross im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). „Über ein Mannschaftsergebnis müssen wir nach den vielen Enttäuschungen und Nicht-Normerfüllungen für die Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele eine neue Motivation für die bevorstehende Saison finden!“

Unter der Federführung von Detlef Uhlemann, der als früherer Cross-WM-Dritter (1977, Düsseldorf), mehrfacher 10 000 m-Meister und Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften selbst exzellente Resultate vorweisen kann, bereitet sich der Nationalkader des DLV auf die Cross-EM in Heringsdorf vor. „Nach einer ersten Trainingsmaßnahme Anfang Oktober in Saarbrücken sind zwei Vorbereitungs-Wettkämpfe in Gent/ Belgien (7.11.) und Darmstadt (21.11.) vorgesehen, ehe nach den Ergebnissen der Deutschen Meisterschaften in Bremen (27.11.) die Mannschaft für Heringsdorf nominiert werden wird“, erläutert Uhlemann die Schritte zur Cross-EM. „Unser Ziel muss es sein, die beiden neunten Plätze von Edinburgh zu verbessern. Dies gilt vorrangig für die Frauen, die in Bestbesetzung sogar um Rang drei kämpfen können!“ Dabei stützt sich der Bundestrainer Cross vor allem auf die Olympiasiebte Irina Mikitenko (Frankfurt), Sabrina Mockenhaupt (Sieg) und Susanne Ritter (Braunschweig), die als Einzelstarterin auf Rang 22 bei den Cross-Weltmeisterschaften im März in Brüssel für einen Achtungserfolg sorgte. Andere wie die 10 km-Meisterin Luminita Zaituc stehen wegen Marathonstarts in der Vorbereitung noch nicht zur Verfügung, könnten aber bei entsprechendem Leistungsnachweis kurzfristig noch in die Mannschaft aufrücken.

DLV möchte U 23-Athleten in das EM-Team integrieren

Ungleich schwerer dürfte das Projekt Cross-Europameisterschaften für die Männer sein. Hier ruhen Uhlemanns Hoffnungen auf die rasche Regeneration des 5000 m- und 10 000 m-Meisters Oliver Dietz, der Anfang Oktober noch bei den Halbmarathon-WM in Neu Dehli am Start war, sowie auf Sebastian Hallmann (München) und Alexander Lubina (Wattenscheid). „Dabei sollten wir vermehrt auch U 23-Athleten integrieren, die es sehr schwer haben, den Übergang aus der Juniorenklasse zu schaffen!“

Medaillenhoffnungen wussten in der Vergangenheit fast ausschließlich die Juniorinnen umzusetzen. Jüngster Beleg ist der Gewinn der Bronzemedaille im Dezember 2003 in Edinburgh hinter Groß-Britannien und Russland. Der männliche Nachwuchs landete bei den letztjährigen Titelkämpfen auf Rang sechs.

Mit Uhlemann neue Wege im Langstreckenbereich

Die 11. SPAR Cross-Europameisterschaften auf Usedom sind für Uhlemann jedoch nur ein wichtiger Zwischenschritt in eine hoffentlich bessere Zukunft. Und diese besteht in seinem mittelfristigen Konzept auch aus der Teilnahme an Cross-Weltmeisterschaften und damit dem Anschluss an das internationale Niveau im Laufbereich. „Wir müssen im Sinne einer positiven Leistungsentwicklung neue Wege beschreiten, um aus dem derzeitigen Leistungstief herauszukommen. Unser Ziel muss sein, künftig bei den internationalen Höhepunkten auch wieder im Langstreckenbereich präsent zu sein!“

Titelverteidiger Lebed greift nach dem fünften EM-Titel

Bei einem Technik-Meeting auf Usedom konnten sich Ende September bereits Vertreter des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (EAA) und des gastgebenden Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) einen Einblick über den Stand der Vorbereitungen verschaffen. Der inzwischen präparierte Cross-Parcours am Schloonsee fand dabei die ungeteilte Zustimmung der Verbandsvertreter. „Hart und selektiv“ befand in kurzen Worten das bei der EAA als Technischer Delegierter in Heringsdorf agierende frühere italienische Langstreckenass Massimo Magnani. Nach dem aktuellen Stand werden am 12. Dezember auf Usedom 28 Nationen an den Start gehen. Aufschluss über die Besetzung der vier Wettbewerbe wird allerdings erst die Meldung der nationalen Verbände am 1. Dezember geben können. Ein Prominenter hat allerdings schon jetzt seine Startzusage für Heringsdorf gegeben: Der vierfache Cross-Europameister Sergey Lebed aus der Ukraine möchte seinen Titel auch in Heringsdorf verteidigen. Dagegen ist der Start der Titelverteidigerin Paula Radcliffe bei den Frauen angesichts ihres Debakels bei den Olympischen Spielen in Athen mehr als fraglich.

Wilfried Raatz


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