42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Auch Frankfurt legt teilnehmermäßig weiter zu

Eurocity Marathon Messe Frankfurt knapp unterhalb der 10 000.Marathonläufermarke – Schindler hofft auf gute Witterung am Main neue Rekordmarke – Sind die Kenianer mit Vorjahressieger Boaz Kimaiyo und Ondoro Osoro wiederum auf der Siegerstraße?

29.10.2004

Der Marathon gehört zu Frankfurt wie die Börse, die Banken-Skyline, der Flughafen Rhein-Main, die Zeil, die Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität und, und, und ...

Der Eurocity Marathon Messe Frankfurt, so der vollständige Titel des 42,195 km-Spektakels durch Mainhattan und dem Zieleinlauf in der Festhalle, ist in der langen Folge der Marathonereignisse seit dem Auftakt 1981 vor den Werkstoren der Hoechst AG ein national wie international gut angesehener Lauf, der in vielfältiger Weise Zeichen gesetzt hat – auch wenn man hinsichtlich der Finisherzahlen hierzulande hinter Berlin, Hamburg, Köln, München und dem KarstadtRuhr-Marathon derzeit nur die Nummer sechs ist.

„Wir haben mit aktuell 9 723 Anmeldungen
eine beachtliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr“, bewertet Organisator Jo Schindler am Freitag den Meldestand des Marathons, der traditionsgemäß in Deutschland den Abschluss der großen Stadt-Marathonläufe bildet.
Einschließlich der Nebenstrecken liegen die Frankfurter mit 14 226 Einschreibungen auf einem strammen Kurs in Richtung 15.000 Meldungen-Kurs. „Ob nun eine neun oder eine zehn vorweg steht, das ist eigentlich nebensächlich. Wir sind auf einem guten Weg in Frankfurt. Einer Spiridon-Auswertung nach sind wir in Deutschland die Nummer vier.
Mit dieser „Holzmedaille“ wollen wir uns allerdings nicht zufrieden geben! Es sollte schon ein Stockerl-Platz sein!“ kündigt Schindler eine offensive Marschrichtung an. Einer Auswertung des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) zufolge sind die Frankfurter unter Berücksichtigung der Siegerzeiten, Organisation und Begeisterung als Nummer drei in Deutschland hinter Berlin und Hamburg gelistet.
Egal, wie nun auch der Ansatz auch ist, der älteste deutsche Stadtmarathon muss seine Daseinsberechtigung keineswegs alljährlich aufs Neue unter Beweis stellen. Der Frankfurt-Marathon ist eine Institution.

Ein neuer Streckenrekord soll’s schon sein am Main
Wenn am Sonntag um 11.00 Uhr am Messetower der Startschuss fällt, dann ist freilich längst die Frage nach dem Wetter entschieden. Zumeist war es nicht so berauschend, deshalb sind die Leistungen der großen Marathonläuferschar höher einzuschätzen als diese in Minuten und Sekunden belegen. Doch nach den neuesten Wetterprognosen soll es keineswegs so schlecht sein, wie es noch zu Wochenanfang ausgesehen hat.
Der zumeist böige Wind wird dabei ebenso zu den Legenden gehören wie vermutlich auch der traditionelle Regen, der Läuferträume wie Seifenblasen zumeist platzen ließ. Das schnellste Männerfeld aller Zeiten haben die Macher am Main angekündigt. „Unsere Zielrichtung ist unter 2:10, genauer gesagt, ein neuer Streckenrekord!“ kündigt der Berliner Christoph Kopp an, der für die Athleteneinkäufe verantwortlich ist.
Und diesen könnte der Vorjahressieger und bisherige Streckenbeste Boaz Kimaiyo unterbieten, schließlich hat er sich nach einem Frühjahrseinbruch in Seoul mit einer 2:14er Endzeit vier Monate gewissenhaft auf seinen Auftritt in Frankfurt vorbereitet. „Ich werde mein bestes geben!“ kündigte der 29jährige an, der immerhin auf einen Hausrekord von 2:08:46 verweisen kann, den er vor zwei Jahren in Amsterdam gelaufen war. Mitgebracht hat Kimaiyo gleich drei Teamkollegen aus dem Rennstall des Italieners Gabriele Rosa, die allesamt für eine Topplatzierung gut sein sollten. Vielleicht wird am Sonntag kurz nach 13.00 Uhr einer der John Rono, Simon Kasimili und Fred Mogaka am stärksten in der sicherlich gut gefüllten „Gud Stubb“ gefeiert.

Nach Schussverletzung greift Chicago-Sieger Osoro wieder an
Die schnellste Zeitvorgabe mit 2:06:54 bringt hingegen der Kenianer Ondoro Osoro mit an den Main. Als Sieger des Chicago-Marathons schaffte dieser Osoro 1998 das schnellste Debüt seinerzeit – und war auf dem besten Wege, ein ganz Großer der Szene zu werden. Doch viele Rückschläge vereitelten die große Läuferkarriere. So wurde er bei einem Überfall durch einen Schusswechsel verletzt und ist zwar heute schmerzfrei, aber noch „nicht 100% geheilt“, wie er am Freitag nochmals bestätigte. „Ich kann gewinnen. Oder auch nicht!“ Wer die Kenianer kennt, der sollte im Vorfeld eines wichtigen Rennens kaum eine andere Prognose erwarten.

Last minute-Startnummern sind oftmals für Überraschungen gut. Dies könnte auch bei der 2004er Auflage des Frankfurt-Marathon Wahrheit werden, wenn die wegen Visaprobleme kurzfristig in Frankfurt anklopfenden Eric Kiptoon und Samson Loywapet nun am Main richtig Gas geben werden.

Nach Zaituc-Absage offener Ausgang bei den Frauen
Bei den Frauen fehlt nach der Umorientierung von Luminita Zaituc in Richtung New York diesmal der erklärte Favorit, doch dafür könnte es bis in die Festhalle hinein überaus spannend werden. Dafür sollten schon die Vorjahreszweite Larissa Malikova oder die Mainz-Marathon-Erste Julia Vinokurova sorgen, oder die vornehmlich im Ultrabereich besonders starken Zwillinge Olesya und Elena Nurgalieva.

Die bislang schnellste Zeit hat die Kenianerin Mary Ptikany mit 2:32:02 zu vermelden. Die von Volker Wagner betreute Kenianerin gilt ebenso als eine der Sieganwärterin wie auch deren Landsfrau Gladys Asiba, die mit einer Empfehlung als Zweite beim Country-Music-Marathon in Nashville angereist ist.

Ohne Druck will Carsten Eich primär eines: Deutsche Jahresbestzeit laufen!
Im Schatten der schnellen Kenianer plant Carsten Eich einen versöhnlichen Saisonausklang, nachdem er zwar die Marathonläufe in Köln (2003) und Düsseldorf (2004) gewinnen konnte, aber nicht die Gunst der Verantwortlichen des DLV und des Nationalen Olympischen Komitees, als es um die Nominierung für die Olympischen Spiele ging. „Ich habe den Anspruch, die Saison als bester Deutscher zu beenden!“

Das hieße, zumindest die Saisonbestmarke von Stephan Freigang zu unterbieten, der als deutscher Meister in Hannover 2:14:02 gelaufen ist. „Das ist das Minimalziel. Bei guten Bedingungen sollten 2:12 möglich sein! Ich bin froh, ohne Druck laufen zu können. Ich brauche hier in Frankfurt nicht an irgendeine Norm zu denken noch an Verbandsvorgaben!“
Der 34jährige Kaufmännische Angestellte einer Direktbank in Nürnberg hat längst alle Verbandsfesseln abgelegt und trainiert mit hohem Aufwand „so profimäßig“ wie es seine 50-Prozent-Anstellung in der Wertpapierabteilung zulässt. Und das reicht, um derzeit in Deutschland Spitze zu sein. Zu mehr jedenfalls nicht. Siehe die Nicht-Nominierung für Athen. Vielleicht lehrt Carsten Eich auf dem Frankfurter Asphalt die Funktionäre eines Besseren ...

Wilfried Raatz


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