42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Mainhattan - Boaz Kimaiyo wiederholt Vorjahressieg ...

- und läuft neuen Streckenrekord mit 2:09:10 Stunden – Mitfavorit Ondoro Osoro läuft als Neunter hinterher – Deutsches Debakel: Carsten Eich mit 2:17:00 nur Zwölfter, Michael Fietz ausgestiegen – Russische Zwillinge legen eine kesse Sohle in der Festhalle

01.11.2004

Auch wenn der Hessische Rundfunk mit dem anfangs noch nebelverhangenen Himmel über die Mainmetropole noch seine Sendeprobleme hatte, den Marathonläufern war dies eher gleichgültig, denn erstmals nach Jahren von organartigem Wind und Regen gab es bei der 23. Auflage des ältesten deutschen Stadtmarathons nahezu ideale Laufbedingungen.

Und Vorjahressieger Boaz Kimaiyo nutzte dies just zum Zeitpunkt, als der HR nach einer Laufzeit von eineinhalb Stunden in Höchst endlich die passenden Bilder senden konnte, zum siegentscheidenden Tempovorstoß, sprengte die lange Zeit aus einer zwölfköpfigen (afrikanischen) Gruppe bestehenden Spitze und zur neuen Streckenrekordzeit von 2:09:10 Stunden. „Das war heute ein feines Rennen“, gestand der 27jährige Kenianer, „denn es ist so gelaufen, wie ich es auch haben wollte. Leider musste ich ab 30 km alleine laufen, deshalb habe ich die 2:09 Stunden nicht unterboten!“

Steigerung seiner eigenen Streckenbestzeit
Aber auch so ist die Siegerzeit von 2:09:10 Stunden eine Steigerung seiner eigenen Streckenbestzeit, die er bei seinem Sieg im Vorjahr auf 2:09:28 Stunden fixiert hatte. „Ich habe vier Monate sehr intensiv trainiert, deshalb auch die Verbesserung gegenüber dem Vorjahr!“ Dies war auch für den Schützling des italienischen Laufdoktors Gabriele Rosa zwingend notwendig, nachdem er im Frühjahr in Seoul mit 2:14:23 noch völlig untergegangen war.
Boaz Kimaiyo hatte schlussendlich einen komfortablen Vorsprung von über zwei Minuten auf seinen Landsmann Luke Kibet, dem mit Benjamin Rotich, John Rono und seinem Laufkollegen Fred Mogaka weitere Landsleute folgten, aber weitaus nicht in der Dichte, die die Veranstalter sich angesichts des „stärksten je eingeladenen Starterfeldes“ in Frankfurt versprochen hatten.

Carsten Eich verpasste Minimalziel
Selbst das Minimalziel des derzeit besten deutschen Marathonmannes Carsten Eich erfüllten sich beim für den Frankfurt-Marathon untypischen Wetter nicht, nämlich die deutsche Saisonbestmarke von aktuell 2:14:02 zu unterbieten. Der lange Fürther im Dress der LG Braunschweig hatte programmgemäß die Halbmarke in 1:05:53 absolviert, dann aber am westlichsten Punkt der Strecke, im Stadtteil Höchst, völlig eingebrochen und letztlich als Zwölfter in undiskutablen 2:17:00 ins Ziel eingelaufen. „Nach 30 km hatte ich unerklärliche muskuläre Probleme“, gestand ein sichtlich geschockter Carsten Eich später, „so dass ich ziemlich eingebrochen bin. Diese Zeit ist absolut unbefriedigend!“
Auch das angekündigte Duell um die deutsche Vorherrschaft zwischen Eich und dem Wattenscheider Michael Fietz, der 1997 als letzter Deutscher in 2:10:59 Stunden überraschend den Frankfurt-Marathon hatte, fand im Prinzip nicht statt. Fietz, geradewegs nach einer langwierigen Wadenverletzung genesen, hing schon direkt nach dem Startschuss hinter Eich zurück und signalisierte später in Höchst verzweifelt: „Es ist wieder die Wade.
So komme ich nicht durch ...!“

Mitfavorit Osoro lief hinterher
Den Deutschen ging es damit ähnlich wie dem als Mitfavoriten angekündigten Ondoro Osoro, der einst als Chicago-Sieger mit einer Fabelzeit von 2:06:54 Stunden debütierte, aber aufgrund eines Raubüberfalles wegen einer Schussverletzung eine längere Auszeit hinter sich hatte und nun in Frankfurt einen Neubeginn starten wollte. Der Kenianer fiel bereits nach 24 km aus der Kopfgruppe heraus und beendete das Rennen nicht minder enttäuscht als Neunter mit fast sieben Minuten Verspätung auf Boaz Kimaiyo.

Quantensprung für die Nurgaliewa-Twins
Einen Quantensprung gelang bei dem deutlich schwächer besetzten Frauenfeld den russischen Zwillingen Olesya und Elena Nurgaliewa, die eher auf den Ultradistanzen angesiedelt sind und zuletzt beim Two-Oceans-Marathon über 56 km und dem Comrades-Marathon über 90 km in Südafrika große Erfolge feiern durften und sich um sieben Minuten auf 2:29:48 bzw. 2:29:49 Stunden steigern konnten. Zwillings-Weltrekord übrigens. Mit unglaublicher Präzision wussten die beiden Russinnen die beiden Halbstrecken zurücklegen, wobei die zweite Hälfte sogar noch neun Sekunden schneller war.

Schindler: „An Akzeptanz gewonnen“
„Wir sind stolz auf diese großartige Resonanz“, fasste Frankfurts Sportbürgermeister Achim Vandreike ein erstes Fazit für die 23. Auflage des Frankfurter Stadtmarathons, der mit insgesamt 15.238 Anmeldungen eine neue Höchstmarke erreichte, wenn man das Jahr 2001 ausklammert, als Deutsche Meisterschaften in den Frankfurt-Marathon integriert waren. Aufgeschlüsselt ergaben dies jedoch für den Marathonbereich zwar 10 361 Anmeldungen, im Ziel wurden freilich am späten Sonntagnachmittag nur 8 299 Finisher registriert, das Frankfurt in der Finisher-Statistik der Saison allerdings keinen Schub nach vorne einbrachte, wo man hinter dem real,- BERLIN-MARATHON, Hamburg, Köln, München und dem Ruhr-Marathon auf Rang sechs positioniert ist.
„Im Gegensatz zu den anderen großen Marathonläufen, bei denen ein Gesamtrückgang zu verzeichnen ist, haben wir ein deutliches Anmeldeplus von 15 Prozent. Ein Beleg, dass wir neue Akzeptanz gewonnen haben!“

Streckenrekorde durch zwei holländische Handbiker
In der Tat, seit Jahren herrschte nicht mehr so einen Andrang auf Frankfurts Straßen wie in diesem Jahr. Und der Zieleinlauf in der Festhalle, „ein emotionales Erlebnis“, so Organisationsleiter Jo Schindler, ist zudem ein kräftiges Faustpfand, das sicherlich in der Szene prächtig angenommen wurde.
Ein ansehnlicher Zuwachs bei den Handbikern und Rollstuhlfahrern, die in Frankfurt das Finale der aus sechs Rennen bestehenden deutschen Handbike-Trophy austrugen und mit den beiden Holländern Johan Reekers und Monique van der Vorst sogar zwei neue Streckenrekorde einbrachten, rundeten eine beachtliche sportliche Bilanz ab.

1000 Mini-Marathonläufer verirrten sich in Mainhattan
Eigentlich eitel Sonnenschein in Mainhattan, wären da nicht die fehlgeleiteten Mini-Marathonläufer im Alter von zehn bis siebzehn Jahren gewesen, die letztlich „in der ganzen Stadt eingesammelt“ (so Streckenchef Dieter Bremer) werden mussten. Durch eine falsche Absperrung war der Laufnachwuchs zwischen fünf und zwölf Kilometer gelaufen und planlos durch die Innenstadt geirrt. In Panik geratene Eltern waren noch Stunden später nur schwer zu beruhigen. „Wir können uns nur bei den Betroffenen entschuldigen“, so Schindler, „als Entschädigung werden wir allen einen Freistart im kommenden Jahr anbieten!“

Wilfried Raatz

Eurocitymarathon Messe Frankfurt (31.10.):
Ergebnisse:
Männer:
1. Boaz Kimaiyo (KEN) 2:09:10, 2. Luke Kibet (KEN) 2:11:28, 3. Benjamin Rotich (KEN) 2:11:45, 4. John Rono (KEN) 2:12:59, 5. Fred Mogaka (KEN) 2:14:28, 6. Dmitri Barankowski (UKR) 2:15:03, 7. Eric Kiptoon (KEN) 2:15:04, 8. Francis Kiprop (KEN) 2:15:13, 9. Ondoro Osoro (KEN) 2:15:58, 10. Sergey Lukin (RUS) 2:16:24, 11. Antonio Sousa (POR) 2:16:54, 12. Carsten Eich (LG Braunschweig) 2:17:00, 13. Yirjö Pesonen (FIN) 2:17:42, 14. Onesma Ludago (TAN) 2:19:22, 15. Willy Mwemze (CGO) 2:22:05, 16. Henrik Sandstad (NOR) 2:22:16, 17. Vesa Erojärvi (FIN) 2:22:44, 18. Mika Takala (FIN) 2:26:48, 19. Martin Schönberger (LC Mengerskirchen) 2:28:53, 20. Dick van den Broek (NED) 2:29:52.

Frauen:
1. Olesya Nurgalieva (RUS) 2:29:48, 2. Elena Nurgalieva (RUS) 2:29:49, 3. Julia Vinokurowa (RUS) 2:32:29, 4. Gladys Ashiba (KEN) 2:35:16, 5. Malja Oravamäki (FIN) 2:39:37, 6. Malja Heller (Fürth) 2:55:25, 7. Marianne Brüllisauer (SUI) 2:56:06, 8. Birgit Bartels (SV Kirchzarten) 2:57:31, 9. Christiane Brede (Saarbrücken) 2:58:29, 10. Birgit Bohn (Spiridon Frankfurt) 2:58:57, 11. Kaisa Salminen (FIN) 2:59:07, 12. Sonja Königseder (DJK Fürsteneck) 3:00:29.

Handbike-Marathon:
Männer:
1. Johan Reekers (NED) 1:11:02, 2. Roel Bruijn (NED) 1:11:03, 3. Torsten Purschke (Otto Bock Team) 1:17:03, 4. Errol Marklein (Team Sopur) 1:18:15, 5. Markus Pilz (Team Sopur) 1:19:05, 6. Norbert Mosandl (Berg) 1:19:05.
Frauen: 1. Monique van der Vorst (HED) 1:19:05, 2. Andrea Eskau (Otto Bock Team) 1:19:05, 3. Lily Anggreny (Team Sopur) 1:34:49.

Inliner-Marathon:
Männer:
1. Jörg Wecke (Skate Team Celle) 1:15:42, 2. Anders Holm Christensen (DEN) 1:15:48, 3. Marc Christen (SUI) 1:15:48, 4. André Wille (LIE) 1:15:49, 5. Christoph Luginbühl (SUI) 1:15:49, 6. Patrick Täubrecht (Powerslide Racing Team) 1 :15 :49.
Frauen:
1. Tina Strüver (Turbine Halle Verducci) 1:23:07, 2. Evelyn Kalbe (Zepto Skate Team) 1:23:07, 3. Maritje Sell (Blau-Gelb Groß-Gerau) 1:23:09.


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