41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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Die fahrenden MARATHONIS beim real,- BERLIN-MARATHON

Was alles so passiert hinter den Kulissen mit den TOPS ... bis zur „blue line“

25.11.2004

Der real,- BERLIN-MARATHON, als erfolgreiche internationale Veranstaltung, sieht für Uneingeweihte und von Außen, wie ein problemlos von selbst funktionierendes Unternehmen aus. Dabei lebt es nur von „Verrückten“, die sich für die gute Sache aufopfern, was heute nicht mehr alltäglich ist.
Um über 50.000 Teilnehmer „über die Piste“ zu bringen, ist ein großer Apparat lange vor dem Veranstaltungstag, in der Veranstaltungswoche – und auch lange danach, bis zum Versand der Ergebnislisten und Urkunden zu bewegen.
Jede Aufgabe und deren Bewältigung innerhalb der Veranstaltung hat - im Laufe der vergangenen 31 Jahre des MARATHON - ihr Eigenleben entwickelt.

Ein Ressort hat zumindest für die TOPS (sprich Athleten), für die vielen auswärtigen Gäste des MARATHON, den VIPS, der Presse u.a.m. einen legendären Klang, tragen sie doch dazu bei, alles möglich zu machen:
Der FAHRDIENST!

Er steht pünktlich am Flughafen, am Hotel, am Start – und kommt auch ans Ziel – manchmal auch nicht.
Hier einige der vielen Histörchen – die ansonsten Bücher füllen könnten - rund um den Fahrdienst.

Vielen Dank an die vielen ungenannten Engagierten des Fahrdienstes – die alles zum „Rollen“ bringen.
Die Internetredaktion

Ganz Berlin läuft, aber da gibt es in unserer Mitte das berühmte Gallische Dorf!
Es wird immer größer,
die „Einwohner“ werden immer mehr,
ihr MARATHON hat eine Dauer von 10 Tagen,

sie zeigen Euch den richtigen Weg,
die Dorfbewohner laufen den MARATHON nicht,
sondern fahren mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen.

Die Rede ist von unserem MARATHON Fahrdienst.
Unser gemischtes Team hat momentan eine Stärke von 35 Frauen und Männern, ist teilweise über Jahre zusammengewachsen, einige sind seit über 15 Jahren dabei.
Foto rechts: Das ist Kult! Der FAHRDIENST schenkt in jedem Jahr dem "Star" (hier Shibui) des MARATHON auf der Abschlußpressekonferenz das berühmte "Fahrdienst-T-Shirt" mit dem Siegerfoto.

„Alle für einen, einer für alle“ ist bei uns keine Phrase sondern wird auch gelebt! Freude und Spaß an der Sache werden bei uns groß geschrieben, wir sind wirklich ein Dream-Team. Von unserem Team erwarten wir Einsatzwillen und Improvisation. Wenn diese Dinge von jedem Einzelnen erbracht werden, ist der Rest ein Kinderspiel.

Nicht nur der Führungswagen
Die Aufgaben des Fahrdienst sind sehr umfangreich und dienen nicht nur dazu, einen – oder mehrere - Führungswagen zu bewegen und den Läufern und Skatern den rechten Weg zu weisen. Das Besondere an unseren diversen Aufgaben ist natürlich das Zusammentreffen und Kennenlernen der einzelnen Athleten, Manager, Betreuer, Sponsorenvertreter, Medienvertreter und VIPS.

Dass bei derartig großem Aufgabenbereich nicht immer alles reibungslos abläuft ist wohl normal, denn 100ige Leistungen sind einfach unmöglich zu erbringen, werden jedoch immer angestrebt von jedem Einzelnen.

So hatten unsere Führungswagen zu Zeiten der Olympiabewerbung Berlins im Jahr 1992 ein unerfreuliches Zusammentreffen mit den Olympiagegnern. Die Gegner machten sich einen Spaß daraus, den Fahrzeugkonvoi von Brücken mit Farbbeuteln zu bewerfen. Das war schon eine sehr bunte Angelegenheit, besonders für die Pressevertreter, die den Führungskonvoi auf einer offenen Fahrzeugtreppe begleiteten! Auch waren in diesem Jahr die nagelneuen Fahrzeuge eines großen deutschen Automobilherstellers in Berlin im Einsatz waren, die 6 Wochen zuvor ihren Einsatz während der Spiele in Barcelona absolvierten.

Bild rechts: Kurz vor dem Ziel müssen sie raus!
Die "Jagd"
In der Nacht von Freitag auf Samstag vor dem entscheidenden Rennen war der Fahrdienst zusammen mit anderen führenden Organisatoren des BERLIN-MARATHON auf der Strecke unterwegs und machte unfreiwillig „Jagd“ auf unverbesserliche Gegner der Berliner Olympiabewerbung, die fleissig damit beschäftigt waren, alle Streckenschilder des MARATHON mit Anti-Olympia-Propaganda zu überkleistern.

Ausgerüstet waren sie gut; Fahrrad, Schal vorm Gesicht, Kleistereimer umgeschnallt und die Anti-Plakate im Rucksack. Dem Fahrdienst ist es in dieser Nacht gelungen, zwei Personen der Polizei zu übergeben und diverse noch kleisterfeuchte Plakate zu sichern, was auch den Ledersitzen der Nobelmarke eines Deutschen Automobilbauers nichts anhaben konnte. Nun war die Strecke wieder im alten Glanz hergerichtet und fit, einen Teil zur Bewerbung Berlins für Olympia 2000 zu leisten. Lief aber trotzdem schief!

Fuji und die vier Tage
Bei einer so großen internationalen Veranstaltung, wie es der BERLIN-MARATHON nun mal ist, haben wir auch die internationale Presse bzw. TV-Sender zu betreuen. Bei Fuji TV, einem japanischen TV-Unternehmen, gaben wir uns besonders viel Mühe.
Unser Team fuhr mit dem Fuji-TV-Team vier Tage die Marathonstrecke ab. Millimetergenau wurden dabei die Stärke der TV-Signale auf der Strecke gemessen und notiert. Jeder Baum, jede Brücke und jedes Hochhaus, was das Übertragungssignal stören könnte, wurde vermerkt.

An alles wurde gedacht, nur nicht an die Höhe des Brandenburger Tores. Die Werbebanner die während der Restaurierung des Tores angebracht waren hingen zu tief, um nicht zusagen sehr tief, als das Führungsfahrzeug das Tor passierte machte es nur „plopp“ und die Richtantenne hing seitlich am Fahrzeug. Der japanische Techniker kletterte flink wie ein Affe an dem fahrenden Wagen empor und befestigte die Antenne wieder so gut wie es unter diesen Umständen möglich war, Glück gehabt!

Bild rechts: Blick aus dem Führungswagen auf die führenden Läufer
Vaseline
Einer unserer TOP-Athleten benötigte für seine Vorbereitungen zum Rennen 500 ml Vaseline! Einem männlichen Fahrer den man mit diesem Auftrag mitten in der Nacht zu einer Apotheke schickt, gehen dabei sehr peinliche Gedanken durch den Kopf. Sein rot angelaufenes Gesicht bei der Bestellung und das Grinsen des Apothekers gaben ihm den Rest, das Gelächter bei uns kann man sich sicherlich vorstellen.

Der leere Tank
Unsere Zusammenarbeit mit Sponsoren oder besser gesagt mit deren Mitarbeitern trieb uns schon mal die Schweißperlen auf die Stirn. So hatten wir das Vergnügen, einen Fahrer gestellt zu bekommen, der dann mit dem eigentlichen Führungswagen inklusive leerem Tank ins Startgebiet einfuhr!
20 Minuten vor dem Start wurde dies dann bemerkt, also flott zur nächsten Tankstelle. Die Sekunden kamen uns wie Stunden vor. Als der Wagen endlich seine Position einnahm, hatten wir noch 30 Sekunden bis zum Start, das war schon eine heiße Kiste.

Die Poller
Unserer Presse kann uns wirklich für so manche Story dankbar sein. Einem unserer Fahrer war nicht bewusst, was die Anwesenheit eines Journalisten der größten deutschen Boulevardzeitung in seinem Bus während des Rennens für Auswirkungen haben könnte. Mit Erfolg beschädigte er eine am Fahrzeug offen gelassene Schiebetür beim rückwärts fahren.
Leider wurde der Fahrvorgang jäh durch das plötzliche Auftauchen eines steinernen „Begrenzungspollers“ unterbrochen. Am nächsten Morgen konnten wir den Unfallbericht mitsamt Fahrernamen, Geschlecht, Fahrzeugtyp usw. detailgetreu in der Tagespresse nachlesen. Diese Geschichte wird unser Fahrer wohl bis weit ins Rentenalter immer wieder von uns hören.

Problem
Technik ist halt Technik und kann auch schon mal nicht so funktionieren wie sie eigentlich soll. „Houston - wir haben ein Problem“. Der Fahrer einer unserer Führungswagen hatte nicht definierbare Probleme mit seiner Fahrzeugtechnik und schlich sich, so hoffte er, unsichtbar ins Ziel.
Schon peinlich wenn man motorisiert nur den 4. Platz belegt. Er bekam daher, unter großem Gelächter, von uns nur die rostige Blechmedaille verliehen.

Die Schwingspule ... und noch 10 Sekunden bis zum Start
Nett war auch unser damaliger Führungswagen mit Schwingspule. Tja, damals war die Technik in Bussen mit E-Antrieb noch nicht so ausgereift wie in den Folgejahren. Dieses Fahrzeug konnte nur bei absolutem Stillstand der Schwingspule gestartet werden. Kurz vor dem Start wurde dieses Fahrzeug vom Fahrer abgewürgt!
Die Panik bei „Polten“ wurde immer größer, als die Ansage vom Sprecher zu hören war noch „10 Sekunden bis zum Start“.

Der Rücken war bei ihm schon nass, als er den Wagen ca. 5 Meter vor dem ersten Läufer starten konnte und mit einem Kavalierstart das Rennen eröffnete.

Haltebolzen
Für große Augen bei unseren Athleten sorgte auch die große Schiebetür in einem Bus, bei der ein Haltebolzen fehlte. Beim Öffnen der Tür hakte diese sich aus und hing auf halb acht.
Unser Fahrer öffnete ohne eine Miene zu verziehen die Beifahrertür und arretierte die Schiebetür mit dem Sicherheitsgurt.
Die moderne Technik hat so manches Mal die Tücken im Detail. Wer „rechnet „ schon damit, dass sich ein Fahrzeug komplett verriegelt wenn man nicht im Wagen ist. Wenn dann auch noch der Fahrzeugschlüssel im Wagen ist, hat man schon sehr schlechte Karten.

Die "blue line"!
Unsere berühmte „blue line“ hat uns schon so manche Nachtschicht arbeiten lassen. Normal würde man denken, dass etwas Farbe auf die Strassen einer Weltmetropole aufzutragen einfach ist. Im Prinzip ja, aber ... die liebe Technik hat nun mal auch hier so oft ihre Tücken. Wir beginnen mit den Markierungen schon in der Nacht vom Montag auf Dienstag in der Veranstaltungswoche. Durch technische Pannen oder Regen kam es auch schon vor, dass wir erst 5 Tage später am Samstagmorgen gegen 5.00 Uhr früh die „blue line“ fertig melden konnten!

Auch wenn das Team nach 10 Tagen völlig ausgelaugt und übernächtigt nach Hause geht, hören wir immer wieder die gleichen Worte:
„Schade das es vorbei ist, wir freuen uns schon auf nächste Jahr“.

Mario Mahn und Frank Tschugg
Fahrdienst des real,- BERLIN-MARATHON

PS: ... wird 2005 fortgesetzt!


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