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Hallen-EM in Madrid: Keine Medaille für deutsche Läufer, Spanier hofften vergeblich auf Triumph

Zwei deutsche Läuferinnen im Finale über 800 - Mockenhaupt: Trotz eines guten Laufes im 3.000-m-Finale reichte es ganz knapp nicht zu einer Medaille

07.03.2005

Am Schlusstag der Hallen-Europameisterschaften blieb den Spaniern der erhoffte Triumph in einer Laufdisziplin versagt – irgendeiner war immer schneller, egal in welchem Finale.
Für die deutschen Läufer gab es keine Medaille.

Borsakowski gut vertreten
Über 800 m war es der Russe Dimitri Bogdanow, der das Vier-Runden-Rennen in 1:48,61 Minuten gewann. Silber und Bronze gab es dann für Spanien: Antonio Manuel Reina wurde Zweiter in 1:48,76 Minuten, Juan de Dios Jurado lief auf den Bronzeplatz mit 1:49,11. Damit hat Dimitri Bogdanow seinen prominenten Landsmann Juri Borsakowski perfekt vertreten. Der Olympiasieger, dessen 1:46,10 Minuten sogar reichen, um die Jahresweltbestenliste anzuführen, hatte auf diese Titelkämpfe verzichtet.
Deutsche Läufer waren über 800 Meter nicht am Start in Madrid.

Bogdanow und die Spanier reagierten
Der Mann mit der schnellsten Zeit im Rennen setzte sich zunächst an die Spitze: Der Holländer Arnoud Okken führte das Feld nach flotten 25,98 Sekunden durch die 200-m-Marke. Gleich dahinter hatten sich die beiden Spanier einsortiert. Nun wurde das Tempo plötzlich deutlich langsamer. Fast eine halbe Minute lang war das Feld auf der zweiten Runde unterwegs. So war die Hälfte nach 55,54 Minuten erreicht, und immer noch führte Arnoud Okken. Eine Runde vor Schluss lagen der Brite James McIlroy und Okken fast gleichauf (1:22,80). Der Brite startete dann einen Vorstoß gut 100 Meter vor dem Ziel und ging am Holländer vorbei, doch Bogdanow und die Spanier reagierten ebenfalls. Am Ende musste sich McIlroy mit Rang vier zufrieden geben (1:49,33).

Größter Erfolg seiner Karriere
„Es lief genau, wie ich mir das gewünscht hatte. Ich wollte mit viel Tempo aus der Zielkurve kommen, um meine Schnelligkeit einsetzen zu können. Das hat funktioniert, obwohl ich Respekt hatte vor Reina“, erklärte der 25-jährige Hallen-Europameister, der ein Trainingspartner von Juri Borsakowski ist und nun in Madrid den größten Erfolg seiner Karriere feierte.
Bei Olympia war Dimitri Bogdanow, der bisher erst eine Freiluft-Bestzeit von 1:45,84 Minuten hat, in Athen im Vorlauf ausgeschieden.

„Vor dem Rennen war ich mir ziemlich sicher, dass ich gewinnen würde“, erklärte Antonio Manuel Reina. „Ich musste bis zur Zielgerade warten mit meinem Angriff, aber dann hat es nicht gereicht. Ich werde es in zwei Jahren wieder versuchen.“

Drei Spanier im Nacken
Über 1.500 m saßen ihm drei Spanier im Nacken, doch Ivan Heshko blieb cool und lief dem Trio einfach davon. Der Ukrainer wurde Hallen-Europameister über 1.500 Meter in flotten 3:36,70 Minuten, einem Meisterschafts-Rekord. Auf den nächsten Rängen folgte dann das spanische Trio.
Juan Carlos Higuero wehrte in 3:37,98 Minuten am Ende den Angriff von Reyes Estévez (3:38,90) ab, was Arturo Casado (3:38,94) nicht gelang. Am Tag nach dem 3.000-m-Finale gewann Estévez die zweite Bronzemedaille bei diesen Titelkämpfen. Es war nicht das Rennen des Wolfram Müller (LAV Asics Tübingen), der in enttäuschenden 3:46,35 Minuten als Siebenter ins Ziel kam.

Im Sommer auf 3:28 oder 3:29 Minuten steigern“
„Ich hatte mir zweierlei Taktiken vorher überlegt. Die eine Möglichkeit wäre gewesen, mich in einem langsamen Rennen nur auf meine Spurtkraft zu verlassen, die andere war das schnelle Tempo – für diese zweite Variante habe ich mich entschieden. Es war mir klar, dass es für Estévez sehr hart werden würde nach dem gestrigen 3.000-m-Finale – davon erholt man sich nicht so schnell“, erklärte Ivan Heshko. Der 25-jährige Ukrainer hatte vor zwei Jahren Bronze bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Paris gewonnen und war dann Zweiter bei der Hallen-WM in Budapest vor einem Jahr. Nun gewann er Gold und kündigte an: „Im Sommer möchte ich mich auf 3:28 oder 3:29 Minuten steigern“

Lange auf diese EM vorbereitet
„Ich hatte gehofft, dass Heshko nach dem schnellen Anfangstempo am Ende vielleicht etwas müde werden würde, aber das passierte nicht“, erklärte Spaniens Silbermedaillengewinner Juan Carlos Higuero, der am Anfang der Woche noch an einer Erkältung laboriert hatte. „Ich hatte mich lange auf diese EM vorbereitet, denn ich wollte unbedingt unter die Top drei.“

Vier Läufe in drei Tagen
Zufrieden war auch Reyes Estévez: „Ich habe vier Läufe aus drei Tagen in den Beinen und habe dabei zwei Medaillen gewonnen. Das war eine Herausforderung, denn ich wusste, dass das sehr schwer werden würde. Deswegen bin ich stolz auf meine Leistung“, erklärte Estévez.

„Ich denke, wenn ich in der letzten Runde noch dran bin, wäre einiges möglich“, hatte Wolfram Müller vor dem Finale gesagt. Doch bei dem hohen Tempo verlor er nach der ersten Hälfte deutlich den Kontakt zur Spitzengruppe und hatte keine Chance.

Zwei deutsche Läuferinnen im Finale
Mit 34 Jahren hat währenddessen Larisa Shao ihre erste große Medaille gewonnen. Die Russin siegte über 800 Meter in 1:59,97 Minuten vor der frenetisch angefeuerten Spanierin Maite Martínez (2:00,52) und Natalja Tsyganowa (Russland/2:01,62). Zwei deutsche Läuferinnen erreichten das Finale: Monika Gradzki (TV Wattenscheid/2:02,53) und Claudia Gesell (Bayer Leverkusen/2:04,06) mussten sich aber mit den Rängen fünf und sechs zufrieden geben, wobei Gradzki ein sehr mutiges Rennen zeigte. Die dritte deutsche Starterin, Janina Goldfuß (TV Wattenscheid) war mit 2:05,64 Minuten als Vierte ihres Vorlaufes ausgeschieden.

Eine Flucht nach vorne
Es war Monika Gradzky, die sich gleich nach dem Start an die Spitze setzte und mit dafür sorgte, dass das Anfangstempo in diesem Finale hoch war. Während die Wattenscheiderin an der Spitze beziehungsweise unmittelbar dahinter rannte, hatte sich Claudia Gesell ganz hinten einsortiert. „Es war eine Flucht nach vorne – ich habe es versucht, es leider nicht geklappt. Die anderen sind eben doch noch stärker“, erklärte Monika Gradzki später. Bei der 400-m-Marke, die in 59,72 Sekunden erreicht wurde, führte sie wieder. Und das war auch noch bei 500 Metern so, während Gesell immer noch ganz hinten lag und aus dieser Position auch nicht mehr weg kam.

In der letzten Runde noch auf Bronzerang
Als es in die letzte Runde ging, war Monika Gradzki immer noch auf einem Bronzerang. „Ein bisschen hatte ich gehofft, den Platz halten zu können. Aber ich war schließlich auch die Athletin mit der schwächsten Zeit in diesem Finale“, sagte Monika Gradzki, die nun im Sommer die WM-Qualifikation anstrebt. Dazu muss sie 2:00,00 Minuten laufen. Es war in Madrid nicht das Finale der Claudia Gesell. „Das Tempo war zu schnell für mich. Es ging heute einfach nicht mehr.“

Die schweren Beine der Ceplak
„Ich wollte am Ende von der Spitze aus laufen“, erklärte Larisa Shao, die schließlich den Angriff der Spanierin Maite Martínez abwehrte. „Jetzt möchte ich meine Freiluft-Bestzeit verbessern“, erklärte Larisa Shao, die dort bisher 1:58,71 Minuten erzielt hat. Sensationell im Vorlauf gescheitert war am Freitag die Titelverteidigerin und Hallen-Weltrekordlerin Jolanda Ceplak (Slowenien). „Ich habe keine Ahnung, was passiert ist, aber ich hatte schwere Beine“, sagte Ceplak.

Bitteres Ende der Hallensaison für Mockenhaupt
Für Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) gab es ein bitteres Ende der Hallensaison. Trotz eines guten Laufes im 3.000-m-Finale reichte es ganz knapp nicht zu einer Medaille. In einem spannenden Finale hatte zunächst die favorisierte Britin Jo Pavey das Tempo bestimmt. Nach flotten 2:54,61 Minuten hatte sie 1.000 Meter absolviert, nach zwei Dritteln der Distanz führte sie immer noch (5:54,83). Doch die 31-Jährige wurde ihre Verfolgerinnen nicht los, brach dann regelrecht ein und gab sogar auf.
Lidia Chojecka (Polen) war an ihr vorbeigestürmt und lief in 8:43,76 Minuten zur Goldmedaille. Die für die Türkei startende Tezeta Desalegn-Dengersa gewann Silber in 8:46,65, Bronze ging an Susanne Pumper (Österreich/8:47,74), die zwei Hundertstelsekunden Vorsprung vor der am Ende stark aufkommenden Sabrina Mockenhaupt ins Ziel rettete.

„Ich habe die Jahresweltbestzeit über 1.500 Meter, war mir aber nicht sicher bezüglich meiner Sprintfähigkeit. Deswegen habe ich mich für die 3.000 Meter entschieden – das hat sich ausgezahlt“, erklärte Lidia Chojecka später. Im Sommer sollen jedoch wieder die 1.500 m im Mittelpunkt stehen.


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