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Halbmarathon-Jubiläum (1): Interview mit Horst Milde

31.03.2005

Wie kam es 1984 zum ersten Halbmarathon, was waren die Hintergründe, ein solches Rennen zu starten?

Horst Milde: „Der BERLINER HALBMARATHON Anfang September war anfangs ,Die Generalprobe’ für den Marathon, der vier bis fünf Wochen später gestartet wurde. Man konnte seine Form testen und sich für den BERLIN-MARATHON anmelden. Die Generalprobe war ein Lauf, der zunächst nur regionalen Zuschnitt hatte. Ich wollte außerdem das Programm des Angebots unserer Läufe erweitern – wir hatten ja schon eine große Palette unter anderem mit dem BERLIN-MARATHON, dem Crosslauf, einem 25-km-Lauf oder dem Silvesterlauf. Es fehlten also noch die 21,1 km. Bei Insidern war dieser Lauf schon damals einer, der sehr viel Zukunft hatte. Die Bestätigung für diese Annahme kam dann, als die IAAF den Lauf mit in das WM Programm nahm. Das Jahr 1984 war sowieso schon ein Jahr der ,Novitäten’ – hier führte ich den ersten 10-km-Lauf im Tiergarten ein (statt vorher nur im Grunewald), den AVON Frauenlauf und die Serie ,Mit dem SCC in die Ferien’ im Tiergarten.“

Wie war die Situation in der Zeit der Wende, wie kamen die Verbindung zum Friedenslauf und der Zusammenschluss zustande?

Horst Milde: „Stefan Senkel war der Organisator des Friedenslaufes in der DDR. Ich habe selbst bei diesem Lauf Mitte der 80er Jahre teilgenommen. Der Friedenslauf war für uns kein Konkurrent. Der Friedenslauf war der östliche Gegenpart zum BERLIN-MARATHON. Ende 1989, nach dem Mauerfall, habe ich mich dann mit Stefan Senkel zusammengesetzt, denn ich wollte einen gemeinsamen Neujahrslauf durch Ost und West veranstalten. Ich kannte mich im Osten zu der Zeit wenig aus und so sollte Stefan Senkel mit dem entsprechenden Ost-Berliner Fachausschuss für Leichtathletik den Ostteil Berlins organisieren wie beispielsweise die Streckenführung planen u.a.m. Dann am 1.1.1990 haben wir gemeinsam den Neujahrslauf mit weit über 20.000 Teilnehmern aus aller Welt gestartet von West nach Ost – durch das Brandenburger Tor – und zurück nach West. Stefan Senkel legte dann den Friedenslauf nach der Wiedervereinigung mit Streckenteilen auch durch West-Berlin. Wir haben dann besprochen, wie wir nach dem Neujahrslauf dann auch den Friedenslauf gemeinsam organisieren können. Der SCC übernahm dann ab 1991 auch das wirtschaftliche Risiko und von nun an war es ein gemeinsamer Lauf der zuerst auch noch weiterhin für eine Weile Friedenslauf hieß. Seit 1992 steht der BERLINER HALBMARATHON komplett unter der Federführung des SCC und wurde auch in das Frühjahr verlegt. Seit dieser Zeit heißt er auch nicht mehr offiziell Friedenslauf. Die Übergabe an sich lief wenig bürokratisch ab, wir einigten uns, um in der jetzt nicht mehr geteilten Stadt einen attraktiven Lauf für die Bevölkerung anzubieten – und wie man heute sieht – ist es ein Erfolg geworden.“

Warum haben Sie auf die Halbmarathon-Distanz gesetzt, die damals ja international noch keine große Rolle spielte?

Horst Milde: „Man muss als Veranstalter variieren, und ich wollte möglichst viele Strecken im Programm im Laufe des Jahres anbieten. Einen Halbmarathon schafft man auch mit geringem Trainingsaufwand, es soll ja zunächst eine Art Einstieg in den Marathon sein. In England und Schweden hat sich gezeigt, wie viel Potenzial ein Halbmarathon haben kann. Er kommt gut bei der Bevölkerung an, und nicht nur bei den Laufassen. Hintergrund ist der, dass man das Winterhalbjahr, insbesondere in Nordeuropa, nur eingeschränkt für einen Marathon trainieren kann, aber für einen Halbmarathon reicht es gerade noch so. Ich habe aber auch ein wenig Glück gehabt, früh genug als Veranstalter auf die Halbmarathondistanz zu setzen.“

Der Lauf wurde dann ins Frühjahr verlegt, was waren die Hintergründe dafür?

Horst Milde: „Ich wollte einen Frühjahrslauf als Aufgalopp für die kommende Laufsaison. Dann sollte es auch ein Gegengewicht zum BERLIN-MARATHON im Herbst sein. Auch organisatorisch war es sinnvoller, einen Lauf im Frühjahr zu haben und nicht kurz vor dem BERLIN-MARATHON. Für die Athleten war es ein idealer Einstieg, um die Form zu testen für die großen Läufe. Joyce Chepchumba ist hier beim BERLINER HALBMARATHON mehrfach gelaufen und zwei Wochen später hat sie den London-Marathon gewonnen. Wir haben auch beim Halbmarathon eine super flache und damit schnelle Strecke, auf der schon zweimal der Europa Rekord gelaufen wurde. Ich wollte der Berliner Bevölkerung etwas anbieten, da der BERLIN-MARATHON ja doch für einige ein wenig zu lang ist. Es war gute und richtige Entscheidung.“

Was war aus Ihrer Sicht der Höhepunkt des BERLINER HALBMARATHON?

Horst Milde: „Im Grunde waren es die Europarekorde von Carsten Eich (1993) und später dann von dem Spanier Fabián Roncero (2001). Als Carsten Eich den Europarekord lief, wurde dies international nur beifällig zur Kenntnis genommen aber das war für uns und auch Carsten Eich etwas Besonderes. Der Europarekord von Roncero, der das erste Mal unter einer Stunde blieb, sorgte international schon für Schlagzeilen, das war natürlich etwas Tolles und machte den BERLINER HALBMARATHON schon zu einem internationalen Ereignis und zu einem Aushängeschild für die Sportstadt Berlin. Eine andere Attraktion ist der Standort und die Streckenführung. Das Start- und Zielgebiet am Lustgarten und dem Dom ist wunderschön, der Lauf unter anderem durch das Brandenburger Tor zeigt den Teilnehmern die touristischen Höhepunkte der Stadt. Die Strecke ist eine reine Sightseeing-Tour durch die City, es fehlt eigentlich nur noch das Olympiastadion, um alles gesehen zu haben.“

Hätten Sie gedacht, dass sich der BERLINER HALBMARATHON so gut entwickeln könnte?

Horst Milde: „Ja, es war eigentlich so geplant, und wenn ich ehrlich bin, war ich anfangs etwas deprimiert, dass es so lange gedauert hat, bis der BERLINER HALBMARATHON die gewünschte Form und die Größenordnung angenommen hat. Die deutschen Läufer haben diesen Lauf noch nicht als das Nonplusultra in ihrer Jahresplanung angesehen. Der BERLIN-MARATHON war immer in den Hinterköpfen der Läufer als das Highlight des Jahres. Es ist noch viel Luft für die weitere Entwicklung des Laufes drin, es hat ja auch viele Jahre gedauert bis der BERLIN-MARATHON so groß geworden ist, wie er heute ist. Man muss als Veranstalter auch die entsprechende Ausdauer und sein Ziel vor Augen haben und dann natürlich auch immer ein ,glückliches Händchen’ haben.“

Das Interview führte Marisa Reich.


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