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10.000 m Europa-Cup - „Mocki“ überzeugt in Barakaldo

Sabrina Mockenhaupt gewinnt die European-10 000 m-Challenge in 31:21,38 – Pollmächer und Koch laufen EM-Norm

04.04.2005

Die Erinnerungen von Sabrina Mockenhaupt an Barakaldo waren keineswegs ermutigend, wie überhaupt ihre bisherigen Auftritte bei der European 10.000 m-Challenge. Davon möchte Sabrina Mockenhaupt nach ihrem überzeugenden Sieg in persönlicher Bestzeit von 31:21,38 Minuten nun auch nichts mehr wissen. „Ich kann es nicht verleugnen, im Vorfeld sind mir schon die Erinnerungen an 2001 gekommen, als ich 700 Meter vor dem Ziel ausgestiegen war. Aber inzwischen ist doch viel passiert, habe mich kontinuierlich von Jahr zu Jahr gesteigert und bin sehr gut vorbereitet in das Rennen gegangen. Ich denke, dass ich inzwischen bewiesen habe, dass ich alles andere als eine Gauklerin bin!“

Mockenhaupt nahm das Heft in die Hand
Die Art und Weise, wie die Siegerländerin in Barakaldo auftrat, das zeugt von einer ordentlichen Portion Reife und Selbstsicherheit. Schon nach 3000 m und einer Zwischenzeit von 9:27,07 Minuten übernahm Sabrina Mockenhaupt das Heft in die Hand, nachdem bislang die Tansanierin Ruhama Shauri die kleine Spitzengruppe auf die vereinbarte Pace in Richtung WM-Norm von 31:40 angeschleppt hatte. „Das war ihr schon etwas zu langsam“ gestand Bundestrainer Detlef Uhlemann in der Rennanalyse, „deshalb ist sie nach vorne gegangen. Sie hat das Rennen konzentriert und souverän Runde für Runde gestaltet. Als ich Mocki signalisierte, dass es in Richtung Bestzeit geht, dann hat sie auch noch eine sehr starke Schlussphase hingelegt!“ Spätestens nach 5000 m (15:40,79) hatte die 24jährige auch ihre hartnäckigen Verfolger, die frühere 10 000 m-Olympiasiegerin Fernanda Ribeiro und die inzwischen für Frankreich laufende gebürtige Kenianerin und Vorjahressiegerin Margaret Maury abgeschüttelt und musste die zweiten zwölfeinhalb Runden alleine an der Spitze gegen den doch störenden Wind bestreiten.

Erster deutscher Frauensieg
Mit einem blitzsauberen Schlusskilometer von 3:04,41 sorgte Sabrina Mockenhaupt für den ersten deutschen Frauensieg in der Challenge-Geschichte. Erst vierzig Sekunden später wurde der Kampf um Rang zwei entschieden: Mit einem Spurt rettete Fernanda Ribeiro in 32:03,22 Rang zwei vor der aufkommenden Russin Viktoryia Klimina (32:04,57) und Margaret Maury, die merklich abbaute und letztlich mit 32:23,87 nur Vierte wurde.

Führt die Weltbestenliste an
Mit 31:21,38 Minuten ist Sabrina Mockenhaupt nach Barakaldo nicht nur nunmehr die drittbeste deutsche Langstrecklerin, sondern führt derzeit auch die Weltbestenliste der jungen WM-Saison 2005 an. „Ich hatte nach meinem Abschlusstraining ein gutes Gefühl und sogar noch meinen Eltern vor dem Abflug gesagt, dass ich das Rennen in Barakaldo gewinnen würde“, gestand sie ihre Absichten für die European 10 000 m-Challenge ein. „Damit ist doch die Peinlichkeit von 2001 vergessen. Oder?“ fragte Mocki eher zur Bestätigung ihrer starken Vorstellung am Samstagabend im Baskenland. Und blickt bereits mit Zuversicht in die weitere Saison. „Nach Barakaldo weiss ich, da wird noch einiges kommen! Mit dieser Leistung weiss ich, dass ich mich künftig noch weiter nach vorne orientieren kann. Es kommt nur darauf an, welche Ansprüche man formuliert!“ „Mocki hat weiss Gott keine Namenlose geschlagen, sondern mit Ribeiro und Maury internationale Klasseläuferinnen“, lobt Uhlemann die Siegerländerin.

Demonstration der spanischen Männer
Der 10 000 m-Lauf der Männer wurde zu einer Demonstration der Leistungsfähigkeit der Spanier. Juan Carlos de la Ossa, der Cross-EM-Zweite von Heringsdorf, wurde bis zur Sechs-Kilometer-Marke durch den Tansanier Cuthbert Nyasango geführt, dann war auch er alleine auf sich gestellt. Mit 27:27,80 Minuten stellte der Spanier wie zuvor schon Sabrina Mockenhaupt eine Saison-Weltbestmarke auf und erzielte zudem eine Endzeit, die sich bestens einzufügen lässt in die Auftritte von Dieter Baumann (1997, 2002), Fabian Roncero (1998), Alberto Garcia (2000) und José Manuel Martinez (2004). De la Ossas Landsleute Carlos Castillejo (28:06,88) und Ricardo Serrano (28:19,20) sicherten Spanien den fünften Teamerfolg vor Portugal und Deutschland, für das erstmals nach langer Durststrecke wieder einmal mit André Pollmächer, Stefan Koch und Oliver Dietz ein komplettes Team am Start war.

Deutsche Youngster im Männerwettbewerb
Und die Leistungen der beiden Junioren sind überaus respektabel, während Oliver Dietz immer in der Folge seiner Erkrankung noch längst nicht wieder so stark ist wie er sich im Vorjahr bei dem Gewinn der 5000 m- und 10 000 m-Meistertitel präsentierte. Auch wenn die Youngsters im Männer-Wettbewerb anfänglich Orientierungsprobleme hatten, sie lösten ihre Aufgabe mit der Zielstellung, die Norm von 29:35 für die U 23-EM in Erfurt zu unterbieten, mit Bravour. „Das sind doch Klassezeiten“, freute sich Bundestrainer Uhlemann diebisch. Mit 29:10,54 und 29:19,01 übererfüllten André Pollmächer und Stefan Koch die Vorgaben, die die beiden Junioren auf die Ränge 12 und 14 führten. „Unsere Junioren haben sich bis 9000 prächtig abgewechselt und Leistungen abgeliefert, die sogar unter der letztjährigen DLV-Jahresbestzeit liegen!“ Mit einem zum „Punktelieferanten“ degradierten Oliver Dietz (Achtzehnter in 30:03,27) wurden die DLV-Vertreter hinter Spanien und Portugal letztlich Dritter.

Vor allem André Pollmächer zeigte sich völlig überrascht über diesen Leistungssprung. „Ich habe mit einer Zeit im Normbereich gerechnet, vielleicht einige Sekunden darunter. Aber das kommt völlig unerwartet!“ Trotz der starken Vorstellung in Barakaldo möchte der 22jährige Polizist beim Bundesgrenzschutz zusammen mit seinem Trainer Bernd Diesner zunächst noch der 5000 m-Strecke den Vorzug geben. „Die 10 000 m sind für Erfurt nun definitiv gesetzt“, erklärt Pollmächer, nach seinem ersten durchgelaufenen 10 000 m-Rennen, nachdem sein erster Versuch im Dantestadion in München vorzeitig endete.

Wilfried Raatz

Ergebnisse unter www.european-athletics.org


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