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Aus für die Deutschen 10 km-Meisterschaften?

Diskussion entzweit das Langstreckenlager – Für und Wider halten sich die Waage – Entscheidung in zwei Schritten: Erst Jugend und im Folgejahr die Aktiven? – Verbandsgremien entscheiden in Kevelaer

05.04.2005

Kaum eingeführt, schon wieder abgeschafft?

So könnte es mit den deutschen 10 km-Meisterschaften geschehen, die nicht erst seit der Frankfurter Lauftrainertragung im Februar in der Diskussion stehen. Landauf landab diskutieren Verbands- und Vereinstrainer über Sinn und Unsinn von 10 km-Meisterschaften, aber auch gleichermaßen über die Termingestaltung und die Austragungsorte.

Diskutieren aber auch zugleich über die zugegeben prekäre Situation im deutschen Langstreckenlauf und das Wie, um aus dem Dilemma heraus zu kommen. Auf Antrag des Hessischen Leichtathletik-Verbandes wurden 2001 die 10 km-Titelkämpfe eingeführt, die Jugendklassen im Folgejahr von den gewöhnungsbedürftigen 7,5 km und 15 km auf die 10 km-Strecke umgestellt und im Rahmen der Deutschen Halbmarathonmeisterschaften ausgetragen

Nach nur kurzer Anlaufzeit lässt sich freilich nicht nach dem Erfolg fragen, denn die Langfristigkeit ist auch oder gerade im Langstreckenbereich angesagt. Schneller als gedacht könnte aber schon bei der Tagung des Verbandsrates in Kevelaer das Aus für die 10 km kommen! Möglicherweise in Etappen. Zunächst für die Jugendlichen und bereits im Folgejahr für die Aktiven.

Zu viele Meisterschaften

„Wir haben auf der Langstrecke zu viele Meisterschaften und zu wenig Leistungsträger“, bringt es Detlef Uhlemann, der neue DLV-Verantwortliche für den Langstreckenbereich, auf den Punkt. „Die Gefahr des Verzettelns ist zu groß. Unter diesem Ansatz bin ich für ein Abschaffen. Wir brauchen diese Meisterschaft nicht!“

Uhlemann sieht in erster Linie in der Überbeanspruchung der Langstreckler, weil sie, durchaus unter dem Druck der Vereine und Sponsoren, auf „allen Hochzeiten tanzen“ und keinen systematischen Trainingsaufbau mehr betreiben können, Gründe für den Rückgang des Leistungsniveaus und die gestiegene Verletzungsanfälligkeit. Dies vor allem im Verständnis, dass Meisterschaften in erster Linie für die ambitionierten, leistungsorientierten Läufer einen herausragenden Stellenwert haben.

10 km-Meisterschaften im Frühjahr geben keinen Sinn mehr

Werner Grommisch, der sich seit Jahren mit dem Straßenlauf-Nachwuchs von Verbandsseite aus beschäftigt, klagt ein „kontinuierliches Anforderungsprofil“ ein, das den Weg zur Langstrecke und damit auch zur Straße ebnet. „Mein Herz hängt nicht mehr unbedingt an den 10 km-Meisterschaften für die Jugendlichen“, gesteht Grommisch, „10 km-Meisterschaften im Frühjahr geben keinen Sinn mehr, weil wir uns für die Verlegung der Crossmeisterschaften entschieden haben. Im Herbst verlängert es in vielen Fällen nur die Saison!“ Grommisch verweist in diesem Zusammenhang allerdings auch auf seine Erfolge mit dem einstigen Straßenkader, in dem junge Talente wie die aktuell als Leistungsträger einzustufenden Martin Beckmann oder Alexander Lubina zusammengefasst waren. „Natürlich ist auch eine Weiterentwicklung über die Bahn zur Straße möglich!“

Heinig ist enttäuscht

Enttäuscht ist hingegen der frühere Marathon-Bundestrainer Wolfgang Heinig von der handstreichartigen Entwicklung. „Wir haben viele Jahre für die Einführung gekämpft, jetzt soll diese Meisterschaft sehr rasch wieder abgeschafft werden!“ In Ohrdruf führte Heinig bereits an, dass durch das Streichen der Jugendstrecke die Halbmarathonmeisterschaften auch zu einer Rumpfveranstaltung mutieren würden, die mehr und mehr mangels Attraktivität an die Peripherie verdrängt werden könnte.

Gegen die Abschaffung

Der hessische Verbandspräsident Wolfgang Schad wird sich mit einer Initiative in Kevelaer mit aller Kraft gegen die Abschaffung stemmen. „Es gibt mehrere Gründe, die gegen eine Abschaffung der 10 km-Meisterschaften und des Jugendwettbewerbes sprechen. Die Empfehlung des Leistungssportes hat in einer Abstimmung nur eine knappe Mehrheit erhalten, die Entscheidung der Landesjugendwarte ist unter fragwürdigen Umständen zustande gekommen und vor allem aus sportpolitischen Gründen muss ich Nein sagen.
Ich werde aber der Letzte sein, der sich überzeugenden Argumenten verschließen würde!“

Wilfried Raatz
 


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