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Julio Rey – der König an der Alster

Spanier dominierte zum dritten Mal beim Hamburg-Marathon – Sieg in 2:07:38

24.04.2005

Der 33jährige Spanier Julio Rey ist der König an der Alster. Nach seinen Siegen 2001 und 2003 dominierte Rey auch bei der 20. Auflage des Hamburg-Marathon, der seit 2003 Olympus Marathon Hamburg heißt. Nach dem frühen Ausscheren aus der "afrikanischen Spitze" war der Vizeweltmeister von 2003 praktisch schon nach 25 km alleine auf sich angewiesen. Mit 2:07:38 Stunden verpasste der Spanier bei strahlendem Sonnenschein, 700 000 Zuschauern an der Strecke, aber störendem Wind die von Martin Lel beim London-Marathon aufgestellte Jahresweltbestleistung nur um 12 Sekunden, den von ihm selbst gehaltenen Kursrekord um 11 Sekunden. Frappierend dabei die Leistungsdichte von Julio Rey, der mit einer Streuung von nur 18 Sekunden bei seinen drei Auftritten an der Alster seine absolute Weltklassezugehörigkeit untermauern konnte und wie kaum einer der Topathleten eine Garantie auf 2:07er Endzeiten zu sein scheint.
Aber es war nicht nur ein Feiertag für Julio Rey, sondern auch für die kenianische Debütantin Edith Masai, die ihren ersten Versuch nach einer insgesamt vierzehnwöchigen Vorbereitungsphase in Njambini auf 2 200 m Höhe mit dem Sieg in 2:27:06 Stunden abschloss und nach ihren drei Cross-Weltmeisterschaften mit nunmehr 38 Jahren eine Langstreckenkarriere anstrebt. In der sportlichen Bilanz der Jubiläumsveranstaltung passt auch die neue Weltrekordzeit des blinden Henry Wanyoike, der im zweiten Marathon innerhalb von nur einer Woche mit 2:31:31 die zweite Verbesserung schaffte. Jubel auch bei Claudia Dreher, die nach längerer (Marathon-)Durststrecke endlich wieder einmal eine auch international relevante Endzeit auf den Asphalt legte. Mit 2:29:49 Stunden schaffte sie nicht nur hinter Edith Masai und der Polin Malgorzata Sobanska mit Rang drei den Sprung auf das Treppchen, sondern unterbot auch das vom DLV für die Teilnahme bei den Weltmeisterschaften in Helsinki geforderte Limit von 2:32 Stunden deutlich.

Rey: „Mein Ziel war, spanischen Rekord zu laufen!“
„Ich bin froh, dass ich gewonnen habe“, gestand Julio Rey im Ziel, „auch wenn ich eigentlich nach Hamburg gekommen bin, um spanischen Rekord zu laufen“. Diesen hält seit 1999 nämlich Fabian Roncero mit 2:07:23 Stunden. Und hat auch zugleich den Grund parat, weshalb es bei der 20. Auflage des Hamburg-Marathons nicht geklappt hat: „Wenn ich heute nach 30 km noch einige gleichwertige Gegner gehabt hätte, wäre auch eine Zeit unter 2:07 möglich gewesen!“ In der Tat, den Drei-Minuten-Takt musste Rey erst dann verlassen, als er in der stimmungsvollen City Nord alle Mitstreiter zermürbt zurücklassen musste. Überraschend setzte sich im Kampf um Rang zwei der kenianische Debütant Wilfred Kigen in 2:09:18 vor dem Äthiopier Jote Ashebir Demissu (2:10:40) und Jacob Losian (2:11:49).Dmitri Baranovski lief als Fünfter mit 2:11:57 Hausrekord und war damit Stärkster der osteuropäischen Armada.

Schwarzer Sonntag für Martin Beckmann
Zum schwarzen Sonntag wurde der Start für Martin Beckmann, der von Michael Buchleitner glänzend bis zur 25 km-Marke geführt wurde, dann aber weitgehend auf sich alleine gestellt, ziemlich einbrach und mit indiskutablen 2:19:16 als Siebzehnter ins Ziel einlief. „Ich hatte Muskelschmerzen, aber so stark, wie ich diese noch nie hatte“, gestand Martin Beckmann im Ziel. „Das ist mein schlechtestes Marathon-Ergebnis, das ich jemals zusammengelaufen bin. Am Ende konnte ich nur noch joggen. Da ging nichts mehr!“

Edith Masai: Nach Hamburg nun New York? 
„Ich bin happy“, freute sich Edith Masai vor Journalisten. „Für mich war es natürlich wichtig zu finishen, vor allem, weil es mein erster Marathon ist!“  Und mit Blick auf kommende Aufgaben: „Das nächste Mal muss es natürlich schneller sein“. Wann und wo dieses allerdings sein wird, das möchte Edith Masai erst nach der WM in Helsinki entscheiden, wo sie die 10 000 m laufen möchte. „Ich kann mir gut New York vorstellen“, meint Dorothee Paulmann, ihre deutsche Managerin, „weil dort wie auch in Hamburg ASICS Sportsponsor ist“. Nach ihrem „Hamburger Experiment“ (so Edith Masai) weiß die Kenianerin allerdings auch, dass die 42,195 km-Distanz ihre eigenen Gesetze schreibt. „Auf den letzten fünf Kilometern habe ich gesehen, dass ein Marathon nicht leicht ist!“ Und daran muss die 38jährige dreifache Cross-Weltmeisterin fleißig arbeiten, denn nach dem zu frühen Ausscheren ihrer Tempomacher Vincent Krop und Michael Wafula Kituy war die Novizin zu früh alleine auf sich angewiesen.       

Claudia Dreher zum zweiten Mal unter 2:30 Stunden
Ganz im Gegensatz dazu die Verfolgerinnen, auch wenn mit der 10 000 m-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Fernanda Ribeiro eine der großen Mitfavoritinnen abgesagt hatte. Nachdem die früh zurückgefallende Vorjahressiegerin Emily Kimuria für Rang zwei nicht mehr in Betracht kam, konzentrierte sich hier der Kampf um die Plätze auf die 2:25-Läuferin Alina Ivanova, Malgorzata Sobanska, Kutre Dulecha und erfreulicherweise auf Claudia Dreher. Diese wirkte in dieser Gruppe stets einsatzfreudig und behielt auch in der „ruppigen Phase“, so die Gänsefurtherin über den rennentscheidenden Abschnitt nach der Halbdistanz, den Überblick. Während der Polin Sobanska ein entscheidender Vorstoß gelang, hielt Claudia Dreher ihre beiden starken Konkurrentinnen in Schach – und sicherte sich überraschend Rang drei. „Ich bin rundherum zufrieden, denn endlich bin ich wieder einmal unter 2:30 gelaufen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich über einen dritten Platz so gefreut habe wie heute!“

Dagegen braucht die junge Stephanie Maier noch Zeit für eine Marathon-Entwicklung. Die Freundin von Martin Beckmann lief in Hamburg ein braves Debüt, klagte über ihren zwangsweise erforderlichen Alleingang im Schlussdrittel und musste bei ihrem Debüt mit 2:40:36 zufrieden sein. Dagegen kehrte Melanie Kraus nach längerer Durststrecke in Hamburg leider nur bis zur Streckenhälfte auf einem guten Wege zur 2:30er Endzeit. In Blickweite zur Dreher-Gruppe baute sie allerdings im zweiten Abschnitt so deutlich ab, sodass die 2:34:30 kaum als Offenbarung für weitere Planungen gelten können.

Wilfried Raatz

Ergebnisse über www.mika-timing.de


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