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Dieters Laufstall - Lauftrainer Dieter Hogen im Porträt

13.05.2005

Dieter Hogen mit Uta Pippig beim Aufwärmen vor dem 100. Boston-Marathon 1997, den die ehemalige Berlinerin nach dramatischem Rennverlauf gewann. Foto: Impress/Steffens
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Dieters Laufstall - Lauftrainer Dieter Hogen im Porträt

In Kooperation mit RUNNER’S WORLD erscheint hier jeden Monat ein Thema aus dem aktuellen Heft

Kimbia Athletics – der ungewöhnliche Name einer neuen Trainingsgruppe in der internationalen Leichtathletik könnte passender nicht sein. „Kimbia“ ist Suaheli, die Hauptsprache der Kenianer, das Wort steht für „laufen“. Der deutsche Trainer Dieter Hogen und der US-Manager Tom Ratcliffe gründeten vor einigen Monaten diese Management-Gruppe. Kimbia konzentriert sich mit einer relativ kleinen Zahl von etwa 25 Athleten ausschließlich auf den Langstreckenbereich. Im Mittelpunkt steht dabei der Marathon, doch auch einige hochkarätige Bahn-Langstreckenläufer gehören zu Kimbia Athletics.

Hervorgegangen ist die Gruppe aus dem früheren Management von Kim McDonald (KIM). Der Londoner war einer der angesehensten Manager in der Leichtathletik-Szene, bevor er im Jahr 2001 plötzlich verstarb. Kim McDonald war einer der ersten, der Anfang der achtziger Jahre die Notwendigkeit erkannte, dass internationale Leichtathleten ein professionelles Management benötigen. Gleichzeitig erkannte er das Potenzial der kenianischen Läufer. Kim McDonald konzentrierte sich dabei fast ausschließlich auf den Laufbereich, wie heute Kimbia. „Sein Name und seine Philosophie leben in Kimbia weiter“, sagt Tom Ratcliffe, der über viele Jahre hinweg für das KIM-Management die US-Basis in Boston leitete.

Nach dem Tod von Kim McDonald gab es innerhalb von KIM unterschiedliche Interessen, die schließlich zu einem Bruch führten. Der Name KIM war bereits im vergangenen Jahr verschwunden. Die Londoner Gruppe nannte sich nun Pace-Management. Tom Ratcliffe und Dieter Hogen, der bereits in den neunziger Jahren als Trainer mit einer Reihe von kenianischen Marathonläufern McDonalds’ arbeitete, trennten sich Ende 2004 von Pace.

Zu den Athleten von Kimbia Athletics zählen profilierte Marathonläufer wie die Kenianer Evans Rutto und Timothy Cherigat. Rutto hatte gleich bei seinem Marathon-Debüt für eine Überraschung gesorgt. Er gewann 2003 den hochkarätigen Chicago-Marathon in 2:05:50 Stunden. Kein anderer Läufer, auch nicht Haile Gebrselassie (Äthiopien), war bei seinem Marathondebüt so schnell gelaufen. Anschließend gewann Evans Rutto in 2004 London (2:06:18 Stunden) und wiederum in Chicago (2:06:16). Es ist einmalig, dass ein Läufer seine drei ersten Marathonrennen in derartig hochkarätigen Zeiten gewann. Erst jetzt in London musste Evans Rutto seine erste Marathon-Niederlage hinnehmen. Er landete auf Rang zehn. Vor einem Jahr hatte auch Timothy Cherigat ein großes Rennen gewonnen, den renommierten Boston-Marathon. Danach wurde er Dritter in New York und nun Sechster in Boston.

Nicht nur Kenianer

Andere kenianische Topläufer, die jetzt bei Dieter Hogen trainieren, sind zum Beispiel Paul Koech, John Korir, Sammy Kipketer und Abraham Chebii. Paul Koech ist der Halbmarathon-Weltmeister von 1998, der bei seinem Marathondebüt in Chicago 2003 hinter Rutto Zweiter war in 2:07:07. John Korir ist einer der stärksten Straßenläufer über kürzere Distanzen. Er rennt und gewinnt meist in den USA. Sammy Kipketer hält den Weltrekord im 5-km-Straßenlauf mit 13:00 Minuten.

Abraham Chebii wurde im März Zweiter bei der Cross-WM. Die 5000 Meter sind seine Spezialstrecke, über die er vor zwei Jahren mit enormer Spurtkraft sogar die beiden Äthiopier Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele schlagen konnte. Auch Daniel Komen arbeitet derzeit unter Dieter Hogen. Einer der talentiertesten Langstreckler aller Zeiten, hatte er Mitte der neunziger Jahre für Aufsehen gesorgt, als er zum Widersacher von Haile Gebrselassie wurde. Noch heute hält er die Weltrekorde über 3000 Meter (7:20,67 Minuten) und 2 Meilen (7:58,61). Über viele Jahre spielte Daniel Komen keine Rolle mehr. Es schien, als würde er sein Talent verschenken. Jetzt versucht er ein Comeback, was allerdings nicht einfach wird.

Doch nicht nur Kenianer gehören zu Dieter Hogens neuer Trainingsgruppe. Der US-5000-m-Rekordler Bob Kennedy – der Dieter Baumann Amerikas – wird ebenso vom ehemaligen Berliner betreut wie Elana Meyer (Südafrika) oder Bob Tahri. Der Franzose ist der Europarekordler im Hindernislauf. Das Potenzial von Kimbia Athletics ist groß, doch die Gruppe wird bewusst relativ klein gehalten. Dieter Hogen und Tom Ratcliffe wollen ihre Athleten so individuell wie möglich betreuen. Zum Team gehören unter anderen auch Godfrey Kiprotich und Jane Howarth. Kiprotich war Mitte der neunziger Jahre einer der ersten Kenianer, die bei Dieter Hogen trainierten. Die Londonerin Howarth arbeitete früher bereits für Kim McDonald. Trainiert wird wechselnd in Boulder (Colorado) und in Iten (Kenia), wo Kimbia ein Trainingscamp errichtet hat.

Dieter Hogen kann auf über 25 Jahre Erfahrung als Trainer zurückgreifen. 1973 kam er einst als Läufer zum ASK Potsdam, wo er beim bekannten Laufcoach Bernd Dießner trainierte. Doch bereits im Alter von 22 Jahren war 1975 die Karriere des Läufers Dieter Hogen beendet. Nach einer Operation am rechten Bein war das Thema Leistungssport erledigt. Dieter Hogen konzentrierte sich stattdessen auf sein Studium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam. Noch vor seinem Abschluss als Diplom-Lehrer 1978 hatte er vom ASK Potsdam ein Angebot, als Trainer zu arbeiten. „Da mich der Leistungssport mehr interessierte als der Schuldienst, übernahm ich eine Gruppe 13- bis 15-jähriger Läufer“, erzählt Dieter Hogen, der dann ab 1986 den Erwachsenenbereich Langstrecke/ Marathon übernahm. Dabei betreute er eine Trainingsgruppe, der auch Uta Pippig angehörte.

Mit Uta Pippig ins Rampenlicht

Noch zu DDR-Zeiten führte er Uta Pippig, mit der er lange Zeit auch privat liiert war, in ein internationales Leistungsniveau. Höhepunkt war dabei der dritte Platz im Marathon-Weltcup 1989. Doch im zentralistischen DDR-Sportsystem fühlte sich Dieter Hogen nicht wohl, denn er kam nicht dazu, sein Potenzial umzusetzen. Internationale Startwünsche für seine Athleten wurden weitgehend verweigert. So setzte er sich mit Uta Pippig kurz nach der Wende zunächst nach Stuttgart ab, um aber bald darauf, unter neuen politischen Verhältnissen, wieder nach Berlin zurückzukehren. Danach gewann Uta Pippig jeweils dreimal den Boston- und den Berlin-Marathon. Sie hält noch immer den deutschen Rekord im Marathon (2:21:45 Stunden) und ist bis heute die einzige Deutsche, die den New-York-Marathon gewinnen konnte.

Trotz negativer Erfahrungen spricht Dieter Hogen längst nicht nur schlecht über die Vergangenheit in der DDR: „Gelernt hat man in der DDR, was bedingungslose Unterordnung unter ein Ziel bedeutet, was es bedeutet, nur höchste Maßstäbe zu akzeptieren. Das vermisse ich bei einigen Athleten heute. Sie investieren weit weniger als notwendige 100 Prozent, und durchschnittliche Leistungen gelten zu schnell als gut – in Deutschland und Amerika. Wenn man in Weltklasse-Leistungsbereiche hineinkommen möchte, muss man sehr viel bedingungsloser und härter trainieren als es sich viele vorstellen können“, sagt er und fährt fort: „Man muss sich professionell vorbereiten. Die DDR hat viele Profis gehabt, und das hat den Erfolg gebracht. Leider ist aber die Drangsalierung in politischer wie auch persönlicher Hinsicht in der DDR so stark gewesen, dass das Gute damit kaputtgemacht wurde.“

Inspiriert haben ihn einst die Erfolge und die Ideen von Waldemar Cierpinski und seinem Trainer Walter Schmidt. „Das waren ganz andere Programme als die damaligen Vorgaben, die vom Verband kamen. Sie wurden zur Basis meines heutigen Marathon-Trainingsprogramms“, erklärt Dieter Hogen. Der wichtigste Schritt auf dem Weg, Weltklasseresultate zu erzielen, ist für ihn der Aufbau eines bis ins Detail organisierten professionellen Umfeldes. Dazu gehören für den Coach unter anderem die Bereiche Trainingsberatung und -betreuung, Gesamt-Organisation, Physiotherapie, Ernährung, Erholung sowie eine motivierende Umgebung und ein freundliches Umfeld.

Mitte der neunziger Jahre arbeitete Dieter Hogen erstmals mit den Kenianern zusammen, nachdem Kim McDonald die Verbindung hergestellt hatte. Darunter war zum Beispiel auch Sammy Lelei. Lelei gewann 1995 den Berlin-Marathon und erzielte mit 2:07:02 Stunden die zweitschnellste Zeit aller Zeiten. Über sieben Jahre lang war niemand mehr so schnell gelaufen. Und es war der Beginn einer neuen Ära im Marathonlauf der Männer. „Irgendwann“, prophezeite Dieter Hogen damals, „läuft ein Kenianer im Marathon 2:05 Stunden.“ Was damals unglaublich klang, ist im Jahr 2003 eingetroffen: Paul Tergat lief in Berlin 2:04:55. Diesen Weltrekord zu brechen, ist heute ein Ziel von Dieter Hogen.

Jörg Wenig


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