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Thema des Monats Juni: Was ist dran an „Low Carb“? Ist der neue Ernährungstrend auch für Sportler ideal?

Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Dr. Sandra Kluge bewertet für Sie den neuen Trend in Sachen Ernährung.

03.06.2005

Der neue Trend im Bereich der Ernährung kommt – wie so oft – aus Amerika und heißt „Low Carb“. Übersetzt bedeutet das: „Esst wenig Kohlenhydrate“. Gleichzeitig wird bei diesem Trend das Fett wieder frei gegeben, sprich daran braucht man nicht mehr zu sparen. Bekannt ist diese Ernährungsweise schon seit längerer Zeit z.B. unter dem Stichwort  „Atkins-Diät“. Auch hier dufte man so viel fett- und eiweißreiche Nahrungsmittel zu sich nehmen wie man wollte und sollte nur bei den Kohlenhydraten sparsam sein. Für „Low Carb“ und Co gibt es mittlerweile einen großen Markt: Bücher, spezielle Lebensmittel - insbesondere in Amerika – und vieles mehr. Die Getreideerzeugende Industrie hat in den USA bereits das Nachsehen, die Produzenten von fettreichen Lebensmitteln sind die Profiteure.

„Low Carb“ wird von vielen als die neue Ernährung propagiert, doch ist dieser Trend auch für Sportler sinnvoll?

Zunächst vorweg: Ob sich dieser Trend überhaupt langfristig günstig auf die Gesundheit auswirkt, ist noch nicht eindeutig belegt. In der Tat gehen die Blutfettwerte bei einer solchen Ernährungsweise erst einmal runter. Zudem zeigen Untersuchungen, dass bestimmte Zivilisationskrankheiten unter den bisherigen Essgewohnheiten immer häufiger auftreten. Was eine solch radikale Umstellung aber langfristig bringt, muss man sehen. Und schließlich ist die Ernährung nur ein Faktor unseres Lebensstils und nicht allein verantwortlich .

Wie sieht es nun mit „Low Carb“ bei Sportlern aus? Das Training zehrt an den Energiereserven und hier nicht nur am Fett sondern auch an den Kohlenhydratspeichern. Wer viel trainiert, insbesondere intensive Einheiten oder Intervallbelastungen absolviert, hat einen höheren Kohlenhydratverbrauch und damit auch -bedarf als jemand, der sich Sport lieber im Fernsehen ansieht. Und nicht nur intensive Belastungen fordern die Kohlenhydratspeicher. Auch in langen Einheiten, wie z.B. bei einem langen Grundlagenausdauer-Lauf über 2h und länger, verbrauchen wir Kohlenhydratenergie. Zwar dominieren bei dieser Art von Läufen die Fette in der Energiebereitstellung, aber auch Fette verbrennen nur im Feuer der Kohlenhydrate. Sehr gut Trainierte verbrennen einen höheren Anteil Fett, bei Einsteigern muss der Fettstoffwechsel erst regelmäßig trainiert werden. Hier werden anteilig mehr Kohlenhydrate verfeuert. Sind die Kohlenhydratreserven aufgebraucht, läuft man in einen sogenannten „Hungerast“. Plötzlich geht nichts mehr, man „platzt“ oder „der Mann mit dem Hammer kommt“, wie wir Sportler sagen und das nicht selten bei km 35.

Wer jetzt durch „Low Carb“ inspiriert auf seine Nudelparty am Vorabend verzichtet bzw. im Trainingsalltag bei Nudeln, Reis, Kartoffeln, Müsli & Co. nur noch Spatzenportionen verzehrt, dem wird im Training oder Wettkampf früher die Energie ausgehen. Weniger kohlenhydratreiche Lebensmittel zu essen bedeutet auch weniger gefüllte Kohlenhydratspeicher. Bei einem ruhigen Training werdet ihr das nicht so merken, aber sobald es mal mehr zur Sache geht, Fahrtspiel, Tempo-Wechsel-Läufe und intensive Läufe auf dem Plan stehen, wird es mit der Kohlenhydratenergie wahrscheinlich knapp. Ihr werdet euch nicht mehr so leistungsfähig und gut fühlen.

Deshalb: „Low Carb“ ist nicht für ambitionierte Sportler mit mehreren Stunden Training pro Woche und zusätzlichen Wettkampfbelastungen gedacht! Im Gegenteil. Nehmen Sportler trotz hoher Trainingsumfänge zu wenig Kohlenhydrate auf, sinkt die Leistungsfähigkeit erheblich. Im Übrigen ist regelmäßige Bewegung ein wichtiger Faktor bei der Prävention zahlreicher Erkrankungen und zur Senkung der Blutfettwerte. In diesem Sinne, genießen Sie weiter Ihre Nudeln und viel Spass beim Training!


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