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Nachwuchsförderung ist und bleibt Kernaufgabe moderner Vereinsarbeit

Großvereine und Leistungssport, passt das zusammen? Diese Frage unterzog der Freiburger Kreis (FK) einer kritischen Analyse

18.06.2005

Großvereine und Leistungssport, passt das zusammen? Diese Frage unterzog der Freiburger Kreis (FK) einer kritischen Analyse. SSF Bonn, Gastgeber des Frühjahrsseminars der Arbeitsgemeinschaft größerer deutscher Sportvereine, war Initiator der Diskussion.
Am Ende stand für gut 40 der 171 Großvereine die Leitlinie: Leistung im Sport ja, aber kaum mehr Hochleistungssport.

Der FK-Vorstand erhielt den Auftrag, das Reizthema auf die Tagesordnung eines der nächsten Seminare zu setzen. Dabei geht es um eine Grundhaltung, was Leistungssport für die Großvereine bedeutet. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Großsportvereine, Silvia Glander (Ratingen), erkannte: "Wir haben dieses Thema im FK so noch nicht diskutiert." Zu diesem Schwerpunkt passt zugleich der Auftrag des DSB- Generalsekretärs Dr. Andreas Eichler, in die Fusionsdebatte zwischen DSB und NOK mit einem Thesenpapier die Position der Großvereine einfließen zulassen. Auch hier sieht der Freiburger Kreis Handlungsbedarf.
 
Die Großvereine des Freiburger Kreises und der Spitzensport
 
Großvereine und Leistungssport - ein Beispiel ist SSF Bonn selbst: In den siebziger Jahren (6500 Mitglieder) zählten die Schwimm- und Sportfreunde 20 Olympiateilnehmer im Schwimmen, darunter der heutige NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach, und huldigten dem Spitzensport. Plötzlich gingen die Mitglieder in Scharen von der Fahne, weil sie nicht länger ihre Beiträge für den Spitzensport opfern wollten. 3.700 waren es noch 1992, als der Vorstand das Ruder herumriss: Breiten- und Gesundheitsport, Kursangebote. Heute bilanziert Bonn wieder fast 8.000 Mitglieder.
 
Vorsitzender Michael Scharf, früher selbst Topathlet im Modernen Fünfkampf, heute Leiter des Olympiastützpunktes Köln/Bonn/Leverkusen, hat ein gedeihliches Miteinanders mit entwickelt: Förderung des eigenen Nachwuchses, Pflege eigener Talente im Schwimmen, Volleyball oder Modernen Fünfkampf. Abkehr vom kostspieligen Leitbild. Für diesen Kurs findet sich die Solidarität der Breite. Scharf: "Wir fördern Breiten- und Leistungssport, den Leistungssport nicht um jeden Preis." Heißt für Bonn: "Wir kaufen keine Spitzensportler ein. Wir schaffen auch gute Umfeldbedingungen" (Teilzeitinternat, Trainer, Einbindung von Vorbildern). "Wir fördern den Wechsel", beispielsweise in der Kooperation mit den Leichtathleten von Bayer Leverkusen, die Talente übernehmen. "Wir sind bereit, Athleten an andere Vereine abzugeben."
 
"Spitzensport entwickelt auf den Breitensport unheimliche Anziehungskraft"

Michael Scharf beziffert Kosten zur "Produktion" einer Olympiamedaille auf einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag. "Da gibt es wenig Möglichkeiten zur Refinanzierung." Noch fließe das Geld üppig ("Der Spitzensport hängt am Tropf des Innenministeriums").
 
Nach Peking 2008 erwartet der Olympiastützpunkt-Leiter einen harten Struktur- und Verteilungskampf. "Diese jetzige Diskussion um Topteams ist mehr eine Armutsdiskussion. Die Konzentration der Verbände kann nur dahin gehen, wo professionelle Strukturen sind." Auch das mit unverantwortlichem Geldaufwand in vielen Vereinen künstlich am Leben erhaltene Legionärstum ist für Scharf Indiz für den Verfall der Spitzensportstrukturen.
 
Scharf: "Wenn es um die Zukunft des Leistungssports geht, sollte sich der Freiburger Kreis nicht in die Ecke Breitensport stellen lassen." Silvia Glander betonte: "Die Vereine sind ziemlich alleine gelassen. Ich denke, da ist von den Verbänden eine Lücke. Die Basis, die den Grundstein legt, wird meistens vergessen." Ein Belohnungssystem für Klubs, die Talente reifen lassen, könnte Anerkennung und Legitimation bedeuten. "Die Leute, die die Arbeit machen, die sind frustriert." Kritische Stimmen im Freiburger Kreis betonten: "Unsere Zukunft liegt nicht in Goldmedaillen und Ähnlichem. Ob wir sie in Zukunft überhaupt brauchen? Das kostet sehr viel Geld, das dem Sport verloren geht." Oder: "Für die Vereine bietet sich kein Anreiz, sich im Leistungssport zu engagieren." 
 
Nachwuchsarbeit und -Förderung ist Kernaufgabe moderner Vereinsarbeit

Konsens herrscht: Nachwuchsarbeit und -Förderung ist Kernaufgabe moderner Vereinsarbeit, denn "Spitzensport entwickelt auf den Breitensport unheimliche Anziehungskraft". Eine Stimme unterstrich den olympischen Wert Leistung sowie die pädagogische Verantwortung und Verpflichtung: "Leistung zu fördern, ist nötig. Die Verbände können keine Basisarbeit tun. Wir sind die Zivilgesellschaft."
 
Michael Scharf : "Wir werden im Leistungssport weiter runter gehen. Ich beobachte eine Ausdünnung der Vereinslandschaft und Konzentration auf einige Sportarten." Synergien zwischen Vereinen und Verbänden? "Dafür sind die Verbände noch nicht bereit." Eine Reihe von Großvereinen investiert in die Nachwuchsarbeit so gut und soweit es wirtschaftlich gegenüber den Mitgliedern vertretbar ist. Silvia Glander: "Es gibt eine Grenze, wo die Leistungsfähigkeit eines Vereins endet." Damit erlischt die Solidarität des Umfeldes.
Großvereine und Leistungssport, passt das zusammen? Diese Frage unterzog der Freiburger Kreis (FK) einer kritischen Analyse. SSF Bonn, Gastgeber des Frühjahrsseminars der Arbeitsgemeinschaft größerer deutscher Sportvereine, war Initiator der Diskussion. 
   
  
Am Ende stand für gut 40 der 171 Großvereine die Leitlinie: Leistung im Sport ja, aber kaum mehr Hochleistungssport.

Der FK-Vorstand erhielt den Auftrag, das Reizthema auf die Tagesordnung eines der nächsten Seminare zu setzen. Dabei geht es um eine Grundhaltung, was Leistungssport für die Großvereine bedeutet. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Großsportvereine, Silvia Glander (Ratingen), erkannte: "Wir haben dieses Thema im FK so noch nicht diskutiert." Zu diesem Schwerpunkt passt zugleich der Auftrag des DSB- Generalsekretärs Dr. Andreas Eichler, in die Fusionsdebatte zwischen DSB und NOK mit einem Thesenpapier die Position der Großvereine einfließen zulassen. Auch hier sieht der Freiburger Kreis Handlungsbedarf.
 
Die Großvereine des Freiburger Kreises und der Spitzensport
 
Großvereine und Leistungssport - ein Beispiel ist SSF Bonn selbst: In den siebziger Jahren (6500 Mitglieder) zählten die Schwimm- und Sportfreunde 20 Olympiateilnehmer im Schwimmen, darunter der heutige NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach, und huldigten dem Spitzensport. Plötzlich gingen die Mitglieder in Scharen von der Fahne, weil sie nicht länger ihre Beiträge für den Spitzensport opfern wollten. 3.700 waren es noch 1992, als der Vorstand das Ruder herumriss: Breiten- und Gesundheitsport, Kursangebote. Heute bilanziert Bonn wieder fast 8.000 Mitglieder.
 
Vorsitzender Michael Scharf, früher selbst Topathlet im Modernen Fünfkampf, heute Leiter des Olympiastützpunktes Köln/Bonn/Leverkusen, hat ein gedeihliches Miteinanders mit entwickelt: Förderung des eigenen Nachwuchses, Pflege eigener Talente im Schwimmen, Volleyball oder Modernen Fünfkampf. Abkehr vom kostspieligen Leitbild. Für diesen Kurs findet sich die Solidarität der Breite. Scharf: "Wir fördern Breiten- und Leistungssport, den Leistungssport nicht um jeden Preis." Heißt für Bonn: "Wir kaufen keine Spitzensportler ein. Wir schaffen auch gute Umfeldbedingungen" (Teilzeitinternat, Trainer, Einbindung von Vorbildern). "Wir fördern den Wechsel", beispielsweise in der Kooperation mit den Leichtathleten von Bayer Leverkusen, die Talente übernehmen. "Wir sind bereit, Athleten an andere Vereine abzugeben."
 
"Spitzensport entwickelt auf den Breitensport unheimliche Anziehungskraft"

Michael Scharf beziffert Kosten zur "Produktion" einer Olympiamedaille auf einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag. "Da gibt es wenig Möglichkeiten zur Refinanzierung." Noch fließe das Geld üppig ("Der Spitzensport hängt am Tropf des Innenministeriums").
 
Nach Peking 2008 erwartet der Olympiastützpunkt-Leiter einen harten Struktur- und Verteilungskampf. "Diese jetzige Diskussion um Topteams ist mehr eine Armutsdiskussion. Die Konzentration der Verbände kann nur dahin gehen, wo professionelle Strukturen sind." Auch das mit unverantwortlichem Geldaufwand in vielen Vereinen künstlich am Leben erhaltene Legionärstum ist für Scharf Indiz für den Verfall der Spitzensportstrukturen.
 
Scharf: "Wenn es um die Zukunft des Leistungssports geht, sollte sich der Freiburger Kreis nicht in die Ecke Breitensport stellen lassen." Silvia Glander betonte: "Die Vereine sind ziemlich alleine gelassen. Ich denke, da ist von den Verbänden eine Lücke. Die Basis, die den Grundstein legt, wird meistens vergessen." Ein Belohnungssystem für Klubs, die Talente reifen lassen, könnte Anerkennung und Legitimation bedeuten. "Die Leute, die die Arbeit machen, die sind frustriert." Kritische Stimmen im Freiburger Kreis betonten: "Unsere Zukunft liegt nicht in Goldmedaillen und Ähnlichem. Ob wir sie in Zukunft überhaupt brauchen? Das kostet sehr viel Geld, das dem Sport verloren geht." Oder: "Für die Vereine bietet sich kein Anreiz, sich im Leistungssport zu engagieren."
 
Konsens herrscht: Nachwuchsarbeit und -Förderung ist Kernaufgabe moderner Vereinsarbeit, denn "Spitzensport entwickelt auf den Breitensport unheimliche Anziehungskraft". Eine Stimme unterstrich den olympischen Wert Leistung sowie die pädagogische Verantwortung und Verpflichtung: "Leistung zu fördern, ist nötig. Die Verbände können keine Basisarbeit tun. Wir sind die Zivilgesellschaft."
 
Michael Scharf : "Wir werden im Leistungssport weiter runter gehen. Ich beobachte eine Ausdünnung der Vereinslandschaft und Konzentration auf einige Sportarten." Synergien zwischen Vereinen und Verbänden? "Dafür sind die Verbände noch nicht bereit." Eine Reihe von Großvereinen investiert in die Nachwuchsarbeit so gut und soweit es wirtschaftlich gegenüber den Mitgliedern vertretbar ist. Silvia Glander: "Es gibt eine Grenze, wo die Leistungsfähigkeit eines Vereins endet." Damit erlischt die Solidarität des Umfeldes.

Quelle:
www.dsb.de



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